Noch im Februar jubelte Jonas Müller bei den Olympischen Spielen über zwei Silbermedaillen. Nur wenige Monate später sorgt der Vorarlberger nun mit einer überraschenden Entscheidung für Aufsehen: Der Rodel-Star beendet mit nur 28 Jahren seine Karriere.
Der Rücktritt kommt unerwartet. Schließlich gehörte Müller zuletzt zu den erfolgreichsten Kunstbahnrodlern der Welt. Doch der Bludenzer zieht einen Schlussstrich – und nennt fehlende Motivation als Hauptgrund für sein Karriereende. Selbst die Heim-Weltmeisterschaft im kommenden Jahr konnte den 28-Jährigen nicht mehr zum Weitermachen bewegen.
"Ich hatte eine tolle Zeit mit großartigen Erfolgen und bin allen, die mich auf meinem Weg unterstützt haben, sehr dankbar. Allen voran meinen Eltern, dem Trainer- und Betreuer-Team, der gesamten Mannschaft und dem Verband", erklärte Müller in einer Aussendung.
Der Aufwand im Spitzensport sei für die Entscheidung ausschlaggebend gewesen. "Eine Saison dauert 14 Wochen, die Vorbereitung zieht sich über acht Monate. Ich müsste längst wieder voll trainieren, um Ansprüche stellen zu können. Der Erfolgshunger hat nachgelassen, es ist der richtige Zeitpunkt, ein neues Kapitel abseits des Leistungssports aufzuschlagen", so der Vorarlberger.
Seinen letzten großen Auftritt hatte Müller bei den Olympischen Spielen in Cortina. Dort gewann er bei seinem Olympia-Debüt gleich zwei Silbermedaillen – im Einsitzer und mit der Team-Staffel. Insgesamt feierte der Vorarlberger neun Weltcupsiege und stand 27 Mal auf dem Podest. Mit der Team-Staffel holte er zudem zwei Weltcupsiege, WM-Silber und EM-Gold.
Wie es beruflich weitergeht, ist noch offen. Müller möchte nun gemeinsam mit dem Bundesheer seine Zukunft planen. "Da gibt es die berufliche Bildung, für uns Sportler ist das natürlich extrem wichtig, dass man auch nach der Karriere eine Zukunft hat", erklärte der Heeressportler.
Seinen internationalen Durchbruch feierte Müller bereits 2016 mit dem Titel bei der Junioren-EM. Im selben Jahr debütierte er auch im Weltcup. 2019 folgte mit WM-Gold im Sprint in Winterberg der erste große Erfolg in der allgemeinen Klasse. Ein Jahr später raste er in Sotschi zu WM-Silber über die olympische Distanz. Danach musste Müller einige Rückschläge verkraften. Formprobleme kosteten ihn sogar die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2022 in Peking.