Ukraine

"Ukraine vor entscheidender Schlacht" – ORF-Experte warnt

In der Ukraine tobt der russische Angriffskrieg ungebremst weiter. Eine große Schlacht um die Stadt Cherson steht nun unmittelbar bevor.

Christian Wehrschütz ist ORF-Korrespondent in der Ukraine. Im Bild während einer Live-Schaltung. (Archivfoto)
Christian Wehrschütz ist ORF-Korrespondent in der Ukraine. Im Bild während einer Live-Schaltung. (Archivfoto)
Screenshot ORF

Schwere Kämpfe erschüttern seit Tagen die Region um die südukrainische Stadt Cherson, vor allem auf russischer Seite, die die Stadt eingenommen hat, sollen die Verluste extrem hoch sein. Auf die Bürger wiederum wartend deshalb regelmäßige Stromabschaltungen und Probleme mit der Wasserversorgung. "In letzter Konsequenz wird es davon abhängen, wie stark wird alles zerstört, was die Stromversorgung betrifft", sagt ORF-Kriegsreporter Christian Wehrschütz am Dienstag im Ö1-"Morgenjournal". Man könne Maßnahmen treffen, wie die Badewanne volllaufen zu lassen, aber das löse das Problem nicht.

    Mehrere Reihen von Betonblöcken ziehen sich mittlerweile kilometerweit durch den Osten der Ukraine.
    Mehrere Reihen von Betonblöcken ziehen sich mittlerweile kilometerweit durch den Osten der Ukraine.
    Screenshot RIAFAN

    Die Ukraine versuche, seit September Cherson zu nehmen, um die Russen dazu zu zwingen, sich in den Osten zurückzuziehen, so Wehrschütz. Sollte ihnen das gelingen, wäre das die einzige große Stadt, die die Ukraine zurückerobern konnte, und auch die Gefährlichkeit für Odessa fiele damit weg, so der Experte. Aber: "Wir haben bereits die Regen- und Schlammperiode", so Wehrschütz. Gelinge es der Ukraine nicht, Cherson schnell einzunehmen, müssten Soldaten im freien im Feld in Zelten lagern. Gleichzeitig wäre es jedoch ein Erfolg für Ukraine, um zu zeigen, dass man noch schlagkräftig sei.

    Abnützungskrieg für beide Seiten

    "Ohne westliche Unterstützung kann die Ukraine nicht überleben", warnte Wehrschütz, einerseits brauche es Waffenlieferungen, andererseits wirtschaftliche Unterstützung. Es sei ein "Abnützungskrieg", in dem im nächsten Jahr auch die russische Teilmobilmachung eine Rolle spielen werde. Bisher habe keine Seite einen entscheidenden Vorteil erzielt, so der Experte. Die Kampfmoral sinke nun bei schlechtem Wetter drastisch und beide Seiten hätten hohe Verluste. Wenn in den nächsten ein, zwei Wochen nichts Entscheidendes passiert, werde sich der Krieg in den Februar hinziehen, hieß es.

    Entlang des Flusses Dnipro begannen die russischen Besatzer nach Darstellung des ukrainischen Militärs, die Boote der dortigen Zivilbevölkerung zu zerstören. Damit verstoße das russische Militär eklatant gegen Gesetze und die Regeln der Kriegsführung mit Blick auf die Zivilbevölkerung, hieß es. Die russischen Besatzungstruppen versuchen schon seit Tagen, die Zivilbevölkerung von Cherson zum Verlassen der Region zu bewegen. Die ukrainischen Streitkräfte wollen das Gebiet, das seit März unter russischer Kontrolle steht, möglichst bald zurückerobern und stoßen immer weiter auf die Stadt vor.

    Ukraine zieht Truppen zusammen – offenbar steht eine größere Schlacht bevor.
    Ukraine zieht Truppen zusammen – offenbar steht eine größere Schlacht bevor.
    APA-Grafik / picturedesk.com