Der Filmemacher Patrick Vollrath wurde in Deutschland geboren und an der Wiener Filmakademie ausgebildet. Für seinen Kurzfilm "Alles wird gut" (der heute um 22.05 Uhr auf ORF III ausgestrahlt wird) ist er für einen Academy Award nominiert. Mit "heute.at" sprach er über Oscar-Chancen, das Leben als Deutsch-Österreicher und die Beziehung zu seinem ehemaligen Professor Michael Haneke.
Der Filmemacher Patrick Vollrath wurde in Deutschland geboren und an der Wiener Filmakademie ausgebildet. Für seinen Kurzfilm "Alles wird gut" (.
"heute.at": Herr Vollrath, seit der Oscar-Nominierung für "Alles wird gut" ist Ihr Name in aller Munde. Genießen Sie den Rummel, oder fällt er Ihnen zur Last?
Patrick Vollrath: Es ist natürlich schon etwas stressig, aber ich glaube für jeden ist auch ein bisschen schön, wenn man mal so viel Aufmerksamkeit bekommt. Aber eine Last ist es auf keinen Fall. Ich genieße den Moment, relativ bald ist er ohnehin vorbei. Das ist dann auch okay.
"Alles wird gut" ist ein Familiendrama. Warum haben Sie sich gerade dieses Thema für Ihre Abschlussarbeit an der Filmakademie ausgesucht?
Ich habe mir das nicht wirklich ausgesucht, das Thema kam irgendwie auf mich zu. Ich fand die Frage einfach wahnsinnig spannend, warum ein Elternteil seinem Kind aus Liebe schadet. Bei meiner Recherche habe ich mit wahnsinnig vielen Leuten gesprochen. Ihre Geschichten haben mich sehr berührt und dazu inspiriert, "Alles wird gut" zu schreiben.
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"Alles wird gut" sammelt fleißig Auszeichnungen. Wie zufrieden sind Sie mit dem fertigen Film? Gibt es eine Szene, die Ihnen besonders am Herzen liegt?
Zufrieden? Man sollte nie ganz zufrieden sein, man sollte immer noch schauen, was man besser machen kann. Aber die Szene, die im Trailer [siehe unten] zu sehen ist, gefällt mir sehr gut, weil die beiden Schauspieler einfach so wunderbar sind und mich beim Dreh selber so überrascht und berührt haben. Es ist einfach wahnsinnig schön, wenn zwei Leute - und grade die kleine Julia [Pointner, Anm.] - so glaubwürdig und authentisch vor der Kamera sind.
Gibt es einen Moment während der Dreharbeiten, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Es war letztendlich auch diese Szene, die mir sehr in Erinnerung geblieben ist, weil Julia und Simon [Schwarz, Anm.] so toll spielen.
Worin liegen die größten Herausforderungen in der Produktion eines Kurzfilms?
Bei einem Kurzfilm ist es immer eine Herausforderung, das Geld zusammenzubekommen. Ein motiviertes Team zu finden ist auch immer wichtig, aber es gibt viele hochmotivierte junge Leute, die gerne mit einem auf so eine Reise gehen. Dann muss man noch das Organisatorische stemmen - das sind Dinge, die Zeit kosten und nicht immer einfach sind, aber ich glaube, das ist bei jedem Film so.
Sie haben die Klasse von Michael Haneke an der Wiener Filmakademie besucht und werden in den österreichischen Medien auch immer wieder als Hanekes Schüler bezeichnet. Wie kann man sich diese Schüler-Lehrer-Beziehung vorstellen? Haben Sie eine besondere Beziehung zu Haneke?
Es gefällt mir ganz gut so, als Haneke-Schüler bezeichnet zu werden, das ist schon eine Ehre. Er ist ein Vorbild, allein schon dadurch, was er erreicht hat, und seine Filme finde ich wahnsinnig stark. Deswegen ist es für mich eine Auszeichnung, als Haneke-Schüler bezeichnet zu werden. Die Bezeichnung stimmt ja auch. Ich habe 2008 angefangen, Film zu studieren, und er war seitdem mein Professor. Wie man sich das vorstellen kann? Man führt Gespräche mit ihm über Filmprojekte, und er sagt einem sehr ehrlich und direkt, was er davon hält. Dann muss man entscheiden, ob man etwas ändern oder das Ganze gegen seinen Willen durchziehen möchte. Das kann dir auch Respeckt einbringen. Wenn man sich fast acht Jahre kennt und so lange miteinander im Austausch steht, entsteht schon eine besondere Beziehung. Er hat mir auch [zur Oscar-Nominierung] gratuliert. Man trifft sich öfter und redet mal wieder kurz. Und ja, ich lerne auch immer noch etwas von ihm.
Wer sind Ihre Vorbilder bzw. Lieblings-Regisseure und -Drehbuchautoren?
Es gibt so viele großartige Regisseure und Drehbuchautoren da draußen, da möchte ich jetzt gar niemanden hervorheben. Bei jedem Film gibt es andere, die mich inspirieren. Es gibt viele großartige Filme und ich versuche, so viele wie möglich davon zu sehen.
Sie stammen aus Deutschland, sind für die österreichische Öffentlichkeit aber "der österreichische Oscar-Kandidat 2016". Was ist das für ein Gefühl?
Ich bin in Deutschland geboren, auch dort aufgewachsen und natürlich Deutscher. Bei der Europameisterschaft trage ich das Deutschlandtrikot. Aber ich wohne jetzt seit 2008 in Wien und fühle mich hier wahnsinnig wohl. Der Film ist mit deutschem und österreichischem Geld entstanden, und von daher finde ich das vollkommen okay. "Die Presse" hat letztens geschrieben "Österreichs deutscher Regisseur". Diese Bezeichnung fand ich total nett. Beide Seiten sagen, ich und der Film gehören zu ihnen. Irgendwie stimmt das auch.
Wie sehen Sie Ihre Chancen auf den Oscar?
Naja, ich meine, man sollte sich nie zuviele Hoffnungen auf so 'nen Oscar machen. Ich glaube nicht, dass wir gewinnen werden. Dabei sein ist einfach wahnsinnig schön, ich geh entspannt rein und schau was passiert.
Wie kleiden Sie sich für die Oscar-Gala ein?
Es herrscht, glaub ich, Smoking-Pflicht und der werde ich natürlich nachkommen. Ich werde versuchen, schick auszusehen. Mehr gibt's glaub ich für uns Männer nicht groß zu machen.
Der Trailer zu "Alles wird gut":
Die Oscar-Verleihung 2016 findet am 28. Februar in Los Angeles statt. "heute.at" tickert live.