1992 wurde Ortlieb in Albertville Abfahrts-Olympiasieger. 30 Jahre später ist er Finanzchef und Vizepräsident im rot-weiß-roten Skiverband. Im Kurier-Interview schildert der 54-Jährige seine Gedanken zum Skisport.
"Der Skisport ist relativ gut durch die Corona-Pandemie gekommen. Die Schweiz hat uns vorgemacht, dass man auch Rennen mit vielen Zuschauern machen kann. Bei uns war das leider nicht möglich, aber es ist müßig, mit den Behörden zu diskutieren", sagt der ehemalige Speed-Spezialist im Kurier.
Ortlieb kritisiert die Corona-Beschränkungen: "Jedes einzelne Rennen, das wir in Österreich über die Bühne kriegen, ist wichtig. Vielleicht müsste man einfach eine Demo anmelden. Eine Skifan-Demo – da könnten dann 20.000 Leute kommen. Schade ist, dass alles auf Kosten des Ski-Nachwuchs geht. Aber das ist leider nichts Neues."
Der Vorarlberger macht sich Sorgen um die Jugend: "Wir werden sicher einen kleinen Knick haben. Nur haben wir die Hoffnung, dass es anderen Nationen ähnlich ergeht. Außer den Schweizern, die sind schon im letzten Winter ein normales Programm gefahren. Es heißt zwar jetzt nicht, dass gleich alles wegbricht, aber einige Leute werden schon die Lust am Skifahren verloren haben."
Auch im Weltcup wird laut Ortlieb einiges anders: "Es wird in Zukunft mehr Rennen geben. Und wenn das manchen Athleten zu anstrengend ist, dann sollen sie eben auf das eine oder andere Rennen verzichten. Ein Tennisspieler muss auch nicht an allen Turnieren teilnehmen. Ich verstehe nicht, dass es immer wieder Diskussionen darüber gibt, dass es zu viele Rennen wären."
In seiner Tätigkeit als ÖSV-Funktionär hat der Olympiasieger eine große Baustelle erkannt: "Im Damen-Riesentorlauf muss man ja fast schon sagen, das ist peinlich. Entschuldigung für diesen Ausdruck. Aber da könnte man sich jetzt langsam schon ein bisschen mehr erwarten. Nur Zuschauen und Warten und Hoffen, dass irgendwann Ergebnisse passieren, das bin ich nicht. Ich sage ganz klar: Erfolg ist planbar, egal ob im Sport oder in der Geschäftswelt."