Als internationaler DJ jettete Benjamin Alexander um die Welt. In Spanien, Hong Kong, den USA, Großbritannien und an vielen Orten sorgte Alexander für gute Stimmung in den Clubs. In Ibiza hatte er für sechs Jahre sogar eine Residenz.
Laut eigenen Aussagen besuchte er mehr als 67 Länder. "Ich habe einen großen Teil meines Lebens auf Reisen verbracht. Ich habe es schon immer geliebt." Als DJ ist er nun nicht mehr tätig, Alexander ist jetzt ein Olympionike.
Der 38-Jährige, der in Großbritannien aufgewachsen ist, wird der erste Jamaikaner sein, der in der Disziplin-Ski Alpin an Olympischen Spielen teilnimmt. Die Qualifikation für den Event sicherte sich Alexander bei einem Wettkampf in Liechtenstein zu Beginn dieses Jahres und das nicht bei irgendeinem Rennen. Es waren die Nationalen Meisterschaften der Kapverden im Riesenslalom.
Zum ersten Mal in Berührung mit Skis kam er bei einem Ausflug in Kanada im Jahr 2015. Alexander bezeichnet in einem Interview mit "Olympics.com" die Skifahrer, die er an diesem Tag sah, als "Superhelden". Er wollte es auch versuchen, mit mäßigem Erfolg. Laut eigenen Aussagen stürzte er am ersten Tag gut 27 Mal. Die Pläne, den Skisport auf professioneller Ebene zu bestreiten, wurden nach den Olympischen Spielen 2018 präsenter.
2019 traf er den früheren amerikanischen Europacup-Fahrer Gordon Gray. Er fragte ihn nach seiner Meinung. Grey sagte, dass die Technik von Alexander schrecklich ist, war aber begeistert, dass er nach nur 25 Skitagen so gut und mutig unterwegs war. "Technik kann man lernen, Mut nicht", so der 40-Jährige.
Einen Vollzeit-Trainer hat der frühere DJ aber nicht zur Verfügung. Allerdings hat er einen Mentor an seiner Seite. Dudley Stokes, der berühmte jamaikanische Bobpilot, der im Jahr 1988 in Calgary dabei war, unterstützt Benjamin.
"Ich habe nur darüber gejammert, dass ich auf meiner Reise keine Hilfe hatte. Dudley hörte mir zu und sagte, dass er in den ersten sechs Jahren seiner Bobkarriere auch keinen professionellen Trainer hatte."
Der Bobfahrer ergänzte: "Du bist klug genug, um Konzepte und Ideen von all diesen verschiedenen Leuten zu übernehmen und das Beste zu deinem Vorteil zu nutzen."
Bereits jetzt ist klar, dass Alexander beim Riesenslalom in Peking sportlich keine Rolle spielen wird. Beim Rennen in Liechtenstein lag er sogar hinter Ski-Prinz Hubertus von Hohenlohe. Der Mexikaner ist mittlerweile 62 Jahre alt und bestreitet noch immer aus Spaß gewisse Ski-Rennen. Dennoch werden die Spiele für den 38-Jährigen eine große Erfahrung werden. Auch wenn sie nicht ganz billig sein werden. Alexander rechnet mit Kosten von fast 90.000 Euro.
Viel finanzielle Unterstützung erhält der Jamaikaner nicht. Nur rund zehn bis 15 Prozent des Betrags werden von Sponsoren übernommen. Den Rest zahlt Alexander aus dem eigenen Sack. Immerhin: Ausgerüstet wird er von Top-Hersteller Atomic, die gleiche Marke wie Mikaela Shiffrin und Manuel Feller. Für Alexander ist klar, wieso: "Atomic versteht den Wert von jemandem, der nicht weiß ist und nicht aus dem Milieu kommt."