ÖSV-Ikone: "Mit Hirscher-Ski fahre ich nicht"

Schröcksnadel über Hirschers Ski-Projekt: "Ein schwieriges Geschäft." 
Schröcksnadel über Hirschers Ski-Projekt: "Ein schwieriges Geschäft." Gepa
Peter Schröcksnadel gewann als ÖSV-Präsident 409 Medaillen. Geprägt hat ihn der Konkurs seiner Eltern und das Internat. Ein Buch verrät jetzt mehr. 

In seiner Kindheit spielte Peter Schröcksnadel mit Handgranaten in Innsbruck. Ein Freund von ihm verlor dabei eine Hand. Ins Internat nach Lienz ging er, weil er zu einem Halbwaisen "solidarisch" sein wollte. "Ich bin ein Internats-Kind. Für uns zählten immer Zusammenhalt, Solidarität und das man sein Wort hält."

"Ich kann mich nicht unterordnen"

Im Internat erlebte er einen "Nazi-ähnlichen" Stil. Mit harter Bestrafung. "Wir mussten dann unsere Betten zerlegen und in den Hof runtertragen, auch bei 20 Grad minus." Was blieb? "Ich kann mich nicht unterordnen."

Prägendstes Erlebnis war aber der Konkurs seiner Eltern mit einer Schneiderei. Ein Streik in New York führte plötzlich zu  einem Warenengpass. "Auf einmal stand der Exekutor da." Das vergaß Schröcksnadel nie. "Ich hatte immer das Ziel, in meinem Leben nicht Pleite zu gehen."

1.288 Weltcupsiege, 295 WM-Medaillen, 114 Olympia-Medaillen

Tat er nie. Nicht als Geschäftsmann. Und auch nicht als ÖSV-Boss.

1965 bricht Schröcksnadel das Jus-Studium in Innsbruck ab und macht sich selbstständig. "Obwohl ich nichts hatte und meine Frau schwanger war.“ Er gründet SITOUR Austria, übernimmt eine Schweizer Idee von Pistenmarkierungstafeln für Österreich. Pisten werden je nach Schwierigkeitsgrad in blau, rot und schwarz gefärbt. Werbung kann er selbst anbringen. Heute ist SITOUR in 1.000 Skigebieten weltweit vertreten, beträgt der Marktanteil im Alpenraum 95 Prozent. 

Beim ÖSV startet er 1978 als "Referent für allgemeinen Skilauf". 1990 ist er ÖSV-Präsident, gewinnt in 30 Jahren 29 Nationencups, 1.288 Weltcupsiege, 295 WM-Medaillen und 114 Olympiamedaillen. Das Budget treibt er von 40 Millionen Schilling auf 60 Millionen Euro. Es gibt freilich auch Schattenseiten: Dopingfälle und sexualisierte Gewalt im Verband. 

"Ich bin ja nicht der Lugner"

Davon erzählt eine neue Biographie, die Florian Madl – Sportchef der Tiroler Tageszeitung – verfasste, nicht aber von Privatem. "Ich bin ja nicht der Lugner", lässt "Schröcksi" wissen. "Ich bin eher banal", meint er mit Blick auf seine "bunte Familie". "Ein Onkel wurde als Missionar in China erschossen. Ein anderer Onkel war Leiter des Mozarteums in Salzburg und erster Geiger."

Der Sportjournalist Florian Madl verfasste das Buch "Peter Schröcksnadel – Über einen, der nicht verlieren will“. Es erscheint im Egoth Verlag. Schröcksnadel hat es nicht autorisiert, goutiert es aber. "Oberflächlich ist nur der der Gastbeitrag von Peter Filzmaier", sagt er. "Das ist schlecht recherchiert, dabei ist er Wissenschafter."
Der Sportjournalist Florian Madl verfasste das Buch "Peter Schröcksnadel – Über einen, der nicht verlieren will“. Es erscheint im Egoth Verlag. Schröcksnadel hat es nicht autorisiert, goutiert es aber. "Oberflächlich ist nur der der Gastbeitrag von Peter Filzmaier", sagt er. "Das ist schlecht recherchiert, dabei ist er Wissenschafter."zVg

"Über zwei Dinge sag‘ ich nix. Politik und ÖSV“, meinte Schröcksnadel bei seiner Buchpräsentation in Wien vorab. Und tat es dann doch.

"Ich kann nichts gewinnen bei der Nachfolger-Suche des ÖSV-Präsidenten. Tue ich es, strafen sie mich. Tue ich es nicht, ist es auch falsch", meint er vor der ÖSV-Länderkonferenz, wo die Weichen nach dem Rücktritt von Karl Schmidhofer neu gestellt werden. "Es war ein Fehler, dass ich zwei Jahre vorher mein Aus ankündigte. Da war zu viel Zeit für Spiele."

