Opposition & Militär setzen Mursi Ultimatum

Bild: Reuters
Die bisher größten Proteste in Ägypten seit dem Sturz des früheren Präsidenten Hosni Mubarak sind in Gewalt umgeschlagen. Beim Sturm auf die Zentrale der Muslimbrüder in der Nacht auf Montag gab es Tote und Verletzte. Die Opposition hat dem Machthaber unterdessen ein Ultimatum gesetzt, er soll sein Amt bis Dienstag zurücklegen. Dem hat sich die ägyptische Armee großteils angeschlossen.
Die bisher größten Proteste in Ägypten seit dem Sturz des früheren Präsidenten Hosni Mubarak sind in Gewalt umgeschlagen. Beim Sturm auf die Zentrale der Muslimbrüder in der Nacht auf Montag gab es Tote und Verletzte. Die Opposition hat dem Machthaber unterdessen ein Ultimatum gesetzt, er soll sein Amt bis Dienstag zurücklegen. Dem hat sich die ägyptische Armee großteils angeschlossen.

Der politischen Führung des Landes stellte die Armee ebenfalls ein Ultimatum zu Beilegung der Krise. Binnen 48 Stunden müsse der Konflikt gelöst werden, erklärte die Armeeführung am Montag. Die Forderungen des Volkes müssten erfüllt werden. Dies sei die "letzte Chance" für die Staatsführung, den historisch einmaligen "Umständen" gerecht zu werden. Auf dem Kairoer Tahrir-Platz brach daraufhin großer Jubel aus.

Nach dem Tod von 16 Menschen bei landesweiten Massenprotesten gegen den Staatschef reichten vier Mitglieder des Kabinetts ebenfalls am Montag ihren Rücktritt ein, wie ein Regierungsvertreter mitteilte. Weitere 600 Personen seien bei den jüngsten Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften verletzt worden.

Zentrale der Muslimbrüder gestürmt

Ein Brennpunkt der Konfrontation war die Kairoer Parteizentrale der Muslim-Brüder, die Präsident Mohammed Mursi nahestehen. Den Angaben zufolge starben dort zwei Menschen durch Gewehrfeuer. Mursi-Gegner versuchten, das Gebäude zu stürmen und setzen es teilweise in Brand. Demonstranten warfen Gegenstände aus den Fenstern, andere plünderten die Räume. Wachen und Muslim-Brüder feuerten aus dem Gebäude. Fünf weitere Personen kamen in Städten südlich von Kairo um.

Die ägyptische Opposition hat Mursi ein Ultimatum gesetzt. Er soll bis am Dienstag um 17 Uhr die Macht abgeben und den Behörden ermöglichen, eine vorgezogene Präsidentenwahl zu organisieren, teilte das Büdnis Tamarod am Montag mit. Leiste er dem nicht Folge, werde es eine "Kampagne des vollständigen zivilen Ungehorsams" geben.

Mursi selbst betonte, an seinem Amt festhalten zu wollen und bot erneut an, die islamistisch geprägte Verfassung des Landes zu überarbeiten. Diese war Ende vergangenen Jahres per Volksabstimmung in Kraft gesetzt worden. Die Kritik reißt seither allerdings nicht ab.

14 Mio. Demonstranten

Landesweit waren am Sonntag mehr als eine Million Menschen auf die Straßen gegangen, um am ersten Jahrestag seines Amtsantritts den Rücktritt des Islamisten Mursi zu fordern. Aus Kreisen der Armee hieß es sogar, es könnten bis zu 14 Millionen Menschen an den Protesten teilgenommen haben. Diese Zahl erscheint allerdings unverhältnismäßig hoch.

Allein auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo versammelten sich mehr als eine halbe Million Menschen. Viele harrten auch die Nacht über dort aus.

Wirtschaft im Tief

Ein Jahr nach Mursis Amtsantritt ist Ägypten zutiefst gespalten. Während seine Anhänger darauf verweisen, dass er der erste demokratisch gewählte Präsident ist, werfen seine Gegner ihm vor, allein die Interessen der Muslimbruderschaft zu vertreten, aus der er hervorging. Zudem kritisieren sie, dass er es nicht geschafft habe, die Wirtschaft wieder anzukurbeln.



Die säkulare Opposition wirft Mursi und den islamistischen Muslimbrüdern außerdem vor, die Ideale der Revolution von 2011 zu verraten und einen ähnlich autoritären Staat wie unter Mursis Vorgänger Mubarak anzustreben.
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