FPÖ und BZÖ vermuten, dass Wolfgang Priklopil kein Einzeltäter war und sprechen von Vertuschung durch die Staatsanwaltschaft. Um Druck zu machen, haben sie zuletzt eine ungewöhnliche Serie an parlamentarischen Anfragen eingebracht.
Vor allem auf Justizministerin Beatrix Karl (ÖVP) haben es die Abgeordneten der Freiheitlichen und Orangen abgesehen: Innerhalb eines Monats haben sie 15 mehrseitige parlamentarische Anfragen gestellt; mehr als 30 waren es innerhalb eines Jahres.
FPÖ-Abgeordnete Dagmar Belakowitsch-Jenewein will nicht locker lassen. "Jeder, der sich mit dem Fall Kampusch oder dem Fall Priklobil auseinandersetzt, bemerkt nach fünf Minuten, dass hier einiges im Argen liegt." Über Jahre sei schleißig ermittelt worden, so die Arbgeordnete.
Kein Einzeltäter
BZÖ-Abgeordnete Ewald Stadler spricht von "eindeutigen Hinweisen", die beweisen sollen, dass Wolfgang Priklobil, Natascha Kampusch‘ Peiniger, kein Einzeltäter gewesen sei. Zudem gäbe es Hinweise auf einen Kinderschänderring, so Stadler.
Die Anfragen basieren vor allem auf einem 25 Seiten langem Schreiben, das Johann Rzeszut vor einem Jahr an die Parlamentsklubs geschickt hat. Der ehemalige Präsident des obersten Gerichtshofs war Mitglied der Adamovich-Kommission, die die Vorfälle rund um den Fall untersuchen sollte.
Augenzeugin
Laut Rzeszut gebe es 27 Indizien dafür, dass ein Freund und Geschäftspartner von Wolfgang Prikopil als zweiter Täter an der Entführung beteiligt gewesen sei. Dass sie zwei Täter im Entführungswagen gesehen habe, sagt vor allem Natascha Kampusch‘ ehemalige Schulkollegin, die Zeugin der Entführung war.