Nordkorea meldet erste Corona-Tote – 350.000 infiziert

Kim Jong-un hat landesweite Lockdowns angekündigt.
Kim Jong-un hat landesweite Lockdowns angekündigt.ANTHONY WALLACE / AFP / picturedesk.com
Nordkorea hatte sich Anfang 2020 selbst noch mehr abgeschottet, jetzt vermeldet es den allerersten Corona-Ausbruch mit bereits ersten Todesfällen.

Das international isolierte Nordkorea hat den ersten Corona-Ausbruch seit Beginn der Pandemie vor über zwei Jahren vermeldet. Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA erklärte am Donnerstag, es handle sich um einen "schweren nationalen Notfall". Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un kündigte landesweite Lockdowns an.

Einen Tag nach Bestätigung des ersten Corona-Ausbruchs mussten auch schon Todesfälle vermeldet werden. Insgesamt seien sechs Menschen an einer Fiebererkrankung gestorben, berichtete KCNA am Freitag.

KCNA zufolge stimmten Proben von Patienten, die am Sonntag in der Hauptstadt Pyongyang mit Fieber erkrankt waren, mit der hochansteckenden Omikron-Variante BA.2 überein. Laut der Nachrichtenagentur hätten sich rund 350.000 Menschen mit einem "unbekannten Fieber" infiziert.  187.000 Menschen sind mit Fieber unter Isolation gestellt worden.

Grenzkontrollen und Abriegelungsmaßnahmen

Kim erklärte daraufhin bei einer Dringlichkeitssitzung des Politbüros, das Land werde ein "maximales" Quarantäneprotokoll einführen, um den Ausbruch einzudämmen. Ziel sei, die "Wurzel innerhalb kürzester Zeit zu beseitigen". Kim fügte hinzu, dass Nordkorea "aufgrund des hohen politischen Bewusstseins des Volkes die Notlage sicher überwinden und das Notstandsquarantäneprojekt gewinnen" werde.

Kim rief zu strengeren Grenzkontrollen und Abriegelungsmaßnahmen auf. KCNA zufolge forderte der Machthaber die Behörden auf, "die Ausbreitung des bösartigen Virus vollständig zu verhindern, indem sie ihre Gebiete in allen Städten und Bezirken des Landes gründlich abriegeln". Alle wirtschaftlichen Tätigkeiten würden so organisiert, dass jede Produktionseinheit "isoliert" sei, um die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

Die in Seoul ansässige Fachwebseite NK News berichtete, dass Gebiete in Pyongyang bereits seit zwei Tagen abgeriegelt seien und es Berichte über Panikkäufe gebe.

Bis Donnerstag kein einziger Fall von Covid-19 bestätigt

Das ohnehin abgeschottete Land hatte sich Anfang 2020 selbst noch mehr isoliert, um sich vor der Pandemie zu schützen. Bis Donnerstag hatte Nordkorea keinen einzigen Fall von Covid-19 bestätigt. Analysten zufolge würde Nordkoreas Gesundheitssystem mit einem größeren Virusausbruch nur schwer zurechtkommen.

Nordkorea ist von Ländern umgeben, die allesamt schwere Omikron-Ausbrüche hatten. In Südkorea ist die jüngste Infektionswelle seit März wieder stark zurückgegangen, Seoul hat vor kurzem fast alle Beschränkungen aufgehoben. China kämpft mit harten Lockdowns gegen Ausbrüche in mehreren Provinzen, die Wirtschaftsmetropole Shanghai ist seit Wochen abgeriegelt.

Abriegelung funktioniert gegen Omikron nicht

"Damit Pyongyang öffentlich Omikron-Fälle zugibt, muss die Gesundheitssituation ernst sein", sagte Leif-Eric Easley, Professor an der Ewha-Universität in Seoul. "Pyongyang wird wahrscheinlich die Abriegelungsmaßnahmen verstärken, obwohl das Scheitern der chinesischen Null-Covid-Strategie darauf hindeutet, dass dieser Ansatz gegen die Omikron-Variante nicht funktionieren wird."

Nordkorea-Experte Cheong Seong Chang vom Sejong-Institut zufolge wird Nordkorea versuchen, so strenge Maßnahmen wie in Shanghai zu vermeiden, wo die Bürger "praktisch in ihren Wohnungen eingesperrt sind". Doch selbst weniger strenge Maßnahmen würden zu einer "schweren Lebensmittelknappheit und dem gleichen Chaos führen, mit dem China jetzt konfrontiert ist", sagte er.

Impfstoffangebote abgelehnt

Anders als die Nachbarländer ist in der nordkoreanischen Bevölkerung vermutlich kaum jemand gegen das Virus geimpft. Nordkorea hatte bislang Impfstoffangebote von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie China und Russland abgelehnt. Die Annahme von Impfstoffen im Rahmen des Covax-Programms der WHO "erfordert Transparenz darüber, wie die Impfstoffe verteilt werden", erklärte Go Myong Hyun, Forscher am Asan Institute for Policy Studies. "Deshalb hat Nordkorea es abgelehnt."

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