Österreich

Oliver N.: "Wäre auch zu Yoga-Gruppe gekommen"

Heute Redaktion
14.09.2021, 01:52

Auf der Suche nach einem Platz im Leben verirrte sich Heimkind Oliver N. (17), der keinen Migrationshintergrund hat, zur Mördermiliz IS und wurde dort beinahe getötet. Am Montag bekannte er sich vor Gericht teilweise schuldig. Er gab zu, Mitglied der Terrormiliz gewesen zu sein, behauptet aber, nicht gekämpft haben. Sichergestellte Fotos und anderes Beweismaterial lassen aber Zweifel an dieser Version aufkommen. Das Urteil wird für Mittwoch erwartet.

Auf der Suche nach einem Platz im Leben verirrte sich Heimkind Oliver N. (17), der keinen Migrationshintergrund hat, zur Mördermiliz und wurde dort beinahe getötet. Am Montag bekannte er sich vor Gericht teilweise schuldig. Er gab zu, Mitglied der Terrormiliz gewesen zu sein, behauptet aber, nicht gekämpft haben. Sichergestellte Fotos und anderes Beweismaterial lassen aber Zweifel an dieser Version aufkommen. Das Urteil wird für Mittwoch erwartet.

Mitte März kehrte der Wiener Lehrling Oliver N. aus dem Terrorkrieg des "Islamischen Staates" (IS) in Syrien zurück – ohne Milz, mit nur einer Niere und halber Lunge. Eine Bombe hatte den Teenie-Dschihadisten lebensgefährlich verletzt.

Nun wirft die Anklage dem angeblich geläuterten Jugendlichen Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung, Ausbildung für terroristische Zwecke und Aufforderung zu terroristischen Straftaten vor. Dem 17-Jährigen drohen fünf Jahre Haft.

Verteidiger: "Mitglied, aber auch Opfer"

"Ja, Oliver N. ist Mitglied einer terroristischen Vereinigung gewesen. Dafür übernimmt er die Verantwortung", sagte Anwalt Wolfgang Blaschitz. Er sei jedoch auch Opfer des Islamischen Staates und weder für den Kampfeinsatz vorbereitet worden, noch habe er aktiv gekämpft. Der Beschuldige gab an, als Rettungsfahrer in der Schlacht um die nordsyrische Stadt Kobane eingesetzt worden zu sein.

Auf die Frage, warum er zum Islam konvertiert ist, entgegnete der Angeklagte, dass er nach einer Familie, bedingungsloser Anerkennung und Liebe gesucht habe. "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Ich wäre auch zu einer Yoga-Gruppe gekommen, wenn die mich damals gefragt hätten", so der 17-Jährige.

Staatsanwältin Stefanie Schön schenkt der Rettungsfahrer-Version keinen Glauben. Sie hat dafür auch Beweise vorgelegt, neben ausgewerteten Kommunikationsdaten vermitteln auch auf seinem Handy sichergestellte Fotos einen anderen Eindruck. Diese Bilder zeigen Oliver N. in Tarnuniform und mit Waffen in der Hand. "Ich habe die Waffe genommen, weil es cool ist", sagte er. Er habe zwar posiert, aber nichts gemacht. Dass ihn die anderen IS-Mitglieder "Vater des Kämpfenden" genannt haben sollen, passt ebenfalls nicht zu den Behauptungen des Angeklagten.

Angeklagter will statt Terror-Ausbildung geputzt haben

Oliver N. gab an, dass er nach Syrien reiste, "um die Geschwister (Glaubensbrüder, etc.) zu beschützen". Er habe keine Vorstellung vom Krieg gehabt, es sei "wie eine Gehirnwäsche" gewesen. An Stelle der üblichen Ausbildung sei er in Syrien und im Irak als Wächter und Reinigungskraft tätig gewesen.

Vergangenen Sommer hatten Freunde eine Radikalisierung des Heimkindes aus kaputter Familie bemerkt. Dann tauchte Lehrling Oliver ab und postete bald aus Syrien Einladungen zur "Schlachtung von Kufar" (Ungläubigen). Stolz meldete er Kontakte zu Killern mit Kultstatus wie und  Deso Dog . Es wird mit Spannung erwartet, ob er beim Prozess noch über IS-Rekrutierer in Wien auspacken wird.

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