Spiele-Test

"Orbitals" ruft zum galaktisch guten Retro-Koop-Trip

Zwei Figuren, ein Raumschiff und eine Menge Rätsel: "Orbitals" setzt voll auf gemeinsames Spielen und einen ungewöhnlichen Look.
Rene Findenig
15.09.2026, 20:30
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Statt möglichst realistischer Figuren, sauberer Hochglanz-Oberflächen und spektakulärer Lichteffekte setzt das neue "Orbitals" für Nintendo Switch 2 auf einen gezeichneten Retro-Anime-Stil. Das zieht sich durch die gesamte Inszenierung. "Orbitals" erinnert an eine Zeit, in der Anime noch stärker von handgezeichneten Bildern, markanten Farben und einer etwas raueren Animation geprägt war. Genau dieser Stil ist einer der Gründe, warum das Spiel sofort auffällt. Noch wichtiger ist aber, was darunter steckt. "Orbitals" ist kein Abenteuer, das du einfach alleine durchspielst und bei dem zufällig noch ein zweiter Spieler dazukommen darf. Das Spiel wurde von Grund auf für zwei Personen entwickelt.

Maki und Omura sind beide zentrale Figuren, beide Spieler übernehmen eine aktive Rolle und beide müssen sich aufeinander verlassen. Genau das macht einen großen Teil des Reizes aus. Wer Koop-Spiele mag, bei denen nicht einfach zwei identische Figuren nebeneinander durch die Levels laufen, bekommt hier ein auf Zusammenarbeit ausgelegtes Konzept. Maki und Omura leben auf einer beschädigten Raumstation, die von einem übernatürlichen kosmischen Sturm bedroht wird. Die beiden machen sich auf den Weg, um Hilfe zu finden und ihre Heimat zu retten. Mehr sollte man über die Geschichte vor dem Spielen eigentlich nicht wissen. "Orbitals" lebt auch davon, dass sich bestimmte Zusammenhänge erst nach und nach erschließen.

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Zwei Spieler sind hier wirklich zwei Spieler

Das Entscheidende ist ohnehin nicht die Ausgangslage, sondern wie das Spiel daraus seine Aufgaben entwickelt. Du bekommst verschiedene Werkzeuge, die jeweils bestimmte Funktionen erfüllen. Ein Greifhaken kann beispielsweise Gegenstände bewegen oder Wege zugänglich machen. Ein Werkzeug zum Versprühen von Flüssigkeit hilft bei anderen Hindernissen, während weitere Geräte wieder eigene Möglichkeiten eröffnen. Dabei darf jeder Spieler jeweils nur ein Werkzeug tragen. Genau hier beginnt das Zusammenspiel. Du kannst ein Hindernis nicht einfach selbst lösen, weil dir dafür unter Umständen das passende Werkzeug fehlt. Dann muss dein Partner übernehmen oder an einer anderen Stelle eingreifen.

"Orbitals" verlangt nicht permanent Höchstleistung, aber es belohnt Aufmerksamkeit. Oft reicht es nicht, nur auf den eigenen Bildschirmbereich zu schauen. Du musst mitbekommen, was dein Partner gerade macht. Wenn einer einen Weg öffnet, kann der andere Sekunden später davon profitieren. Umgekehrt kann eine Aktion auf der anderen Seite erst dann funktionieren, wenn du vorher etwas erledigt hast. Die Rätsel sind dabei nicht darauf ausgelegt, dich stundenlang an einer einzigen Aufgabe festzuhalten. Die meisten Ideen lassen sich relativ schnell verstehen. Die Herausforderung entsteht eher durch die Kombination der Aufgaben und durch die Tatsache, dass zwei Menschen gleichzeitig richtig handeln müssen.

Aus einfachen Werkzeugen wird überraschend viel

Besonders gut funktioniert das Spiel dort, wo es seine Werkzeuge immer wieder in einem anderen Zusammenhang verwendet. Ein Gegenstand, den du kurz zuvor noch für eine einfache Aufgabe gebraucht hast, bekommt plötzlich eine völlig andere Funktion. Dadurch entsteht nicht das Gefühl, ständig ein neues Spielsystem lernen zu müssen. Stattdessen baut "Orbitals" auf Bekanntem auf und verändert die Situation immer wieder kreativ. Ein Werkzeug bleibt grundsätzlich verständlich, aber das Umfeld stellt dich vor eine neue Aufgabe. Das sorgt dafür, dass die Rätsel trotz ihrer überschaubaren Komplexität nicht komplett gleich wirken. Auch die lineare Struktur fällt dadurch weniger ins Gewicht.

