Der Weg an die Spitze ist im Ski-Weltcup nicht einfach. Gritsch und Scheib galten schon in jungen Jahren als aufstrebende Talente, holten bei der Junioren-WM 2015 Gold im Teambewerb. Doch nun verzichtet Gritsch freiwillig auf Weltcup-Einsätze in Nordamerika und wohl auch bei Olympia. Der Grund: Sie will sich nicht gegen Corona impfen lassen. "Es ist und war für mich nicht die leichteste Entscheidung, aber wenn ich etwas aus meiner Vergangenheit gelernt habe, steh hinter dem, wovon du überzeugt bist", schrieb sie in ihren Sozialen Medien.
Die Position von Julia Scheib ist das genaue Gegenteil. Auch sie wendet sich über die Sozialen Medien an die Öffentlichkeit – und hält ein Plädoyer für die Corona-Impfung. "Als Spitzensportlerin vertraue ich in meinem Umfeld auf Menschen, die in ihren Fachgebieten über Jahre Expertise aufgebaut haben", schreibt sie einleitend. Weiters meint sie: "Meine Gesundheit ist die Basis für meine sportliche Leistungsfähigkeit, daher war es für mich glasklar, mir vor Kurzem den Booster für meine Covid-19 Schutzimpfung abzuholen. Wie im Sport vertraue ich auch hier auf jene Personen, deren jahrzehntelange Arbeit in diesem Gebiet für sich spricht und die mir nachvollziehbar auf Basis der aktuellen, gesicherten Erkenntnisse sagen: Die Impfung ist sicher. Sie wirkt. Und sie schützt – mich und andere."
Ihre Kollegin Gritsch spricht sie nicht direkt an, doch im "Standard"-Interview äußert sie sich dazu, dass Gritsch ihren Entschluss aufgrund der persönlichen Meinung getroffen hat und womöglich nicht die Meinung von Fachleuten eingeholt hat. Scheib dazu: "Wenn man unsicher ist, sollte man sich eine zweite Meinung einholen. Man sollte sich aufklären lassen. Aber nicht von einem Nachbarn, sondern von einem Experten. Der Nachbar hat weniger Kenntnisse. Darauf wollte ich hinweisen, ich vertraue Fachleuten."
Weiters meint sie: "Es gibt viele Lebenslagen, in denen man auf sein Herz hören sollte. Eine weltweite Pandemie gehört für mich nicht dazu. Wir leben in schwierigen Zeiten. Die Krankenhäuser gehen über, das Pflegepersonal rackert sich seit zwei Jahren ohne Pause ab. Es ist der reine Wahnsinn. Man muss an die Allgemeinheit denken."
Scheib musste in ihrer Karriere schon einige Rückschläge einstecken und machte ungewollt viel Erfahrung mit Medizinern. Sie litt am Pfeifferschen Drüsenfieber, erlitt zwei Kreuzbandrisse und laborierte 2020 an einer Corona-Infektion. "Ich war zwei Wochen kränklich und habe einige Rennen verpasst. Ich hatte Rückenschmerzen und Probleme mit der Luft. Als ich mir die Infektion eingefangen habe, gab es noch keine Impfung. Im Grunde hat es die ganze Trainingsgruppe erwischt. Es hat sich rasant verbreitet."