Kurz nach Sonnenaufgang tragen Surfer ihre Bretter zum Strand, wenig später klappern die Tastaturen in den Cafés. Auf den Tischen stehen Flat White und Smoothie Bowls, daneben Laptops - mit Blick aufs Meer. So sieht der Alltag im balinesischen Canggu aus, einem der beliebtesten Orte für digitale Nomaden weltweit.
Doch vom einstigen Fischerdorf ist kaum noch etwas übrig. Zwischen hippen Lokalen, Yogastudios und Coworking Spaces wird überall gebaut: Kräne ragen in den Himmel, Bagger fressen sich durch die Erde, Reisfelder verschwinden.
"Alles hat sich in den letzten Jahren verändert, und das macht uns manchmal sehr traurig", sagt die Hotelangestellte Giri nach Angaben von heise online. "Unsere Natur, die typischen Landschaften, verschwinden, weil fast alles Land an reiche Investoren verkauft wird." Dann beginnt sie zu weinen.
Die Frage, wem Bali eigentlich gehört, wird immer lauter. Erst im Juli sorgte ein Fall für internationale Schlagzeilen: Zwei Niederländer hatten eine Laufgruppe namens "Entourage Bali" gegründet. Dann berichtete eine Indonesierin, sie sei abgelehnt worden, während ihr ausländischer Ehemann problemlos aufgenommen wurde.
Die Folge: Die beiden Gründer dürfen wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Einwanderungsbestimmungen und Diskriminierung nicht mehr nach Indonesien einreisen. "Es darf keinen Staat im Staate geben", betonte der Generaldirektor der Einwanderungsbehörde.
Warum gerade Bali? Die Antwort: tropisches Klima, niedrige Lebenshaltungskosten, gute Infrastruktur - und man braucht nur einen Laptop zum Arbeiten. Doch genau das treibt die Preise in die Höhe.
Die explodierenden Grundstücks- und Immobilienpreise machen es vielen Balinesen unmöglich, in ihrer eigenen Heimat noch ein Haus zu bauen. "Es bringt wenig, hohe Deviseneinnahmen zu erzielen, wenn die Menschen vor Ort kein friedliches Leben mehr führen können", warnt Tourismusprofessor I Putu Anom.
Immer mehr Familien verkaufen ihr Land an wohlhabende Investoren - und fragen sich, wie Bali seinen Charakter bewahren soll, wenn jene Menschen verdrängt werden, die die Kultur seit Generationen lebendig halten.