Es sind Bilder, die wohl für jede Person schwer zu ertragen sind: Obdachlose tummeln sich auf der Wiener Mariahilfer Straße und besetzen mit Campingsesseln, Einkaufswagerl, Decken sowie Sonnenschirmen die dort verfügbaren Sitzgelegenheiten. Leserreporterfotos zeigen, dass nun auch naheliegende Gegenden von den "Camps" eingenommen werden. Anrainer wollen eine Lösung des Problems, eine Bürgerinitiative soll helfen.
"Heute"-Leser Jakob (Name von der Redaktion geändert) kennt die Problematik als Anrainer seit Jahren. Laut des Wieners sei das Problem "weitaus größer als bisher berichtet". Im "Heute"-Talk gibt er Einblicke in seinen Alltag nahe der Mariahilfer Straße: "Entlang der gesamten Mahü lagern täglich sicher um die hundert Obdachlose. Nahezu alle öffentlichen Sitzgelegenheiten sind von Obdachlosen besetzt. Nachts schlafen Dutzende in den Eingangsbereichen von Kaufhäusern, Gastronomiebetrieben und Apotheken."
Ein Camp-Hotspot liegt rund um die U-Bahn-Station Neubaugasse. Nur wenige Meter entfernt liegt vor dem Haus des Meeres der Esterházypark. Dort wurden nun Zelte aufgestellt, der Park ist für Jakob schon länger ein Ort, den er meidet: "Der Park ist zu einem großen Teil in der Hand von Obdachlosen. Generell benehmen sich die Obdachlosen im sechsten Bezirk eher laut, ekelhaft, Dreck erzeugend, betrunken, bettelnd und auf Passanten zugehend. Die Polizei muss täglich mehrmals zum Einsatz wegen Gewaltdelikten, Diebstahl und teilweise auch Einbrüchen."
Der Bereich rund um die Mariahilferkirche sei für Jakob "ohnehin absolut ekelhaft". In der dort gelegenen Barnabitengasse kam es Montagnachmittag ebenfalls zu einem Polizeieinsatz. Ein Heimatloser musste von Beamten weggetragen werden, er wurde laut der Wiener Polizei wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt vorläufig festgenommen. Weitere strafrechtliche Anzeigen wurden gelegt.
Der Einsatz auf offener Straße brachte das Fass bei einem weiteren Anrainer zum Überlaufen. "Heute"-Leser Martin lebt seit über 30 Jahren in Mariahilf. Nach mehreren Einbrüchen in seinem Wohnhaus und sexuellen Belästigungen von Wohnungslosen gegenüber Mitgliedern seiner Familie zog der Wiener die Reißleine. Mit einer Bürgerinitiative möchte er dafür sorgen, dass zumindest der öffentliche Raum zurückgewonnen werden kann.
„Es beginnt leider gefährlich für unsere Kinder zu werden. Die Gegend entwickelt sich zu einem 'neuen Reumannplatz'. Wir möchten einen Lösungspfad konstruieren – nur gemeinsam kriegen wir das hin.“Martin (59)Besorgter Anrainer in Wien-Mariahilf
Auf Anfrage von "Heute" reagierte auch das Büro von Mariahilfs Bezirksvorsteher Markus Rumelhart auf die Ereignisse rund um die Mahü. Man befinde sich im Austausch mit dem Stadtratsbüro sowie dem Fonds Soziales Wien. Streetworker und Grätzlpolizisten sollen vor Ort klären, wie man den Wohnungslosen helfen kann, wo sie unterkommen könnten und ob andere Maßnahmen durchzuführen sind – mehr dazu hier.
Obdachlosen-Camps auf der Mahü: Das sagen Anrainer und Passanten
Auch Karl Mahrer, Landesparteiobmann der Wiener Volkspartei, bezog Stellung zu der Situation, es sei dort "weder sicher noch menschenwürdig". Er fordert Hilfe für die Obdachlosen, aber auch für die Anrainer auf der Mariahilfer Straße. "Wegschauen und Zuwarten kann nicht die Lösung sein", so Mahrer. Die Volkspartei weist erneut auf ihren Fünf-Punkte-Plan zur Anpassung der Obdachlosenbetreuung hin – "Heute" berichtete.