Vor über einem Jahr wurden die ersten Vorwürfe gegen den Dirigenten-Star der Met laut. Jetzt, wo es die Medien auch wissen, ein Gericht eingeschaltet ist und sich weitere Opfer melden, geht alles ganz schnell:
Am Sonntag zog das weltberühmte Metropolitan Opera House in New York die Notbremse. James Levine, einer ihrer Top-Dirigenten, wurde vom Dienst freigestellt. Er wurde aus allen Veranstaltungen der laufenden Saison gestrichen.
Opfer ging zur Polizei - jetzt melden sich weitere
Sollten sich die Vorwürfe als wahr herausstellen, hat sich der inzwischen 74-Jährige über Jahre hinweg an einem seiner Schützlinge vergangen. Die ersten Vorfällen sollen passiert sein als der Bub 15 Jahre alt war. James Levine soll ihn dann ein knappes Jahrzehn misstraucht haben. Der inzwischen Erwachsene ging 2016 mit seinen Vorwürfen zur Polizei. Nun meldeten sich zwei weiter mutmaßliche Opfer.
Das Opernhaus gab an, dass die Vorfälle in den 1960ern begonnen haben sollen und bis in die 1980er angedauert haben sollen.
Hunderte Vorfälle über Jahre hinweg
Der damals 15-Jährige zeigte den Dirigenten 2016 an. Er gab zu Protokoll, dass die Belästigungen mit Händchenhalten begonnen hätten. Das sei aber schnell eskaliert. Levine soll sich mit seinem Schützling, den er musikalisch "fördern" wollte, nackt ins Bett gelegt haben. Er wollte wissen, wie der Bub masturbiert, hat ihn berührt und sich auch selbst befriedigt, wie die "New York Times" berichtete. Es sei über die Jahre zu hunderten Vorfällen gekommen.
Eltern nahmen ihn mit 4 Jahren Backstage
Levine sei 41 gewesen, als er begann, den Minderjährigen auszunutzen. Gekannt habe er den berühmten Dirigenten aber schon, seit er vier Jahre alt war. Seine Eltern hätten ihn Backstage mitgenommen. Der Dirigent hätte ihm in den darauffolgenden Jahren oft Dinge geschenkt. Heute ist das Opfer 48.
40 Jahre lang musikalischer Direktor der Met
James Levine war von 1976 bis 2016 musikalischer Direktor der Metropolitan Opera. Seitdem befindet er sich - auch weil er an Parkinson leidet, im Teilruhestand. 2018 hätte er trotzdem mehrere Konzerte dirigieren sollen.
Seit Levines Opfer 2016 zur Polizei ging, weiß die Oper von den Vorwürfen. Aber erst jetzt, wo der Fall vor Gericht gebracht wird, leitet auch die Oper ernsthafte interne Untersuchungen ein und hat Anwälte mit dem Fall betraut.
(lam)