Und wie wird die Ski-Saison? "Unsere Herren können den Gesamtweltcup gewinnen, die Damen nicht."

Schröcksnadel selbst ist jetzt Mitglied im Fanclub des Schweizer Slalomläufers Ramon Zenhäusern. Der kommt aus Saas Fee, wo Schröcksnadel Mehrheitseigentümer der Bergbahnen ist. "Dort hatten wir den besten Winter der Geschichte, weil die Bergbahnen offen geblieben sind", so Schröcksnadel. "In der Schweiz gab es trotzdem nicht mehr Kranke oder Tote als bei uns. Es darf also gefragt werden, wer es gescheiter gemacht hat."

Zur Politik sagte er nichts bei der Buchpräsentation. Das tat er früher. "Ich bin ein progressiver Konservativer, genau aus der Mitte, bin aber nie für eine Partei eingetreten. Ein Türkiser bin ich aber nicht."

"Marcel wird wissen, wie er sein Geld anlegt. Das Geschäft ist aber schwierig"

Von Pensionsschock ist bei Schröcksnadel keine Spur. "Mir geht es gut. Nur die Sportler fehlen mir", beteuert der 80-Jährige. Ski-Kaiser wollte er übrigens nie genannt werden. "Der steht oben, ich bin Teil der Mannschaft." Auch nicht Ski-Napoleon: "Der Napoleon wurde verbrannt."

Den Professorentitel erhielt er für die Verdienste um die Sicherheit im Skisport 1992. "Beim Tod von Ulli Maier dachte ich ans Aufhören. Dann sagte ich mir: Ich kann nur etwas bewirken, wenn ich dranbleibe und zur Sicherheit beitrage."

"Hüte dich vor allem, was es gibt"

Auf seinem Schreibtisch in der ÖSV-Zentrale stand das Schild: "Hüte dich vor allem, was es gibt." 350 Tage pro Jahr werkte er für den Skiverband.

Jetzt fährt er noch Skirennen. Heuer ist die Senioren-WM am Hochkar. Die Hirscher-Ski wird er dort nicht anschnallen. "Ich fahre nicht mit dem Hirscher-Ski. Marcel wird wissen, wie er sein Geld investiert. Das Geschäft ist aber schwierig."

Seine Top-Stars wie Hirscher oder Hermann Maier vermarktete Schröcksnadel als ÖSV-Boss selbst. Wenn ein Manager von außen involviert war, dann mit hohen Abschlagzahlungen an den ÖSV - 20 Prozent. 

Skisport erneuern, Medikament gegen Krebs

Schröcksnadel hat eine neue Mission, er will den Skisport fit für die Zukunft machen. Als FIS-Vize unterstützt er Neo-Präsident Johan Eliasch. Dafür rückte er vom Schweizer Urs Lehmann ab. "Der meldet sich jetzt nicht mehr, aber mir gefallen die Ideen von Eliasch besser. Es herrscht dringender Erneuerungsbedarf."

Eine zentrale Vermarktung ähnlich der Champions League im Fußball soll im Skisport mehr Geld bringen. "Auch für die Athleten." Dass Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone dabei eine Rolle spielen soll, will er nicht bestätigen. "Der ist ja zehn Jahre älter als ich." 

"Bei Olympia wird kein Ungeimpfter am Start stehen"

Fix ist: Die alpine Kombination ist Geschichte. Bei Olympia in Peking wird sie aber noch gefahren. Dort wird es eine strenge Corona-Blase geben, die bereits bei der Anreise im Flugzeug beginnt. "Es wird kein Ungeimpfter am Start stehen."

Schröcksnadels zweites Projekt neben der Zukunft des Skisports ist ein Medikament gegen Krebs. Das ist privat finanziert,  er hilft beim Aufstellen des Geldes. Auf der Suche nach Heilungsmöglichkeiten könnte der Durchbruch bevorstehen. "Das kann eine Superwaffe werden. Denn damit kann man jedes Medikament direkt in die Krebszelle schicken. Im Vergleich dazu sind die Zehntel auf der Skipiste nicht so wichtig."

In der Freizeit liebt er das Fischen. In Kanada hat er eine 300 Hektar große Farm mit einem Lachsfluss gekauft. "Fischen lebt von der Hoffnung, weil du oft verlierst", sagt der Ex-ÖSV-Präsident, der zu den besten Fliegenfischern der Welt zählt. 

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