Olympia-Farce: Athleten müssen wieder abreisen

Polen-Schwimmerin Alicja Tchorz
Polen-Schwimmerin Alicja Tchorzimago/Newspix
Der polnische Schwimmverband hat für die Olympischen Spiele in Tokio zu viele Athleten nominiert. Deshalb mussten sechs Schwimmer wieder abreisen.

Jan Holub, Aleksandra Polanska, Dominika Kossakowska, Alicja Tchorz, Bartosz Piszczorowicz und Mateusz Chowaniec gehörten dem 23-köpfigen Schwimm-Team Polens an. Sie waren bereits in Tokio angekommen, als das Nationale Olympische Komitee am Samstag bekanntgab, dass der polnische Schwimmverband zu viele Athletinnen und Athleten für den Start nominierte – und nicht alle die nötige Startberechtigung hatten. Am Sonntag landeten die sechs Schwimmerinnen und Schwimmer wieder in Warschau.

Eine unglaubliche Geschichte, findet die Schwimmerin Alicja Tchorz: "Material für einen echten Thriller", schreibt sie auf ihrer Facebook-Seite. "Stell dir vor, du widmest fünf Jahre deines Lebens dem Sport und strebst beim wichtigsten Sportereignis den nächsten Start an. Gibst alles, gibst dein Privatleben und deine Arbeit auf, opferst deine Familie usw. und dann führt dein Engagement zu einem totalen Flop." Die Enttäuschung ist groß, zumal ihr Olympia-Aus "durch die Inkompetenz Dritter" verursacht wurde, die sie "ihrer Träume berauben". Sie ist seit mehr als zwölf Jahren im Nationalteam Polens und kann einen solchen Eklat nicht verstehen. Deshalb macht sie sich nun via Facebook Luft: "Seit 2015 wiederhole ich, dass es in der PZP (dem polnischen Schwimmverband) sehr schlecht läuft. Ich werde kritisiert, sie nennen mich eine Betrügerin und sie sagen, dass ich es wegen des Geldes tue. Aber seit sechs Jahren erkläre ich, wie es aussehen soll, dass das PZP ein Unternehmen ist, in dem Spezialisten und Spezialistinnen arbeiten müssen." Sie kritisiert damit stark den polnischen Schwimmverband und ist mit ihrer Auffassung darüber nicht allein.

Denn nachdem sechs Schwimmerinnen und Schwimmer des polnischen Olympia-Teams wegen fehlender Startberechtigung aus Tokio abreisen mussten, fordert auch Polens Sportminister Piotr Glinski eine Aufklärung vom Schwimmverband des Landes. "So eine Situation darf sich in einem professionell geführten Sportverband nicht ereignen", hieß es in einer Erklärung des Ministeriums. Für die Vorbereitung und Akkreditierung der Olympia-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer seien die nationalen Verbände zuständig, heißt es weiter.

Um sicher für die Olympischen Spiele zugelassen zu werden, müssen Schwimmerinnen und Schwimmer die sogenannte A-Norm unterbieten. Athletinnen und Athleten mit B-Norm müssen zunächst vom Weltverband als Olympia-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer bestätigt werden. Diese Bestätigung aber lag nicht vor.

In einem offenen Brief forderten 22 der 23 Mitglieder des Schwimmkaders den Rücktritt von Schwimmverbandschef Pawel Slominski. Dieser hat sich in einer Erklärung für das Organisationschaos entschuldigt, ist aber bislang weiter im Amt.

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