Nicht Single und nicht "fix zam" - die "Mingles"

"Single", "in einer Beziehung" und "Es ist kompliziert" sind die drei Auswahlmöglichkeiten für den Beziehungsstatus etwa auf Facebook. So kompliziert ist das "Dazwischen" aber gar nicht, finden die sogenannten "Mingles" und leben in unverbindlichen Beziehungen, ohne "fix zam" zu sein. Ob das ein Modell für die Zukunft ist, erläuterte Psychotherapeutin und Autorin Gerti Senger am Donnerstag in einem Parship.at-Pressegespräch.
-Pressegespräch.

Die Beziehungslandschaft ist in ständigem Umbruch. Manche Menschen genießen ihr Single-Dasein, manche suchen die feste Beziehung und manche wollen etwas dazwischen. Für diesen letztgenannten Beziehungstyp hat sich in den letzten Jahren die Bezeichnung "Mingles" - vom englischen Wort "to mingle", d.h. "vermischen" - herausgebildet.

Darunter versteht man Menschen, die unverbindliche Beziehungen pflegen, manchmal auch gleich mehrere parallel. Dabei geht es nicht nur um Sex, sondern oft auch um andere Facetten einer Beziehung. Einzige Bedingung: keine feste Bindung. Mingles picken sich sozusagen die besten Rosinen aus Beziehung und Single-Dasein heraus, daher auch der englische Name.

"Es geht nicht nur um Sex"

Mingles haben allerdings nicht einfach nur eine Sex-Beziehung. "Es gibt z.B. Menschen, die führen ", erläutert Senger.

"Das zeigt, dass diese Art von Nähe äußerst wichtig ist und es bei den Mingles nicht nur um unverbindlichen Sex geht." An Feiertagen mit zu den Eltern zu kommen ist jedoch in jedem Fall ein No-Go. Der Unterschied zum Single-Dasein liegt für die erfahrene Therapeutin in der Aktivität. "Langzeit-Single zu sein hat etwas von unfreiwilliger Langzeit-Arbeitslosigkeit", erklärte Senger den negativen Touch. Als Mingle habe man da eine aktivere Zugangsweise und warte nicht darauf, vom "Richtigen" gefunden zu werden.

Beziehungen von Widerspruch geprägt

"Heutzutage sind Beziehungen von einem starken Widerspruch geprägt", erläuterte Senger im Anschluss im Gespräch mit "Heute.at". Die Offenheit und Freiheit weckt in vielen die Sehnsucht nach Treue und Beständigkeit. Gleichzeitig wollen viele die Freiheit nutzen. So ist das Mingles-Dasein oft auch eine Entscheidung für einen gewissen Lebensabschnitt. "Gerade junge Leute, die sich auf Studium oder Karriere konzentrieren und nicht daran interessiert sind, eine Familie zu gründen, suchen dann eben eine unverbindliche Beziehung", so Senger.

Monogamie kein Auslaufmodell

Laut einer Marktagent-Studie im Auftrag von würden sich immerhin fünf Prozent der Österreicher als Mingles bezeichnen, 20 Prozent sind Singles und drei Viertel leben in einer festen Beziehung. Stolze 96 Prozent der Menschen in einer festen Beziehung ist zufrieden, die Monogamie sei also alles andere als ein Auslaufmodell, betonte Marktforscher Thomas Schwabl. Bei den Mingles sind immerhin noch 73 Prozent zufrieden mit ihrem Beziehungsstatus. Bei den Singles sind es nur knapp zwei Drittel.

Die Mingles werden die feste Partnerschaft also in naher Zukunft nicht ersetzen. Die große Liebe bleibt laut Gerti Senger auch weiterhin das Ideal, auch wenn - oder gerade weil - die Liebe "nicht einfacher" werden wird, prognostizierte sie. Aber einfach waren Herzensangelegenheiten ja ohnehin nie wirklich...

 
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