Heikler Zivilprozess am Dienstag am Landesgericht Krems: Michael A. (38) soll als Schüler von seinem Religionslehrer und Ex-Ordensbruder Louis F. öfters zu unzüchtigen Handlungen gezwungen worden sein. Opferanwalt Wolfgang Lentschig fordert 130.000 Euro Entschädigung vom Stift Geras und den Schulbrüdern.
Richter Richard Simsalik war gefordert, denn es ging am ersten Verhandlungstag sehr emotional zu. Der jetzt in Wien lebende Angestellte Michael A. besuchte als Kind die Hauptschule und das Internat bei den Schulbrüdern in Strebersdorf.
Sein Religionslehrer, Louis F., baute ein Vertrauensverhältniszu ihm auf. F. behandelte sein Opfer bevorzugt - schenkte ihm Schokolade, gab ihm schon vorher die Testfragen. Mit dem Vorwand "Ich zeige dir meine Briefmarkensammlung"
lockte F. den Buben schließlich in seine Wohnung. Dort soll es zu sexuellen Handlungen gekommen sein.
Die Schilderungen von Michael A. stuft Gutachterin Gabriele Wörgötter als glaubwürdig ein. Opferanwalt Wolfgang Lentschig wirft der damaligen Führung des Stiftes vor, von den Abartigkeiten des Lehrers gewusst zu haben. Er wurde
übrigens 2008 wegen einiger Sex-Delikte zu drei Jahren Haft verurteilt.
Das Stift Geras erkennt die Vorwürfe nicht an, die Schulbrüder räumen ein,Verantwortung zu tragen. Am 19. Dezember wird die Frage, ob der Fall verjährt ist, geklärt. "Es geht nicht ums Geld, es hat sich vom Orden niemand bei mir entschuldigt", so Opfer Michael A. mit tränenerstickter Stimme.
Von Joachim Lielacher