Österreich bei Corona-Todesstatistik sehr liberal

Eines ist klar: Italien hat besonders viele Corona-Tote. Die Statistiken lassen sich international aber nicht immer 1:1 vergleichen.
Eines ist klar: Italien hat besonders viele Corona-Tote. Die Statistiken lassen sich international aber nicht immer 1:1 vergleichen.Bild: picturedesk.com
Die Regierung lässt bei den Maßnahmen gegen Corona das "Vorsichtsprinzip" walten. Lieber zu viel als zu wenig. Das gilt offenbar auch für die Statistik der Todesopfer.
Das Coronavirus ist höchst ansteckend und hat oftmals leichte bis gar keine Symptome. Bei einem kleinen Prozentsatz sind die Krankheitsverläufe allerdings massiv und führen zu einem qualvollen Tod. "Heimtückisch" nannte Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) das Virus am Donnerstag.

Zweifellos sterben viel - zu viele - Menschen am Coronavirus. Für ein richtiges Krisenmanagement und Planen der Maßnahmen sind genaue Todeszahlen aber ausschlaggebend. Wie kommen Sie in Österreich zustande?

Zählweise der Toten in Österreich

Dieses Geheimnis hat die Regierung am Donnerstag bei einer Pressekonferenz gelüftet. Zählt man auch als Corona-Toter, wenn man mit dem Virus infiziert, aber an etwas anderem gestorben ist?

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch. Ja, sagen Rudi Anschober und Bernhard Benka, Mitglied der Corona-Task Force im Gesundheitsministerium. "Es gibt eine klare Regel derzeit: Gestorben mit dem Coronavirus oder an dem Coronavirus", führt Benka aus. Alle diese Fälle zählen zur Statistik.

Ein Unterschied, woran der Patient tatsächlich gestorben ist, wird nicht gemacht. Flapsig formuliert zählt also auch ein 90-Jähriger, der mit einem Oberschenkelhalsbruch stirbt und sich in den Stunden vor seinem Tod mit Corona infiziert, als Corona-Toter. Um nur ein Beispiel zu nennen.



Vorsicht beim Vergleich

Solche Zählweisen sind wichtig, wenn man über Corona liest - aber auch berichtet. Denn auch bei internationalen Statistiken ist Vorsicht geboten. Kaum ein Land wendet die gleichen Maßstäbe an wie das nächste.

Die Anzahl der Fälle eines Landes hängt auch immer davon ab, wie viele Menschen dort überhaupt getestet werden. Die beiden Zahlen muss man also immer im Zusammenhang sehen.

Italiens und Chinas Tote

Italien hat mit über 100.000 Infektionen und über 11.600 Toten eine überragende Todesrate. 192 Tote pro 1 Mio. Einwohner. Es zählt die Toten genauso wie wir - mit und an dem Virus verstorben.

In China hingegen, wo die Krankheit ihren Ausgang nahm, gibt es "nur" 3.305 Tote bei 81.518 Infizierte. China inkludiert die Fälle, die mit dem Virus gestorben sind - im Gegensatz zu Österreich und Italien - nicht. Auch Patienten, die aufgrund der überlasteten Krankenhäuser nachhause geschickt wurde und dort starben, wurden nicht einberechnet. Außerdem hat China mehrmals die Zählweise geändert, hier ist also dreifach Vorsicht geboten.

Schweden wiederum, dass auch einen sehr legeren Umgang mit der Krankheit setzt, meldet nur 4.000 Corona-Kranke. Auch, weil dort nur getestet wird, wenn man schwer krank ist.

Österreich testet kontinuierlich

In Österreich wurden mittlerweile 92.190 Tests durchgeführt. Im Vergleich mit einem der "Test-Kaiser" Südkorea stehen wir damit nicht schlecht da. Mit Stand 02. April, 15 Uhr haben wir in Österreich 10.967 bestätigte Erkrankungen, 1.057 im Krankenhaus, 227 Personen auf der Intensivstation. Als wieder genesen gelten 1.749.

Und 158 Menschen sind corona-positiv verstorben. Die genaue Formulierung dieses Satzes kannst du jetzt nach Lektüre dieses Artikels durchschauen.

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