Null-Autoabgase, mehr Digital und Mitsprache

Die Stadt Wien aktualisiert ihre Smart City Strategie und legt ambitionierte Ziele fest.
Die Stadt Wien aktualisiert ihre Smart City Strategie und legt ambitionierte Ziele fest.Bild: PID
Die Stadt Wien aktualisiert ihre Smart City Strategie und legt ambitionierte Ziele fest: Die CO2-Emission im Verkehr soll auf Null sinken, die Bürger beim Stadtbudget mitreden können.
In den nächsten Tagen erreicht Wien 1,9 Millionen Einwohner. Wie die Stadt angesichts des Wachstums am besten und effizientesten mit den vorhandenen Ressourcen umgeht, ist in der "Smart City Strategie" festgelegt. Seit 2011 ist dieser Masterplan für die Weiterentwicklung der Stadt. Und wird regelmäßig an neue Herausforderungen, etwa den Klimawandel oder die Digitalisierung, angepasst.

Nun stellten Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und die designierte Vize-Bürgermeisterin Birgit Hebein (Grüne) die neuen Eckpunkte der Smart City Strategie 2019 vor.

Die im Rahmenprogramm festgelegten Ziele sollen schrittweise bis 2030 und 2050 erreicht werden.

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In Reaktion auf die Herausforderungen des Klimawandels sollen der CO2-Ausstoß des Verkehrs gesenkt werden. Bis 2030 soll der CO2-Ausstoß pro Person um die Hälfte reduziert werden, bis 2050 um 100 Prozent. Gelingen soll das durch den Ausbau der Öffis und anderer umweltfreundlicher Arten der Mobilität im Stadtverkehr, vor allem der E-Mobilität.

Konkret will die Stadt Erfolgsrezepte wie die 365-Euro-Jahreskarte, die den Umstieg auf die Öffis attraktiv gemacht hat, fortsetzen. Langfristig sollen die Wiener in der Stadt nicht mehr auf das eigene – benzinbetriebene – Auto angewiesen sein, sondern zwischen Öffis und innovativen E-Mobility-Angeboten wählen können.



Bei der Energieproduktion will die Stadt langfristig 70 Prozent des Energiebedarfs der Stadt mit erneuerbarer Energie decken und fossile Energie hinter sich lassen. Auch dabei sollen bereits gestartete erfolgreiche Projekte wie Solarkraftwerke, an denen sich Bürger finanziell beteiligen können, oder die Nutzung der Wasserkraft zur Stromgewinnung weiter ausgebaut werden. In der Stadtplanung sollen gleich alle Aspekte – von Innovation bei der Mobilität über ressourcenschonendes Bauen bis zum Einsatz erneuerbarer Energie miteinander verknüpft werden.



Als Zielbereiche neu in die Rahmenstrategie aufgenommen wurden die Themen "Digitalisierung" und "Partizipation", erklärte Planungsdirektor Thomas Madreiter, der für die Magistratsdirektion für die Umsetzung des Smart City Programms zuständig ist.

So sollen die Bürger künftig bei der Erstellung des Stadtbudgets mehr mitzureden haben. "Die Wienerinnen und Wiener sollen über Bürgerinnen-Budgets stärker mitreden können, wie öffentliche Mittel eingesetzt werden", so Hebein.



Eine wichtige Rolle in der Smart City Strategie kommt der Digitalisierung zu. So soll etwa das "Digitale Amt" mit der "Sag's Wien"-App für Bürgeranliegen oder der "WienBot" – einem digitalen Amtshelfer in Form eines "Chatbots" am Smartphone – ausgebaut werden. Künftig sollen die Angebote durch eine interaktive Grätzel-Map "mein.wien.gv.at" mit digitalen Services wie Meldezettel oder Kindergarten-Anmeldungen ergänzt werden. Das Projekt ist bereits in der Betatest-Phase.



Zudem will die Stadt Umweltschutz und Teilhabe am Kulturleben verknüpfen. Mit dem "Kulturtoken" soll Blockchain-Technologie – also jene Technologie, auf der zum Beispiel Krypto-Währungen basieren – genutzt werden, um aktive Reduktion von CO2 mit freiem Zugang zu Kunst- und Kulturinstitutionen zu honorieren, zum Beispiel durch Nutzen der Öffis.

Mit einer Projektausschreibung zum "Digitalen Humanismus" soll die Digitalisierung und ihr Nutzen für die Menschen aus dem Blickwinkel der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften beleuchtet werden.



"Wien unterscheidet sich von anderen Städten durch eine abgestimmte Strategie, bei der Anliegen und Ideen der Stadtbewohnerinnen und Stadtbewohner, Impulse aus der Wirtschaft, Technologie und Forschung unter ein gemeinsames Ziel gestellt werden: Wien für die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten. Mit der Smart City Rahmenstrategie sind die Weichen dafür gestellt, Visionen für die Zukunft der Stadt werden so Realität", betont Bürgermeister Ludwig.

Die Smart City-Strategie sei ein ambitioniertes Papier, das auch mit Leben erfüllt werden müsse, ergänzt Hebein. Das Ziel der Stadt sei es, Technologie mit Nachhaltigkeit zu verbinden und die hohe Lebensqualität in der Stadt auch in Zukunft zu halten.



Lob und Anerkennung für Wiens ganzheitlichen Ansatz gab es von Verena Madner von der Wirtschaftsuniversität Wien. "Vernetzung, Koordination zwischen den Abteilungen der Stadt und Öffnung zur Bevölkerung und zur Wissenschaft sind Erfolgsrezepte für die Smart City Strategie", so die Uni-Professorin und Co-Leiterin des Forschungsinstituts für Urban Management and Governance.

Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigt das Projekt "Smarter Together": In einem Grätzel in Simmering mit 21.000 Bewohnern werden Elektromobilitäts-Lösungen, der Einsatz von erneuerbarer Energie und nachhaltige Wohnhaus-Sanierungen erprobt. Außerdem testet die zuständige MA 33 (Wien Leuchtet) gemeinsam mit der TU Graz smarte Ampeln, die Fußgänger erkennen und Rot- und Grünphasen entsprechend schalten. Zudem reagieren die smarten Ampeln auch auf den Verkehrsfluss.



Die Smart City Strategie der Stadt soll laufend weiterentwickelt werden und den Erfolg des Masterplans am Erreichen der Ziele messbar machen. "Die Strategie ist langfristig angelegt, die rasanten Veränderungen erfordern aber eine Überprüfung und Anpassung in vergleichsweise kurzen Intervallen", so Ludwig.

Für die Umsetzung der Projekte werden zusätzlich zu den bestehenden Budgets der einzelnen Dienststellen und Akteure für die Projektumsetzung Fördergelder, etwa von EU Ebene oder nationaler Ko-Finanzierung, eingesetzt. In den letzten Jahren seien 15 bis 20 Millionen Euro an Investitionen in die smarten Projekte geflossen. (lok)

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