Das neue Haus von Ramona S. (31) und ihrem Lebensgefährten Manuel K. (34) in Frankenmarkt (OÖ) ist eigentlich fix und fertig – nur der Essbereich (Tisch, Bank, Sessel), die Garderobe, die Waschküche und ein Wohnzimmer-Regal fehlen noch.
Bestellt wurden die Möbel im April 2023 bei der Ansfeldener Firma "MF Interieur", einem selbstständigen Dan-Küchenhändler. Die Familie hat dafür 18.000 Euro bezahlt – und wird voraussichtlich weder die Möbel noch das Geld (zurück) bekommen.
Aufgrund der Entfernung hatte Ramona S. "MF Interieur" eigentlich gar nicht am Radar: "Wir haben von unserer Baufirma einen Gutschein bekommen, unsere Daten wurden dann an 'MF Interieur' weitergegeben, die haben sich dann bei uns gemeldet", erzählt die 31-Jährige im "Heute"-Gespräch.
Da die Küche bereits bei einem anderen Unternehmen in Auftrag gegeben worden war, ließ das Paar andere Möbel von der Firma planen. Die beiden zahlten zuerst eine Anzahlung in Höhe von 2.000 Euro, später dann – aufgrund des Drucks von "MF Interieur" – den Rest. "Es hieß, wir sollen uns melden, wenn der Estrich drinnen ist."
„Wir haben mindestens 30 Mal angerufen, wurden immer wieder vertröstet“Ramona S.Bestellte bei "MF Interieur"
Nach mehrmaligen Anrufen kam schließlich ein Mitarbeiter zum Ausmessen. Es wurde umgeplant, dann die Planfreigabe unterzeichnet: "Die Möbel hätten heuer in der KW 25 (ab 17.6.) geliefert werden sollen", so die zweifache Mutter.
Doch es passierte – nichts: "Wir haben mindestens 30 Mal angerufen, wurden immer wieder vertröstet." Schließlich erreichte das Paar überhaupt keinen Ansprechpartner mehr. Auf Nachfrage bei Dan erfuhren die Oberösterreicher, dass keine Zahlungen von "MF Interieur" eingelangt waren: "Nur der Esstisch wurde noch gefertigt", so Ramona S.
Das Paar hat Anzeige bei der Polizei erstattet, rechnet allerdings nicht mehr wirklich damit, etwas vom bezahlten Betrag wiederzusehen. Das Unternehmen ist derzeit geschlossen, der Geschäftsführer, Michael Freyenschlag, nicht erreichbar – auch nicht für "Heute".
Ramona S. und Manuel K. sind allerdings bei Weitem nicht die einzigen Betroffenen. Wie die Polizei bestätigt, laufen Ermittlungen: 60 Anzeigen wurden bisher eingebracht – und es werden laufend mehr: "Die erste Anzeige ging am 21. Juni ein. Derzeit laufen noch die Ermittlungen wegen Betrugsdelikten, und zahlreiche Einvernahmen sind noch offen – es sind noch weitere Ermittlungen notwendig", heißt es auf "Heute"-Anfrage seitens der LPD Oberösterreich.
„Hohe (An-)Zahlungen sind immer ein großes Risiko, am besten sollte man sich eine Bankgarantie geben lassen“Anita EckmaierKonsumentenschutz, AK Oberösterreich
Auch der Arbeiterkammer Oberösterreich ist der Fall bekannt: In den vergangenen Wochen haben sich mehr als 50 Betroffene gemeldet, wie Anita Eckmaier von der Abteilung Konsumentenschutz erklärt. Eine Insolvenz könnte bevorstehen, bis dato ist sie allerdings laut Eckmaier noch nicht erfolgt (Stand: 1. Juli).
Im Fall einer Insolvenz erhalten Gläubiger allerdings – je nach Quote – auch nur einen Bruchteil (maximal 20 Prozent), aber selbst das ist nicht sicher: "Hohe (An-)Zahlungen sind immer ein großes Risiko, am besten sollte man sich eine Bankgarantie geben lassen, dann ist man abgesichert", so Eckmaier. Die Konsumentenschützerin rät zudem zu einer Anzeige bei der Polizei, direkt in der Dienststelle in Ansfelden.
Auf "Heute"-Nachfrage erklärt Dan-CEO Ewald Marschallinger, dass "ab April klar war, dass etwas nicht rund läuft." Das ganze Ausmaß sei aber auf gar keinen Fall absehbar gewesen. Zum letzten Treffen mit "MF Interieur"-Geschäftsführer Michael Freyenschlag kam es am 16. Juni: "Dabei haben wir wirkliche Transparenz eingefordert und eine ganz klare Botschaft bezüglich einer Insolvenz gesendet", so Marschallinger. Über eine Rechtsanwaltskanzlei wurde die Zusammenarbeit mit "MF Interieur" beendet, Kontakt zu Freyenschlag habe er keinen.
Marschallinger sieht dabei zwei Arten von Geschädigten: "Zum Einen sind bei uns für geleistete (An-)Zahlungen keine Bestellungen eingegangen. Zum Anderen wurden auch Waren nicht fertiggestellt." Dan-Küchen hat daher eine zentrale Anlaufstelle für Betroffene eingerichtet (Telefon: 0732/2552-0, der Verkaufsleiter Innendienst nimmt die Fälle auf): "Im Verbund mit anderen Küchenstudios und E-Geräteherstellern suchen wir zudem nach künftigen Lösungen", meint der Dan-CEO. Voraussetzung sei dafür aber eine Insolvenz.