Noch 6.144 Flüchtlinge in Wiener Groß-Quartieren

6.144 Flüchtlinge leben in Wien noch in größeren Quartieren.
6.144 Flüchtlinge leben in Wien noch in größeren Quartieren.Bild: iStock

Entgegen dem Vorschlag von Innenminister Kickl von "konzerntrierter" Unterbringung, setzt Wien auf Asylwerber in Privatwohnungen. 6.144 leben dennoch in 100 größeren Quartieren.

Das größte Flüchtlingsquartier steht in Hietzing. Fast 800 Personen sind – aufgeteilt auf vier Häuser, wovon drei die Stadt und eines der Samariterbund betreuen – im ehemaligen Geriatriezentrum am Wienerwald untergebracht. In fünf weiteren Quartieren leben je mehr als 200 Flüchtlinge. Die durchschnittliche Belegung der anderen größeren Quartiere liegt bei 60 Personen, so "Wien heute". Insgesamt gibt es in Wien noch 100 organisierte Flüchtlingsunterkünfte.

Asylverfahren dauern zu lange

Hauptgrund für die noch immer recht hohe Zahl von Flüchtlingen in größeren Quartieren sei laut Fonds Soziales Wien die oft sehr lange Wartezeit auf Erstgespräche bzw. die Abwicklung der Asylverfahren im allgemeinen. "Ich habe viele Männer aus Afghanistan, die seit zwei Jahren auf ihr Erstgespräch, auf ihr Erstinterview warten", so Rene Zehner, Leiter der Flüchtlingshilfe „Obdach Wien", zu "Wien heute". Rund die Hälfte der Flüchtlinge im Hietzinger Quartier habe laut Fonds Soziales Wien noch kein Interview mit dem Bundesamt für Asyl gehabt.



Strenge Regeln im Groß-Quartier

Im letzten echten Groß-Quartier der Stadt leben hauptsächlich Familien: "Der Alltag ist für viele Arbeiten gehen. Die Kinder gehen in Schulen oder Kindergärten." Viele arbeiten ehrenamtlich oder gegen ein kleines Entgelt in der Unterkunft selbst: „Das fängt an mit Reinigung in unserem Haus. Die Mütter und Väter kochen, wir können hier seit langer Zeit kochen. Gar nicht so viel anders, wie für andere Menschen in dieser Stadt", so Zehner. Die Regeln sind streng: "Die Bewohner sind angehalten, täglich ihre Anwesenheit bekannt zu geben. Die registrieren sich bei uns. Wir kennen die Bewohner, das heißt, wenn wer fehlt, schauen wir, was ist da los." Auch der zuständige "Refugee Contact Officer" der Polizei schaue noch ein bis zweimal pro Woche nach dem Rechten.

Anrainerbeschwerden über die Bewohner würde es kaum noch geben, so Zehner zu "Wien heute". Ab und zu müssten Streitereien unter den Bewohnern geschlichtet werden. Grundsätzlich achte man aber auf Selbstständigkeit: „Wir sperren um 22 Uhr unsere Türen zu. Wobei die Bewohner die Freiheit haben, kommen und gehen zu können."

(Red)

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