Tarantino, Hollywood und ein Wild-West-Märchen

Viel wird schwadroniert, wenig passiert, und trotzdem ist "Once Upon a Time ... in Hollywood" großartig.
Hinter der Leinwand eines Autokinos liegt ein staubiges Feld mit einem rostigen Trailer. Dort lebt einer von denen, die Hollywood zum Strahlen bringen und es doch nie in eine Villa im Nobelviertel schaffen werden. Cliff Booth (Brad Pitt) ist Stuntman, fit, aber in die Jahre gekommen. Man munkelt, er habe seine Frau ermordet. Arbeit findet Cliff daher nur, wenn sie ihm sein Kumpel Rick Dalton (Leonard DiCaprio) vermittelt.

Auch Rick hat bereits bessere Tage gesehen. Klar, er hat ein Haus in den Hollywood Hills, direkt neben dem Anwesen des gefeierten Regisseurs Roman Polanski (Rafal Zawierucha) und seiner bildhübschen Frau Sharon Tate (Margot Robbie). Aber als Lead in einer Serie will ihn niemand mehr besetzen. Mit Jobs in Pilotfolgen hält er sich über Wasser, spielt Bösewichte, die sofort über den Haufen geschossen werden.

Cliff ist Ricks Mädchen für alles. Den lieben langen Tag kutschiert er den früheren Western-Star durch Los Angeles, erledigt kleinere Reparaturen im Haus, rückt mit einem Sixpack an, wenn sich der Boss einsam fühlt. Und vermöbelt ein Mitglied der berühmt-berüchtigten Manson Family, das sich an Ricks Wagen vergreift...

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Der Trailer von "Once Upon a Time ... in Hollywood":



Once Upon a Time in Hollywood
Once Upon a Time in Hollywood


Lang, aber selten langweilig

Seit bekannt wurde, dass sich Quentin Tarantino in seinem nächsten Film mit den Manson-Morden befasst, fragen sich Fans und Kritiker, wie das denn aussehen könnte. Schließlich hatte er in "Inglourious Basterds" selbst auf den Anschein historischer Korrektheit verzichtet und Hitler verbrennen, explodieren und von Maschinengewehren pulverisieren lassen.

Nun, wie der Titel von Tarantinos neuem Werk verrät, handelt es sich bei "Once Upon a Time ... in Hollywood" um ein Märchen. Alles ist also möglich, nichts in Stein gemeißelt. Wer noch nie von der Manson Family, Roman Polanski und Sharon Tate gehört hat, wird allerdings etwas ratlos aus dem Kino gehen. Nach 160 langen Minuten, die Cliff und Rick vorwiegend im Auto und an Filmsets verbringen, ketterauchend und Whisky-Sour-schlürfend. In denen Tate ein Buch für Polanski abholt und dann ein Kino besucht. In denen Rick aus einem Buch erzählt, das er gerade liest.

Großes Kino



Aber Moment, die Szene mit dem Buch spielt während der Mittagspause am Western-Set. Während Rick darauf wartet, dass der Kleber trocknet, der den Schurken-Schnauzer auf seiner Lippe befestigt. Das Buch handelt von einem abgewrackten Has-been, in dem sich Rick unmissverständlich wiedererkennt. Der ihm Tränen des Selbstmitleids in die Augen treibt. Keiner verschachtelt so schön wie Tarantino und schafft dabei so großes Kino.

Der zwingendste Grund, sich "Once Upon a Time ... in Hollywood" anzusehen, ist aber Brad Pitt. Der 55-Jährige ist eine Show für sich. Dagegen kommt nicht einmal der Glamour des alten Hollywoods an, den Tarantino zumindest am Rande beschwört.

"Once Upon a Time ... in Hollywood" startet am 15. August in den österreichischen Kinos.

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