Szene

ORF: Kein Geld für Musikfonds und "Rat auf Draht"

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:52

Die Aufregung um den Sparkurs des ORF reißt nicht ab. Der öffentlich-rechtliche Sender stellt im Zuge der geplanten Kürzungen auch die finanzielle Unterstützung des Österreichischen Musikfonds ein, wie die Förderinitiative für heimische Musikproduktionen am Freitag mitteilte. Auch der kostenlose Kinder- und Jugend-Notrufdienst "Rat auf Draht" soll bald eingestellt werden. Jugenorganisationen äußerten sich empört.

Die reißt nicht ab. Der öffentlich-rechtliche Sender stellt im Zuge der geplanten Kürzungen auch die finanzielle Unterstützung des Österreichischen Musikfonds ein, wie die Förderinitiative für heimische Musikproduktionen am Freitag mitteilte. Auch der kostenlose Kinder- und Jugend-Notrufdienst "Rat auf Draht" soll bald eingestellt werden. Jugenorganisationen äußerten sich empört.

Mit dem Rückzug des ORF fallen für den Musikfonds 100.000 Euro des jährlich 920.000 Euro umfassenden Budgets weg. "Das reißt ein tiefes Loch in das Musikfonds-Budget und macht es uns sehr schwer, unsere Förderziele zu erreichen", so Geschäftsführer Harry Fuchs in einer Aussendung. Fuchs zeigte sich über die Entscheidung des ORF enttäuscht, beinhalte der Programmauftrag doch auch die Förderung "heimischer künstlerischer und kreativer Produktion".

Der Ausstieg des ORF gefährde "den ohnehin schon mit schwierigen Rahmenbedingungen konfrontierten Musikstandort Österreich". Der Musikfonds hat in den vergangenen acht Jahren seines Bestehens 452 Musikproduktionen sowie 120 Konzerttourneen mit insgesamt rund fünf Millionen Euro unterstützt. Begründet wurde der Schritt laut einem Schreiben von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz mit "schwierigen Herausforderungen im Bereich der Finanzierung".

Enttäuschung über Aus von "Rat auf Draht"

Nicht weniger enttäuscht zeigten sich Katholische Jugend und die Katholische Jungschar über das baldige Aus von "Rat auf Draht". "Wieder einmal trifft eine Sparmaßnahme die Schwächsten", hieß es in einer Aussendung am Freitag. Dank der Themenbreite und der Anonymität werde die Telefon-Hilfe von vielen Kindern und Jugendlichen angenommen. Im Schnitt würden täglich 220 Beratungen von Experten und Expertinnen durchgeführt, so die Organisationen in einer Aussendung.

Auf Facebook wurde bereits eine "Rettet '147 Rat auf Draht'"-Gruppe gegründet. Bisher zählt die Gruppe fast 3.000 Mitglieder, tendenz steigend.

Kritik von früherem ORF-Administrationchef

Kritik kam am Freitag auch von einem ehemaligen ORF-Mitarbeiter. Wolfgang Buchner, bis 2010 unter anderem ORF-Administrationschef, schlug in einem Gastkommentar in der Tageszeitung "Der Standard" die ersatzlose Streichung von ORF eins vor. Das bestehende Programmschema sei zu einem Zeitpunkt entstanden, als der ORF de facto noch Monopolist war.

Die Situation sei nun anders. "Es besteht keine Notwendigkeit mehr anzubieten, was auf vielen anderen Kanälen auch zu sehen ist. Also reicht ein Kanal aus und kann ORF eins entfallen", meint Buchner. Dabei müsse aber insgesamt das Informationsangebot ausgebaut werden, sei doch die derzeit rund 16-minütige "Zeit im Bild" laut Buchner "für ein Qualitätsmedium eine Schande. Ein Hauptkanal im Fernsehen reicht, flankiert von einem schon bestehenden Sportkanal und einem Info/Kulturkanal, eben ORF III." Weiters schlägt Buchner ein verkleinertes Aufsichtsgremium für den Sender vor.

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