Ein Beispiel dafür sind Passagen, in denen sich die beiden Spieler auf unterschiedlichen Ebenen bewegen. Einer kommt an einem Hindernis nicht weiter, während der andere von einer anderen Position aus eingreifen muss. Dabei geht es nicht nur darum, das richtige Werkzeug auszuwählen. Du musst auch die richtige Position finden und im richtigen Moment handeln. Dazu kommen kleinere Abschnitte, in denen sich die Spielweise verändert. "Orbitals" wechselt unter anderem in eine 2D-Perspektive, baut Weltraumgefechte ein oder setzt auf rhythmische Elemente. Auch Verfolgungssequenzen und kleinere Minispiele sorgen dafür, dass nicht ständig dieselbe Art von Rätsel vor dir liegt.

Wenn einer steuert und der andere schießt

Das gilt auch für die Action-Passagen. Hier nimmt das Spiel seine Koop-Idee ebenfalls ernst. In bestimmten Abschnitten sitzt einer der beiden Spieler am Steuer, während der andere für den Angriff zuständig ist. Damit verändert sich auch die Kommunikation sofort. Der eine muss Hindernissen ausweichen und gleichzeitig den Kurs halten, während der andere Gegner oder ankommende Gefahren im Blick behalten muss. Es reicht also nicht, wenn nur einer gut spielt. Wenn der Pilot einen Fehler macht oder der zweite Spieler zu spät reagiert, kommen beide nicht weiter. Solche Szenen sind keine komplette Abkehr vom eigentlichen Rätselprinzip. Sie funktionieren eher als kurze Unterbrechung und bringen Tempo in das Abenteuer.

Auch die Perspektive verändert sich zwischendurch. Aus dem klassischen Abenteuer wird etwa ein 2D-Abschnitt oder eine Art Twin-Stick-Shooter. An anderen Stellen spielt sich "Orbitals" sogar wie ein Bullethell-Spiel. Noch stärker als das Gameplay bleibt allerdings die Optik im Gedächtnis. "Orbitals" setzt konsequent auf eine Retro-Anime-Ästhetik. Die Hintergründe sind handgezeichnet, die Figuren wirken bewusst anders als typische 3D-Spielcharaktere und auch die Zwischensequenzen greifen diesen Stil auf. Das Ergebnis funktioniert gerade deshalb, weil "Orbitals" nicht versucht, seine Vorlage mit moderner Technik zu überdecken. Wer mit Anime aus den 1980er- und 1990er-Jahren etwas anfangen kann, wird seine helle Freude haben.

"Orbitals" nicht versucht, seine Vorlage mit moderner Technik zu überdecken.
Kepler Interactive

Die Geschichte braucht nicht ständig Action

Der Soundtrack orientiert sich ebenfalls an der Retro-Anime-Ausrichtung. Dazu kommt eine vollständige Sprachausgabe in mehreren Sprachen. Die deutsche Fassung wird unter anderem von Franciska Friede als Maki, Tim Knauer als Omura und Vincent Fallow als Togen gesprochen. Erzählerisch schlägt "Orbitals" einen ruhigeren Weg ein. Die Ausgangssituation ist ernst, ohne dass das Spiel daraus permanent Drama machen muss. Die beiden Hauptfiguren müssen ihre Heimat retten, während sich die Bedrohung durch den kosmischen Sturm immer stärker bemerkbar macht. Interessant ist dabei der düstere Unterton, der sich erst nach und nach bemerkbar macht. Anime-Serie ist das Spiel erzählerisch keine, aber unterhaltsam.

