So viel Geld kostet der Brexit jeden Österreicher

Ein ungeregelter Austritt Großbritanniens aus der EU hätte dramatische Folgen. Alleine Österreich würde mehr als 700 Mio. Euro im Jahr einbüßen – andere trifft es noch härter.

Zwei Jahre nach dem umstrittenen Brexit-Referendum wollte Großbritannien am 29. März die angestrebte "Scheidung" mit der Europäischen Union vollziehen. Wollte, denn die Briten haben nun um eine Verschiebung um drei Monate gebeten. Dem muss die EU aber noch zustimmen. Theresa Mays Brexit-Deal ist aber auf beiden Seiten des Ärmelkanals umstritten. Im schlimmsten Fall erfolgt der Abgang des Vereinigten Königreichs völlig ungeregelt.

Die deutsche Bertelsmann-Stiftung hat in einer neuen Studie nun nachgerechnet, welche Folgen ein solcher "Hard Brexit" für Österreich, die EU und den Rest der Welt hätte. Und diese sind teils dramatisch.

Europa verliert, ...

Die Europäer, ohne Großbritannien, müssten bei einem harten Brexit Einkommensverluste von 40 Milliarden Euro pro Jahr hinnehmen. Am härtesten würde ein solcher "No-Deal-Brexit" die Briten selbst treffen: Auf das Vereinigte Königreich würden Einkommensverluste von 57 Milliarden Euro pro Jahr und rund 900 Euro pro Einwohner zukommen. Innerhalb der künftigen EU trifft der Einkommensverlust die Deutschen mit rund zehn Milliarden Euro pro Jahr und rund 115 Euro pro Person am härtesten.

Österreich kommt da vergleichsweise glimpflich davon. Laut den Berechnungen der Experten müssten wir einen Einkommensverlust von 724 Millionen Euro im Jahr hinnehmen, Das entspricht etwa 83 Euro pro Kopf. Am Ende des Tages bleibt also den Europäern nicht nur der "Trennungsschmerz", sondern auch noch weniger Geld im Börserl.

... Rest der Welt gewinnt

Aber es gibt auch Gewinner – in Europa sucht man diese allerdings vergebens. Profitieren werden vor allem China und die USA. Laut der Studie könnten die US-Einkommen bei einem harten Brexit um rund 13 Milliarden Euro jährlich steigen, in China immer noch um rund fünf Milliarden Euro. In Russland wäre mit einem leichten Anstieg in Höhe von rund 260 Millionen Euro jährlich zu rechnen.

Grafik: Die jährlichen Einkommensverluste- und gewinne durch einen harten Brexit. (Quelle: Bertelsmann Stiftung)

Der ungeregelte Austritt Großbritanniens würde die europäische Wertschöpfungskette stark negativ beeinflussen, so Studienautor Dominic Ponattu. "Dadurch würde der Handel innerhalb Europas teurer [etwa durch Zölle, Anm.] und die Wirtschaftsbeziehungen mit dem Rest der Welt attraktiver werden."

So wichtig ist der Brexit-Deal

"Der Brexit könnte das Fundament des größten gemeinsamen Wirtschaftsraums der Welt schwer beschädigen", kommentiert Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann-Stiftung, die Ergebnisse: "Brüssel und London müssen alles tun, um den Ausstieg vertraglich zu regeln."

Ein Brexit unter vertraglich geregelten Bedingungen, wie ihn die EU mit der britischen Regierung ausgehandelt hat, könnte die negativen Folgen stark abschwächen. Die gesamte EU, ausgenommen Großbritannien, müsste bei einem weichen Brexit mit insgesamt rund 22 Milliarden anstelle von sonst 40 Milliarden Euro an jährlichen Einkommensverlusten rechnen.

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(rcp)

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