Österreicher spielt auf Türkei-Flug, soll 1 Million zahlen

Anwältin Daniela Schiesl-Müller vertritt den Angeklagten vor Gericht.
Anwältin Daniela Schiesl-Müller vertritt den Angeklagten vor Gericht.Trimmel
Ein 58-Jähriger wollte wegen seiner Haare in die Türkei reisen, doch sein erster Flug überhaupt endete mit einem Desaster: Er entfaltete die Rutsche.

Es gibt Geschichten, die kann man nicht erfinden: Ein Österreicher flog im März 2021 zum ersten Mal in seinem Leben. Sein Ziel: Istanbul in der Türkei. Sein Plan: Eine Haartransplantation in der Türkei und mit neuer, schöner Mähne wieder retour nach Wien-Schwechat.

Notrutsche gelöst

Doch zum haarigen Eingriff kam es erst gar nicht. Denn der 58-Jährige spielte im Flugzeug mit einem Hebel herum und löste, während das Flugzeug bereits rollte, die Flugzeug-Notrutsche.

135 Passagiere und sieben Crewmitglieder der Turkish Airlines wären vor Wut am liebsten in die Luft gegangen, mussten jedoch am Boden bleiben. Bei der ersten Einvernahme der Polizei gab der Mann noch, ohne Übersetzer, an: "Mir war langweilig."

"Ich habe mit Passagieren geplaudert und mit dem roten Hebel gespielt. Ich wollte es noch korrigieren, doch es war schon zu spät", so der 58-jährige Fluggast in Korneuburg vor Gericht. 

Heute musste der 58-Jährige wegen Gefährdung der Flugsicherheit in Korneuburg auf die Anklagebank. Er erklärte im Beisein eines Dolmetschers und seiner Anwältin Daniela Schiesl-Müller: "Ich habe im Flieger geplaudert und ein bisschen mit dem roten Hebel gespielt und dann blieb ich hängen. Ich wollte es noch korrigieren, doch es war zu spät." Der 58-Jährige betonte: "Es war mir nicht bewusst, ich hatte keine Ahnung, wofür dieser Hebel ist."

Schaden bis zu 1 Million Euro

Die Kosten für das Nicht-Starten der Maschine werden mit bis zu einer Million Euro beziffert. Denn: Alleine die Rutsche wieder in ihre ursprüngliche Form zu bringen, kostete rund 50.000 Euro – 15 Arbeiter werkten daran knapp 40 Stunden. Und: Die Passagiere mussten großteils in Hotels übernachten.

"Nie wieder fliege ich"

Die Anwältin, Daniela Schiesl-Müller, meinte: "Es fehlten zwei Zeugen, daher wurde vertagt. Mein Mandant hat dies keinesfalls absichtlich gemacht." Der Angeklagte meinte noch abschließend in Richtung Richter: "Nie wieder steige ich in ein Flugzeug". Denn: Theoretisch muss der Angeklagte die ganze Summe zahlen. Der Opfervertreter hatte knapp eine Millionen Euro angemeldet, war aber zum Prozess nicht erschienen.

Am 5. Oktober soll ein Urteil fallen, dem 58-Jährigen drohen zwischen einem und zehn Jahre Haft, es gilt die Unschuldsvermutung.

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