Österreich

Oscar-Held macht gegen Abschiebungen mobil

Obwohl der Wirtschaft dringend Arbeitnehmer fehlen, werden gut ausgebildete Lehrlinge abgeschoben. Der Protest wird immer lauter.
Heute Redaktion
13.09.2021, 20:08

Der Protest gegen die Abschiebung von jungen Lehrlingen wird immer massiver. Jüngster Prominenter, der sich gegen diese Praxis ausspricht, ist Stefan Ruzowitzky (Oscar für "Die Fälscher" im Jahr 2008). Er findet es "schäbig", dass junge Lehrlinge ausgewiesen werden (siehe Bildgalerie).

Er ist damit neben Josef Hader, Hubert von Goisern, Dirk Stermann oder Star-Koch Mike Süsser der nächste, der sich dem Widerstand gegen die Abschiebungen anschließt. Auch immer mehr mächtige Wirtschaftstreibende wie Hans Peter Haselsteiner oder IV-Chef Georg Kapsch betonen, dass ohnehin Fachkräfte fehlen. Die Zahlen sind tatsächlich alarmierend:

- 64 Prozent der Unternehmen in OÖ sehen Fachkräftemangel als das größte Problem. Vor einem Jahr waren es noch 46 Prozent.

- Österreichweit haben schon 30 Prozent aller Unternehmen große Probleme, Fachkräfte zu finden.

- der Schaden, der der Wirtschaft entsteht, weil junge Asylwerber, die bereits ausgebildet wurden, abgeschoben werden, würde alleine in OÖ bei rund 28 Millionen Euro liegen.

- derzeit sind in OÖ 373 junge Asylwerber in Lehre. Möglich macht das ein Gesetz von 2012. Damals wurde beschlossen, dass junge Asylwerber bis 25 Jahren in jenen Berufen eine Lehrstelle beginnen dürfen, in denen es ohnehin einen Mangel gibt. Heißt: Die jungen Asylwerber bekommen nur Jobs, in denen es ohnehin keine Interessenten aus Österreich gibt.

- trotzdem ist jetzt ca. ein Dritteldieser jungen Asylwerber nach einem Negativbescheid von der Abschiebung bedroht. In den meisten Fällen handelt es sich um Afghanen, die zurückgeschickt werden sollen.

Der oö. Integrationslandesrat Rudi Anschober (Grüne) hat eine Petition (www.ausbildung-statt-abschiebung.at) ins Leben gerufen, die bereits 52.000 Menschen unterstützen. Auch mehr als 400 Unternehmen fordern von der Türkis-Blauen Koalition im Bund einen Stopp der Abschiebungen.

Eine mögliche Lösung: Die 3plus2-Regelung aus Deutschland. Dort wurde diese Regelung aufgrund derselben Probleme eingeführt. Heißt: Jene jungen Asylwerber, die bereits eine Ausbildung begonnen haben, dürfen diese abschließen und anschließend zwei Jahre arbeiten – auch bei negativem Bescheid.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

(rep)