Österreich

ORF-Star Wolf vor Gericht, schlägt Hände vors Gesicht

Rechtsanwälte und ein Virologe klagten Armin Wolf, weil er sie als "Corona-Leugner" bezeichnet hatte. Vor Gericht zeigte sich der ORF-Star gereizt.
Christian Tomsits
22.07.2021, 12:14

Normalerweise stellt er die Fragen, nun musste er selbst ins "Kreuzverhör". Moderator Armin Wolf ist heute, Donnerstag, am Wiener Handelsgericht zu "Gast" – mit einer gerichtlichen Vorladung. Denn der 54-Jährige wurde nach einem Tweet über ein Zeitungsinserat einer Gruppe von Corona-Maßnahmengegnern von ebendiesen auf Widerruf und Unterlassung geklagt.

Wolf hatte die Rechtsanwälte und Virologen pauschal als "Corona-Leugner" bezeichnet. Das wollten die Veranstalter des höchst umstrittenen "Außerparlamentarischen Corona Untersuchungsausschusses Austria - ACU" nicht auf sich sitzen lassen und zeigten sich dabei durchaus empfindlich. Sie forderten 35.000 Euro Schadenersatz und einen Widerruf, den der Moderator 30 Tage lang auf seinem Twitter-Account veröffentlichen soll.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Dieser Tweet löste den Zwist aus

Armin Wolf kritisierte auf Twitter ein "Corona-Leugner-Inserat".
Twitter / Armin Wolf

Der ZiB-Anchor kam im feinen Zwirn und nahm pünktlich auf der Anklagebank Platz. Dann wurde er vom Richter zu den Vorwürfen befragt. "Der Herr Wolf erklärt, dass er die Kläger nicht mehr 'Corona-Leugner' bezeichnet und das wärs", schlug Wolfs Anwalt Michael Pilz vor – zu wenig für die Kläger.

"Das Vorbringen der Kläger ist sehr umfangreich", so der Richter. Armin Wolfs Anwalt erklärte, dass dieses an der Rechtslage vorbeigehe. Die Kernfrage des Verfahrens: Ob und wen darf man als "Corona-Leugner" bezeichnen. "Corona existiert. Es ist eine Bedrohung und muss bekämpft werden. Alles andere wäre ja ein Leugnen der Realität. Aber es geht darum, wie. Die Mittel müssen verhältnismäßig sein – keiner leugnet das Virus oder die Erkrankung", rechtfertigte sich Anwalt Michael Brunner, einer der Kläger.

Armin Wolf bei der Sicherheitskontrolle vor Gericht.
heute.at
„"Ich habe nichts gegen das Inserat. Man könne von mir aus auch behaupten, die Erde sei eine Scheibe und die Welt werde von Echsenmenschen regiert." - Armin Wolf“

Kurz darauf erklärte Brunner, der seinen Mundnasenschutz falsch herum trug, dass Masken für Träger eher eine Gefahr als Nutzen darstellen würden. "Sie sind nutzlos und gesundheitsgefährdend und nicht sinnvoll bei Corona und nicht evidenzbasiert. Es kommt zu erhöhtem CO2-Gehalt in der Atemluft." Wolf schlug sich daraufhin die Hände vors Gesicht. 

Wolf versteht nicht, warum er vor Gericht sitzt

Um 11:34 Uhr nahm der "ZIB2"-Moderator dann selbst vor dem Richter Platz. Auf die Frage, warum Wolf den Begriff "Corona-Leugner" verwendet hatte, erklärte der 54-Jährige: "Ich habe das Inserat gesehen und war überrascht und bestürzt, dass der Kurier das druckt. Viele andere Medien haben das Inserat abgelehnt. Ich habe nicht verstanden, warum das abgedruckt wird." 

Kritik hätte Wolf laut eigener Aussage nur an der Zeitung Kurier üben wollen. "Ich habe nichts gegen das Inserat. Man könne von mir aus auch behaupten, die Erde sei eine Scheibe und die Welt werde von Echsenmenschen regiert. Meine Kritik ging an den Kurier. Die sieben Kläger kommen in meinem Tweet nicht vor, auch die Organisationen nicht. Das Inserat wurde weder abgebildet, noch genannt oder beschrieben. Es ist mir völlig schleierhaft, warum mich diese Leute klagen."

Gegenüber dem Richter erklärte der ORF-Mann schließlich, dass er an den "allgemeinen Sprachgebrauch" gebunden sei und der Begriff "Corona-Leugner" Personen, die die Pandemie leugnen, bezeichne. "Das können Sie auf deren Homepages nachlesen. Ich könnte Ihnen seitenweise Zitate vorlegen, wo die Pandemie geleugnet wird. Und es ist doch unbedeutend, ob sie sich dadurch beleidigt fühlen. Ich orientiere mich am allgemeinen Sprachgebrauch."

ORF-Moderator legt Richter Zitate am iPad vor

Wie in seinen Interviews, war der Anchorman auch vor Gericht bestens vorbereitet. Er legte dem Richter eine Reihe an Zitaten, wo die Pandemie oder die Gefahren von Corona geleugnet werden, vor. Sichtlich gereizt erklärte Wolf schließlich: "Wir sollten hier nicht über PCR-Tests diskutieren, aber alle Vereine der Inserenten verharmlosen die Pandemie. Deshalb hat meine Wertung im Tweet ein ausreichendes Tatsachensubstrat und meine Aussagen sehe ich von der freien Meinungsäußerung gedeckt. Die Kläger wollen Aufmerksamkeit, das ist der Grund."

Eine Veröffentlichung des Inserats auf seinem Twitter-Account hält der Moderator als "absurd" und betonte: "Ich will das nicht vor 500.000 Leuten teilen." Ob Wolf das Inserat doch teilen muss, soll in 4 bis 8 Wochen entschieden werden.