Ukraine

Nun beginnen auch die Russen vor Putin zu fliehen

Der Krieg in der Ukraine bringt auch in Russland ein Klima der Angst. Immer mehr Menschen fliehen vor Putins Gesetzen und Methoden. 

Tobias Kurakin
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Die westliche Welt und auch einige Russen haben einen gemeinsamen Feind: Wladimir Putin.
Die westliche Welt und auch einige Russen haben einen gemeinsamen Feind: Wladimir Putin.
REUTERS

Der Angriffskrieg Russland in der Ukraine dauert nun bereits mehr als zwei Wochen an und ein Ende ist derzeit nicht absehbar. Während immer mehr Menschen aus dem Kriegsgebiet versuchen, ihr Land so schnell wie möglich hinter sich zu lassen, wollen auch einige Teile der russischen Bevölkerung aus dem Staat von Wladimir Putin fliehen. 

Bereits mehr als 100.000 Menschen tauschen sich in der Telegram-Gruppe "Guide für den Umzug aus Russland" aus, um das Land möglichst schnell zu verlassen. In den Chat-Nachrichten berichten die meisten von ihrer puren Angst, der sie sich ausgesetzt sehen.

Zensur schlägt immer härter zu

Die größte Sorgen der Menschen, die sich auf die Flucht bewegen, ist die Unberechenbarkeit ihres Präsidenten. Bereits in den letzten Tagen hat die starke Zensurmaschinerie dafür gesorgt, dass mögliche Proteste im Keim erstickt werden. Wer gegen den Krieg auf die Straße geht oder sich kritisch äußert, kann mit bis zu 15 Jahren Gefängnis rechnen. Jobs und Studienplätze kann man derzeit ebenfalls sehr schnell verlieren.

Immer mehr Personen fürchten sich auch davor, dass Putin das Kriegsrecht in Russland ausruft. Dann müssten alle Männer im wehrfähigen Alter an die Front – auch Ausländer wären von dieser Regelung betroffen. Die Gerüchte, dass dies bald der Fall sein könnte, machen in den Gruppen immer mehr die Runde. 

"In Russland gibt es kein Gesetz mehr"

Weil die Grenzen dann vollkommen dicht gemacht werden würden, versuchen die Menschen nun vor dem worst-case-Szenario das Land zu verlassen. "Wenn man in Russland ist, kann man sich nicht verstecken", sagt Kirill Martinow, Vize-Chefredakteur der Nowaja Gazeta, in einem Zoom-Gespräch des Forum für Journalismus zur Tageszeitung "Kurier". Er meinte, dass es mittlerweile kein Gesetz mehr in Russland gebe. 

Mittlerweile ist die Lage aber besonders dramatisch. Flugtickets nach Georgien, dem beliebtesten Ausreiseziel sind wie Tickets nach Armenien und die Türkei bereits für die nächsten Wochen vollkommen ausgebucht. Wer nach Europa will, bräuchte ein Schengen-Visum, doch auch die Plätze in den Zügen nach Finnland und andere Gebiete sind immer knapper. 

Martinow hat seine Hoffnung schon verloren: "Ich bin in einem freien Land aufgewachsen, das Teil der westlichen Welt war", sagt er. "Jetzt haben sie mit diesem Krieg alles zerstört." Laut ihm würden derzeit jene Menschen fliehen, die das Land dringend brauchen würde – Künstler, IT-Techniker und andere Wissenschaftler. 

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