Fußball-Europa blickte am Freitagabend nach Klagenfurt. Das internationale Interesse am ÖFB-Cup hält sich normalerweise in Grenzen. An diesem Finale war aber wenig normal. Es war der erste "Geister-Titel", der Corona-bedingt vor leeren Rängen vergeben wurde.
Die Spieler von Red Bull Salzburg und Austria Lustenau standen schon während der Bundeshymne wie an unsichtbaren Wuzzler-Stangen über das gesamte Feld verstreut. Der nötige Abstand sollte gewahrt bleiben, um eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu vermeiden. Dabei handelte es sich überwiegend um einen symbolischen Akt, die Vorbildwirkung der Kicker. Denn wenige Minuten später klebten die vorher so brav verstreuten Spieler beim ersten Eckball schon auf wenigen Quadratmetern zusammen. Bei Zweikämpfen gelten freilich keine Abstandsregeln. Nachdem sich Salzburgs Zlatko Junuzovic eine Platzwunde zugezogen hatte, behandelten ihn zwei Betreuer – keiner der drei Personen trug eine Gesichtsmaske. Beim Torjubel mussten sich die Spieler wieder zügeln. Umarmungen, Abschlagen und Co. sind verboten. Auch für jene, die noch wenige Augenblicke zuvor mit dem Gegenspiele im Luftzweikampf Kopf an Kopf um den Ball gerittert hatten.
An die Jubel-Bilder haben sich Fußball-Fans nach zwei Runden der deutschen Bundesliga schon etwas gewöhnt. Am Freitag mussten sich die Bullen gegen den überforderten Zweitligisten gleich fünf Mal nach Toren zügeln. Der Titelverteidiger siegte 5:0.
Danach betraten sie Neuland. Wie es aussieht, wenn ein Team in der Corona-Krise einen Titel entgegennimmt und feiert – ohne sich zu berühren und ohne Fans? Salzburg zeigte der Fußballwelt als erstes Team vor, wie das geht. Die Bilder sind gewöhnungsbedürftig. Die Spieler reihten sich erst mit Abstand zu einander auf, stellten sich um die Siegermedaille an. Dann wurde der Pokal in Empfang genommen. Der Jubel fiel verhalten aus. Keiner durfte sich von seinem Platz wegbewegen. Die Spieler sprangen auf und ab. Die Tribünen der Klagenfurter Wörthersee-Arena waren mit Ausnahme weniger Reporter leer.
"Normalerweise würden wir jetzt herumspringen. Es ist ein ganz neues Gefühl, ohne Fans zu feiern", gestand Torschütze Dominik Szoboszlai. "Trotz allem haben wir den Pokal geholt."
Weltweit übertrugen 40 TV-Stationen den ersten Titelfight in der Corona-Krise.