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Epic Fail: Darum verblödet die Academy die "Oscars"

Die Zuschauerzahlen der Oscar-Verleihung sinken. Deshalb ändert die Academy die Regeln. Warum das eine ausgesprochen blöde Idee ist.
Heute Redaktion
13.09.2021, 19:50

Filminsider und Branchenkenner waren bereits auf die Oscarverleihung 2019 gespannt. "Black Panther" hat für Superheldenfilme neue Maßstäbe gesetzt. Aber würde die Academy das auch anerkennen und den Film für den "Besten Film" nominieren?

Diese Frage müssen sich die Juroren jetzt nicht mehr stellen. Stattdessen wird einfach eine neue Kategorie eingeführt. "Outstanding achievement in popular film" (außergewöhnliche Leistung im Populärfilm) gibt der Academy die Möglichkeit allem einen Oscar zu verleihen, das bisher zu blöd dafür war.

Jetzt dürfen auch dumme Filme einen Oscar bekommen

Das wird die Verleihung aber nicht besser machen, sondern die Leistung von anderen Preisträgern schmälern. Gehirnentleerte Filme wie zum Beispiel einer der "Fast and Furious"-Reihe machen Spaß und sind toll zum Anschauen. Das macht sie aber nicht gut, hochwertig oder oscarwürdig (Ausnahem: Special effects, Schnitt o. Ä.)

Kategorie "popular" - alle anderen nicht?

Noch hat die Academy die Kriterien für die Vergabe der neuen Kategorie nicht bekanntgegeben. Klar ist aber bereits, wenn es eine Rubrik "popular film" gibt, werden die anderen Kategorien als "unpopular" ("unbeliebt") abgestempelt.

Wird das Einspielergebnis entscheiden? Der Gewinner von 2018, "The Shape of Water" spielte 195 Millionen ein. Ein gutes Ergebnis könnte man meinen. Aber in Zeiten von Superhelden- und Star-Wars-Franchise werden ständig Rekorde gebrochen. Inzwischen ist die Ein-Milliarden-Marke geknackt. Das geht aber nur, wenn man ein gut etabliertes Konzept nimmt (Jedis, Superhelden) und einen neuen Teil macht, der so politisch korrekt ist, dass niemand sich darüber aufreden kann. Das Ergebnis ist dann zwar gut an den Kinokassen. Neue, tolle Ideen oder Überraschungen darf man sich aber nicht erwarten.

"Forrest Gump" würde heute abstinken

"Bester Film"-Gewinner der Vergangenheit waren oft auch jene, die die Kinokassen am meisten klingeln haben lassen. Aber ein "Forrest Gump" oder selbst der Rekord-Film "Titanic" (weltweit nach wie vor auf Platz 2 beim Einspielergebnis hinter "Avatar") würde heutzutage abstinken.

Oscar als Verkaufsboost

Umgekehrt hat ein Oscar schon oft einem guten Film zu besseren Einspielergebnissen verholfen. Wenn der Oscar aber plötzlich weniger ein Zeichen von Qualität wird, geht dieser Bonus verloren.

Diese Änderungen plant die Academy

• Einführung neuer Award "Outstanding achievement in popular film"

• "Nebenoscars" werden in Werbepausen verliehen, ausgestrahlt wird nur ein Highlight-Zusammenschnitt, dadurch soll die Verleihung nur noch maximal 3 Stunden dauern

• Die Oscars werden früher gezeigt, sodass die Wartezeit vom "Golden Globe" zu den Oscars nicht mehr so lang ist.

Die kommenden Nominierungen werden am 22.1.2019 bekannt gegeben, die Verleihung ist am 24.2. Aber schon 2020 soll am 22. Jänner verliehen werden

• Die Ausstrahlung der Oscars soll früher sein. An der Ostküste mussten die Leute lange aufbleiben, um den "Besten Film" mitzubekommen. Die Academy erhofft sich bessere Einschaltquoten, wenn es nicht mehr so lang dauert. Für uns in Österreich bleibt's trotzdem spät. Ob die Verleihung um 6 oder um 5 aus ist, ist auch schon egal.



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(lam)

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