Eine Schwäche zeigt sich ausgerechnet dann, wenn du nicht mehr weiterspielen kannst oder willst. "Orbitals" besitzt keine manuelle Speicherfunktion. Die automatischen Speicherpunkte sind teilweise an Kapitel- oder Gebietswechsel gebunden. Wer mitten in einem Abschnitt aufhört, kann deshalb beim nächsten Start gezwungen sein, einen Teil noch einmal zu spielen. Das fällt bei einer überschaubaren Spielzeit von einigen Minuten pro Kapitel jedoch nicht stark ins Gewicht. Technisch macht "Orbitals" auf der Nintendo Switch 2 einen stabilen Eindruck. Es will aber sowieso nicht mit möglichst komplexer Technik beeindrucken. Die Stärke liegt in der Gestaltung – in Stil, Animation, Musik und den Koop-Szenen.

Die Stärke liegt in der Gestaltung – in Stil, Animation, Musik und den Koop-Szenen.
Kepler Interactive

Das Entscheidende ist der richtige Mitspieler

"Orbitals" funktioniert am besten, wenn du mit jemandem spielst, mit dem du dich gut abstimmen kannst. Das klingt banal, ist aber tatsächlich entscheidend. Die Aufgaben sind nicht darauf ausgelegt, dass einer einfach alles erledigt und der andere hinterherläuft. Immer wieder wird die Verantwortung zwischen den Spielern verteilt. Mal hat einer das passende Werkzeug, mal muss der andere eine Plattform aktivieren, mal steuert einer ein Fahrzeug und der andere übernimmt den Angriff. Dadurch entsteht eine gemeinsame Dynamik. Genau darin liegt auch die größte Stärke des Spiels. Ein gutes Koop-Spiel erzeugt Momente, über die man nach dem Spielen noch spricht. "Orbitals" schafft das immer wieder.

Wer alleine spielen möchte, ist bei "Orbitals" falsch. Das Spiel ist auf zwei Spieler ausgelegt – entweder lokal oder online. Schön: "Orbitals" versucht nicht, die eher kurze Spielzeit künstlich aufzublähen. Die zwölf Kapitel wechseln regelmäßig ihre Ideen, bringen neue Situationen und bleiben dadurch relativ kompakt. Trotzdem hätte die Geschichte an manchen Stellen von etwas mehr Raum profitiert. Gerade Nebenfiguren bleiben blasser, als es die aufwendig gestaltete Welt verdient hätte. Dafür gibt es kaum Passagen, in denen das Spiel Zeit schinden will. Du löst Rätsel, wechselst Werkzeuge, steuerst Fahrzeuge, weichst Hindernissen aus und bekommst immer wieder neue kleine Aufgaben. Das Tempo stimmt deshalb über weite Strecken.

Fazit: Galaktisch gut, wenn man Koop-Spiele mag

"Orbitals" bleibt nach dem Abspann im Gedächtnis. Nicht wegen einer riesigen offenen Welt, nicht wegen eines komplizierten Charaktersystems und auch nicht wegen einer besonders langen Kampagne. Sondern weil zwei Spieler gemeinsam durch eine ungewöhnliche Welt geschickt werden und das Spiel ihnen ständig einen Grund gibt, zusammenzuarbeiten. Für mich ist das am Ende wichtiger als die Frage, ob jedes einzelne Rätsel perfekt funktioniert. "Orbitals" hat Schwächen. Aber das Grundkonzept funktioniert. Die Werkzeuge werden sinnvoll eingesetzt, die Aufgaben wechseln regelmäßig und die Rollen der beiden Spieler sind fair verteilt. Dazu kommt eine Präsentation, die sich klar von vielen anderen Spielen abhebt.

Wenn du einen Freund, eine Freundin oder einen Partner hast, mit der oder dem du gerne gemeinsam spielst, ist "Orbitals" garantiert einen Blick wert. Du solltest nur wissen, worauf du dich einlässt: Es ist ein kurzes, klar auf zwei Spieler zugeschnittenes Abenteuer und kein Spiel, das dich über Wochen beschäftigen will. Gerade diese Konzentration tut "Orbitals" aber gut. Es kommt, zeigt seine Ideen, erzählt seine Geschichte und verabschiedet sich wieder, bevor das Konzept unnötig ausgereizt wird. Der Retro-Anime-Look gibt dem gesamten Spiel eine eigene Identität. Und wenn nach dem Abspann beide Spieler noch darüber diskutieren, wer bei welchem Rätsel eigentlich schuld war, hat "Orbitals" sein wichtigstes Ziel ohnehin erreicht.

rfi,15.09.2026, 20:30