Norbert Hofer: Das war die größte Corona-Sünde

Norbert Hofer in der Pressestunde
Norbert Hofer in der PressestundeORF 2
Norbert Hofer hätte in Sachen Corona so einiges anders gemacht. Und hat sogar ein großes Interesse, mit der SPÖ zusammenzuarbeiten.

Als noch kein Wort von einer Pandemie war, gingen der FPÖ die Maßnahmen gegen den "Import" des Coronavirus nicht schnell und streng genug. Bereits kurz darauf schwenkte man zum eisernen Verteidiger der Freiheit über und sprach von einem "Corona-Wahnsinn". Zeltfeste fanden im Sommer ohne Abstand und Masken statt, die Vizeklubchefin rief indirekt zum Boykott der anstehenden Massentests auf.

Zu all diesen Fragestellungen war am Sonntag der Dritte Nationalratspräsident und FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer zu Gast in der Pressestunde. Dabei ging es allerdings nicht nur um Corona, sondern auch um den Winter-Tourismus, Lösungen gegen einen drohenden Anstieg der Infektionszahlen und eine Strategie für die eigene Partei, insbesondere nach der 7,11-Prozent-Watschn bei der Wien Wahl. Die Fragen stellten Simone Stribl vom ORF und Andres Koller von den "Salzburger Nachrichten".

Massentests

"Wenn Sie Weihnachten in Ruhe feiern wollen, dann lassen Sie sich nicht testen", sagte FPÖ-Vizeklubchefin (und Doktorin der Medizin) Dagmar Belakowitsch. Diese Formulierung hält Norbert Hofer, der selbst eine Infektion hinter sich hat, für unglücklich. "Es gibt keine Empfehlung der FPÖ, sich nicht testen zu lassen", stellt er klar.

Im Endeffekt sei es die persönliche Entscheidung eines jeden Bürgers, auch, wenn er selbst Massentests für großen Unsinn hält. Das sei sogar in der Teststrategie des Gesundheitsministeriums am 13. Oktober noch so festgehalten worden. Hofer kann sich nicht vorstellen, dass die Bezirksverwaltungsbehörden einen reibungslosen Ablauf bewerkstelligen werden können. Aber: "Zu schaffen wird es irgendwie sein".

China-Masken

Die FPÖ betreibe hier keinesfalls Verharmlosung, sondern einen anderen Zugang zu Lösungen. Besonders auf die Alten- und Pflegeheime müsse man schauen, dieses Thema ist Hofer (dessen Frau Altenpflegerin ist) offenbar besonders wichtig. Dort fehle der Schutz, Leute vereinsamen. "Die größte Sünde war, dass wir China-Masken bestellt haben", sagt er in Bezug auf die fehlerhaften Chargen in Salzburg und Kärnten.

"Hier wurden Menschenleben auf's Spiel gesetzt"

Auch beim Thema Impfung wird es keine Empfehlung geben, das müsse jeder selbst entscheiden. Kritik setzt er daran, dass es keine Langzeitstudie über mögliche Impfschäden gibt, "vielleicht muss sich das ausgehen", sagt er. Obwohl Hofer selbst geimpft ist, will er nicht, dass es persönliche Konsequenzen für jemanden setzt, der sich gegen die Impfung entscheidet.

Kein Lockdown, aber Regeln

Der Lockdown hätte den Ansturm auf den Handel erst ausgelöst, weswegen Hofer auch bei einer Lockerung wieder Bilder wie aus den Einkaufszentren befürchtet. Stattdessen solle es schon jetzt allen Betrieben ermöglicht werden, Abholungen anbieten zu dürfen. So soll auch verhindert werden, dass jeder auf Amazon bestellt.

"Ich hätte diesen Lockdown nicht gemacht"

Hofer hätte den Handel die komplette Zeit über offen gelassen, so soll die Situation auch nach dem 7. Dezember aussehen. "Die Wirtschaft braucht Sicherheit", sagt er. Sinnvolle Regeln seien etwa die 10-Quadratmeter-Regel, Desinfektionsspender sowie eine Spreizung der Kundenströme, etwa dadurch, dass vormittags nur Senioren einkaufen dürfen.

Auch bei den Schulen gibt es viele Konzepte, die die Regierung allerdings nicht umsetzt. "Man kann zu Hause nicht so lernen wie in der Schule“, zudem fehlt es oft an Laptops und sozialen Kontakten. In der Gastronomie sollen die "normalen Wirtshäuser" wieder öffnen dürfen, nicht allerdings die Bars und Clubs. Auch eine Sperrstunde befürwortet der FPÖ-Chef.

Skifoahn

Beim Wintersport zeigen sich noch Ähnlichkeiten zum ehemaligen Bundeskanzler unter schwarz-blau, Wolfgang Schüssel, denn auch Hofer findet: "Auf der Piste wird man sicher sein". Bewegung im Freien sei grundsätzlich positiv und da normalerweise 80 Prozent der Skifahrer Touristen sind, wird heuer deutlich weniger los sein. In den Gondeln braucht es trotzdem Maßnahmen.

Gefahr einer Überlastung der Intensivstationen durch Skiunfälle sieht er nicht, ein großer Teil davon sei relativ harmlos, Knochenbrüche etc. Den scharfen Ton aus Bayern führt er auf diplomatische Fehler zurück. Im Sommer habe man zu sehr "von oben herab" mit Vertretern anderer Länder kommuniziert anstatt freundschaftliche Beziehungen zu pflegen.

"Ich verharmlose überhaupt nichts"

Um einiges gefährlicher als Corona sei der Koran. An dieser heftig kritisierten Aussage hält Norbert Hofer auch heute noch fest. "Wir werden Corona besiegen", aber mit den Folgen des radikalen Islam wird man auch danach noch zu kämpfen haben. Eine Verharmlosung von Corona kann er darin nicht erkennen.

Terror & Politik

Laut Hofer war es nur eine Frage der Zeit, bis solch ein Terroranschlag in Österreich passiert. Doch mehr noch: Die "Gesetzeslage hätte gereicht, um diesen Terroranschlag zu verhindern". Das Problem war, dass die Behörden die Justiz nicht informierten. Bei IS-Anhängern soll es deswegen keine Toleranz geben, die Staatsbürgerschaft entzogen und Menschen abgeschoben werden. Wohin der Terrorist – der in Österreich geboren wurde – abgeschoben hätte werden sollen, lässt Hofer offen.

"Wenn wir regieren würden, würden einige Dinge ganz anders ausschauen"

Nach dem Bekanntwerden eines Termins von Hofer und Kurz kamen Gerüchte über eine mögliche Annäherung auf. Diese dementiert Norbert Hofer klar, man pflege mit allen Parteien professionelle Kontakte sowie ein gewisses Interesse, zusammenzuarbeiten. Trotzdem sei in einer Demokratie eine harte Auseinandersetzung wichtig, verteidigt er Klubchef Herbert Kickl. Über Gemeinsamkeiten mit der ÖVP könne man allerdings nicht hinwegsehen. "Ist die ÖVP eine rechte Partei? Ja, würde ich heute sagen".

"Ich hab großes Interesse, mit der SPÖ zusammenzuarbeiten"

Eine Kandidatur bei der Bundespräsidentschaftswahl lässt Hofer noch offen. Ursprünglich war eine solche kein Thema, nach der Andeutung von Seiten der SPÖ, auf einen Kandidaten zu verzichten, müsse er sich das allerdings noch überlegen. Eine Unterstützung von Alexander Van der Bellen schließt er allerdings aus. Nichtsdestotrotz: "Ich will kein Star sein".

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