Wien

Obdachlos mit 12! So kämpft sich Celin (18) zurück

Schwierige Familienverhältnisse zwangen die Frau früh, für sich selbst zu sorgen. Die Caritas-Einrichtung "Juca" bedeutet für sie einen Neuanfang.

Yvonne Mresch
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Die 18-jährige Celin hat eine schwere Kindheit und Jugend hinter sich. Doch davon lässt sich das starke Mädchen nicht unterkriegen – im "Juca", einer Einrichtung für junge Obdachlose, setzt sie Schritte für einen Neuanfang. 
Die 18-jährige Celin hat eine schwere Kindheit und Jugend hinter sich. Doch davon lässt sich das starke Mädchen nicht unterkriegen – im "Juca", einer Einrichtung für junge Obdachlose, setzt sie Schritte für einen Neuanfang. 
Denise Auer

Mit ihren erst 18 Jahren musste Celin schon mehr schultern als viele andere in einem ganzen Leben. Sie Zuhause war es "sehr schwierig", erzählt sie im Gespräch mit "Heute". "Meine Mutter, die an Krankheiten leidet, ließ ihre Wut oft an mir aus."

Leben ohne festen Wohnsitz

Mit zwölf Jahren verließ Celin das erste Mal die Wohnung, lebte während ihrer Teenager-Jahre teilweise zuhause, manches Mal bei Freunden, aber auch auf der Straße. "Es war nicht einfach", erzählt sie. Irgendwann stand der Entschluss fest: "Ich habe mir gesagt, ich halte durch bis ich 18 bin und dann gehe ich!" Gesagt, getan. Seit Jänner lebt Celin im "Juca", einer Einrichtung der Caritas für junge Wohnungslose in Ottakring.

Sozialarbeiterin Maresi Kienzer leitet das "Juca" seit mittlerweile drei Jahren. Sie fordert: "Es braucht einen Wandel, wie junge Menschen wahrgenommen werden."
Sozialarbeiterin Maresi Kienzer leitet das "Juca" seit mittlerweile drei Jahren. Sie fordert: "Es braucht einen Wandel, wie junge Menschen wahrgenommen werden."
Denise Auer

Seit 40 Jahren finden Obdachlose zwischen 18 und 27 Jahren im "Juca" ein Dach über dem Kopf sowie Unterstützung durch Sozialberater. 95 Plätze stehen zur Verfügung – davon 67 stationär, der Rest in einer WG in Favoriten und in einem sogenannten Chancenquartier für akute Krisensituationen.

Von Familienkrisen bis zu Fluchtgeschichten

Für Leiterin und Sozialarbeiterin Maresi Kienzer ist jede Biographie erneut erschreckend: "Ich denke mir immer, wie es mir ergangen wäre und wie viel Glück ich hatte." Die Themen, mit denen junge Erwachsene zu "Juca" kommen, sind divers. "Viele Bewohner hatten in der Kindheit instabile Verhältnisse, haben einen Fluchthintergrund, waren betroffen von Armutsgefährdung, Delogierung oder erlebten Krisen in Familien", so Kienzer. "Sie haben niemanden der sie auffängt, keinen Background. Wir sind nicht ihre Familie, aber wir setzen Beziehungsangebote."

Für Celin war "Juca" der Start in ein neues Leben. "Ich habe hier viele Freunde gefunden und immer etwas zu tun. Ich bin total motiviert", strahlt sie im Gespräch mit "Heute". "Am meisten gefällt mir, wenn wir Zeit zusammen verbringen, gemeinsam kochen oder einfach nur reden. Wir verstehen uns alle wirklich gut. Allen, die in einer ähnlichen Situation sind, kann ich die Einrichtung empfehlen. Denn egal wie viele Freunde man hat – im Endeffekt kann man sich nur selbst helfen!"

"Jetzt habe ich ein Zuhause!"

Im Dezember wird die 18-Jährige ihre Ausbildung zur Kindergarten-Assistentin abschließen. Die 2.200 Euro teuren Kurse finanziert sie sich selbst. "Es ist nicht einfach, aber mit Sparen geht es irgendwie." Danach möchte die Wienerin im Kindergarten zu arbeiten beginnen. "Mit einem eigenen Gehalt kann ich mir dann eine erste eigene Wohnung leisten", so ihr Traum. Seit sie in der Einrichtung wohnt, hat sich auch der Kontakt zur Mutter verbessert: "Wir sehen uns regelmäßig und wenn sie wieder wütend wird, kann ich gehen. Ich habe ja jetzt ein Zuhause!"

Es sind Momente wie diese, die Maresi Kienzer etwas bedeuten: "Wenn wir positive Rückmeldungen bekommen, Bewohner zu uns kommen und Gespräche schaffen, zwischenmenschlich etwas entsteht. Das ist das Schöne!" In Gesellschaft und Politik wünscht sich die Sozialarbeiterin allerdings einen Wandel: "Es muss sich ändern, wie man junge Erwachsene wahrnimmt. Man sollte mit 18 Jahren noch immer das Recht haben, in MA11-Einrichtungen unterzukommen. Es zerreißt mich, wenn jemand seinen 18. Geburtstag in einer Wohnungsloseneinrichtung feiern muss. Das kann man als Gesellschaft doch nicht wollen!"

Spenden dringend benötigt

Die aktuell massiven Teuerungen treffen auch das "Juca". Dringend benötigt werden neben Geldspenden auch Basis-Lebensmittel wie Reis und Nudeln sowie Bettwäsche und Handtücher. Wer spenden möchte, kann sich unter www.caritas-wien.at informieren. Betroffene können sich an das Beratungszentrum Wohnungslosenhilfe des Fonds Soziales Wien (FSW) (1080 Wien, Lederergasse 25, Tel 01 4000 66430) wenden.

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