In der Ukraine gehen die Angriffe der russischen Armee weiter, in der Nacht auf Mittwoch ist es zu weiteren Kämpfen in gleich mehreren Städten gekommen. In Charkiw, der zweitgrößten Stadt der Ukraine, wurden mindestens 21 Menschen getötet und mehr als 100 seien verletzt.
Russische Raketen haben Wohn- und Verwaltungsgebäude in Charkiw getroffen, berichtet die ukrainische Regierung. Nach eigenen Angaben haben russische Soldaten mittlerweile die südukrainische Großstadt Cherson eingenommen. Die Ukraine hat das aber nicht bestätigt.
Es wäre die erste ukrainische Gebietshauptstadt, die Russland seit Beginn der Invasion vor sieben Tagen unter seine Kontrolle gebracht hätte. Die ukrainische Seite berichtet von heftigen Kämpfen und vielen Toten. Zivilisten hätten die Stadt unter anderem mit Molotow-Cocktails verteidigt.
Russland hat sich unterdessen zu neuen Verhandlungen mit der Ukraine bereiterklärt. Diese sollten am Mittwochabend stattfinden, hieß es. "Unsere Delegation ist bereit, die Gespräche fortzusetzen", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow in Moskau.
Eine erste Verhandlungsrunde an der belarussisch-ukrainischen Grenze war am Montag vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine ohne greifbare Ergebnisse geblieben. Doch wie erfolgversprechend sind diese Verhandlungen eigentlich?
ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz befindet sich nach wie vor in Kiew und hat in einer "ZIB Spezial" die möglichen Friedensgespräche analysiert. "Ob die Verhandlungen zu Stande kommen oder nicht, kann ich zur Stunde nicht sagen. Aber eines ist für mich sehr interessant", erklärt der Experte.
"Die Ukraine hat offensichtlich den Eindruck, dass sie aus einer 'Position der Stärke' verhandeln kann", lässt Wehrschütz im TV aufhorchen. Der ORF-Reporter hatte erst am Mittwoch ein Interview mit dem Pressesprechers des Kabinettschefs des ukrainischen Präsidenten und dieser hätte ihm mitgeteilt, dass man das Gespräch nicht "Verhandlungen" nennen würden, vielmehr würde man von "Konsultationen" sprechen.
Die Vorbedingungen für "Verhandlungen" sei laut dem Pressesprecher der völlige Abzug der russischen Truppen aus dem Gebiet der Ukraine. "Offensichtlich glaubt die Ukraine, die Millionenstädte halten zu könne, also etwa Charkiw, Odessa oder natürlich auch Kiew."
Bei der Verteidigung helfen sollen dabei auch Dutzende Waffen aus dem Westen, die bereits in der Ukraine eingelangt sind, darunter befinden sich laut ukrainischen Behörden auch Panzerabwehr-Waffen. Die russische Delegation wird jedenfalls am späten Nachmittag in der Ukraine sein und auf die "ukrainischen Unterhändler warten", so ein Kreml-Sprecher.