Dubioser Spielverein weicht kritischen Fragen aus

Der Spiel-Verein "Original Play" geriet in die Kritik, nachdem Medienberichte über mutmaßlichen Missbrauch auftauchten. Eine Pressekonferenz macht nun alles noch schlimmer.
Der Verein "Original Play" war wegen Kursen, bei denen fremde Erwachsene mit Kindern und Jugendlichen rangeln, in die Kritik geraten. In Deutschland gab es zwei Vorwürfe gegen "Original Play"-Teilnehmer, die sich an Kindergartenkindern vergangen haben sollen.

Bildungsministerin Iris Rauskala hat inzwischen den in ihre Zuständigkeit fallenden Bundesschulen den Einsatz des Vereins verboten. Anderen pädagogischen Einrichtungen rät sie in einem Erlass "dringend" davon ab.

Original Play reagiert auf Vorwürfe
Original Play reagiert auf Vorwürfe


(Video: A. Diry)

CommentCreated with Sketch.5 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Keine Panik

Am Mittwoch wollte der Verein bei einer Pressekonferenz in Wien über seine Tätigkeit und Anliegen informieren. Auch die Anwesenheit des Gründers Fred Donaldson machte die Sache nicht besser – die Mitglieder gaben teilweise beunruhigende Antworten auf Journalistenfragen.

Der Tenor von Donaldson, seiner Frau Kerstin, dem "Lehrling" Klaus Seits sowie den österreichischen Vereinsvorständen Robin Rieß und Sonja Mille: Es gebe keine Beschwerden in Österreich, alle Rückmeldungen seien positiv. Kein Grund zur Aufregung und Hysterie.

Aber: "Wir haben uns bereits an den Bundesverband der Kinderschutzzentren gewandt, um unsere Sicherheitsrichtlinien gemeinsam zu überprüfen und ein umfassendes Kinderschutzkonzept zu erstellen. In diesem Konzept wird es um Klarheit und Sicherheit für alle Beteiligten gehen – Kinder, Einrichtungen, Eltern und Spielleiterinnen", kündigte Mille an.

Forschung zu teuer?

Als Journalisten Fragen stellten, kamen die Vereinsmitglieder aber ins Schwimmen. So sei das Projekt keinesfalls ein Risiko für Kinder, sondern würde sie lehren, "gute Berührungen" von "schlechten" zu unterscheiden. Gewaltprävention sei das ohnehin und alle kritischen Pädagogen und Psychologen hätten das "ursprüngliche Spielen" einfach noch nicht selbst erlebt.

Überhaupt geht für den Gründer ohne pädagogischen Hintergrund das Erleben über die wissenschaftliche Untersuchung. 1976 habe es eine Evaluierung gegeben. Das könne man ja nachlesen. Und: "Erfahrung in Worte zu übersetzen, ist schwer. Ich habe mich für eigene Erforschung entschieden. Umfangreiche Forschung kostet viel Geld, doch das hatte ich nicht. Ich habe 46 Jahre selbst geforscht und in verschiedenen Magazinen veröffentlicht."

Alleine oder in Begleitung?

Um das Apprentices-Zertifikat von "Original Play" zu erhalten, sind zwei Trainingsseminare zur Einführung, zwei vertiefende Seminare und drei Jahre regelmäßiges Spiel mit Kindern und Jugendlichen erforderlich – im Ausmaß von insgesamt 300 Stunden.

Die Vereinsmitglieder antworteten sehr ausweichend auf die Frage, ob "Lehrlinge" in Ausbildung auch ohne Begleitung eines voll ausgebildeten Vertreters des Vereins mit Kindern spielen. Da wurde immer schnell von "persönlicher Erfahrung" gesprochen, genaueres konnte man dazu nicht erfahren.

Angesprochen auf die schweren Vorwürfe in Deutschland, antworteten die Vertreter, dass die Verfahren eingestellt wurden. Klaus Seits kenne außerdem einen der Männer persönlich. Er könne sich nicht vorstellen, dass der Mann Kindern etwas angetan haben könnte.

Immerhin soll es einen Termin mit der Bildungsministerin geben. Ein Datum gibt es dafür noch nicht.

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