Die an 48 Schulen laufende Zentralmatura im Fach Mathematik musste am Freitag an fünf Wiener AHS unterbrochen werden. In den verteilten Testheften des Bundesinstituts für Bildungsforschung (Bifie) waren nur acht statt 24 Aufgaben vorhanden. Damit gesellt sich eine weitere Panne zum Matura-Desaster. Die Opposition tobt, der Stadtschulrat ist "fassungslos". Auch Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek hat "die Nase voll", sie könne die mangelhafte Kommunikationspolitik des Bifie mehr länger akzeptieren.
Die an 48 Schulen . Die Opposition tobt, der Stadtschulrat ist "fassungslos". Auch Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek hat "die Nase voll", sie könne die mangelhafte Kommunikationspolitik des Bifie mehr länger akzeptieren.
"Wir sind fassungslos", heißt es kurz und bündig aus dem Büro der Wiener Stadtschulrätin Susanne Brandsteidl im Heute.at-Gespräch. Laut Bifie-Direktor Martin Netzer war in einem Teil der Testpakete nur ein Drittel der vorgesehenen Aufgaben (acht statt 24) ausgedruckt gewesen. Am Schulversuch zur Mathematik-Zentralmatura nahmen österreichweit 28 AHS und 20 BHS teil.
Heinisch-Hosek unter Druck
Nach dieser Panne und der Diskussion über die hinaufgesetzte Punktgrenze in den Fremdsprachen will Bildungsministerin "nicht einfach zur Tagesordnung übergehen". Man müsse nun "tabulos" diskutieren, damit die Zentralmatura kommendes Jahr ohne Probleme vonstattengehen könne. Mit Ergebnissen der internen Revision sei in zwei bis vier Wochen zu rechnen. "Dann entscheide ich", meinte die Ministerin.
Kommunikationspolitik "sehr schlampig"
Vor allem ein Dorn im Auge ist Heinisch-Hosek die Kommunikationspolitik des Bifie. Es sei "sehr schlampig" und teilweise unabgesprochen mit dem Ministerium vorgegangen worden. Insbesondere bei der Englisch-Zentralmatura läge das Problem rein an diesen Kommunikations-Defiziten, so die Bildungsministerin. Heinisch-Hosek fordert nicht die komplette Auflösung des Bifie, sie sei aber für eine "Redimensionierung" der Einrichtung. Schließlich hätten etwa die zwei vorhandenen Standorte für eine "Unübersichtlichkeit" gesorgt.
ÖVP für Verländerung der Schule
Der ÖVP kommt das Schuldebakel nicht ungelegen. Klubobmann Reinhold Lopatka fordert einmal mehr die Verländerung der Schulagenden. Im "Standard" fordert er SPÖ-Bundeskanzler Werner Faymann auf, entsprechende Verhandlungen mit den Bundesländern zu führen. "Ich bin dafür, dass einer für den gesamten Schulbereich verantwortlich ist, von der Infrastruktur bis zum Personal. Das sollen die Länder sein", so Lopatka. Die Sozialdemokraten sind seit Jahr und Tag dagegen.
Suche nach Fehler
Nach der Mathematik-Matura sucht man auf Hochtouren nach der Ursache der Panne. "Man nimmt an, dass ein Programmierfehler bei einer Maschine in der Druckerei den Fehler ausgelöst hat", vermutet Mathematik Teamleiterin im Bifie, Eva Sattlberger, im Gespräch mit Heute.at.
Betroffen seien fünf Wiener Schulen gewesen, so Netzer. Konkret betraf die Panne folgende Gymnasien:
1. Bezirk: Akademisches Gymnasium
1. Bezirk: Gymnasium Schottenbastei
3. Bezirk: Obere Augartenstraße (Gymnasium der Wiener Sängerknaben)
3. Bezirk: Gymnasium Hagenmüllergasse
8. Bezirk: Gymnasium Albertgasse
"Die Panne war halb so schlimm. Wir haben das Problem schnell wieder in den Griff bekommen", versicherte die Direktorin des Gymnasiums Schottenbastei gegenüber Heute.at. Im Gymnasium der Wiener Sängerknaben betraf die Panne insgesamt nur 17 Schüler, die maturierten. Im Gymnasium Hagenmüllergasse waren mehr als doppelt so viele Schüler, nämlich 40, betroffen: "Vom Bemerken des Fehlens der Aufgaben bis zur Korrektur hat es doch 30 Minuten gedauert", erzählt Direktor Robert Baldauf im Heute.at-Gespräch. Der Großteil der Schüler hätte den Zwischenfall aber "locker genommen".
Aufgaben aus Internet geladen
Die fehlenden Aufgaben mussten von den Direktoren daher aus dem Internet heruntergeladen und kopiert werden. Für die Schüler wurde die Arbeit nach Absolvierung der acht vorhandenen Aufgaben unterbrochen und nach einer Pause fortgesetzt. Die Unterbrechung hat laut Sattlberger "nur rund 20 Minuten gedauert", wie sie gegenüber Heute.at versicherte.
Wie die Schülerunion, FPÖ und Grüne ihrem Ärger nach der neuerlichen Panne Luft gemacht haben, lesen Sie auf der zweiten Seite!
Schülerunion fordert Aufklärung
"Die heutigen Vorfälle in Wien bei der Mathematik-Matura können nur als Chaos bezeichnet werden", zeigt sich Thomas Gaar, Bundesobmann der Schülerunion enttäuscht. "Das Ministerium und das BIFIE haben seit Jahren einen Lauf. Leider aber im negativen Sinn, denn sie lassen kein Fettnäpfchen aus. Es darf bei einer Matura schlichtweg zu keinen Pannen kommen. Das sorgt bei den Schülern für viel Unsicherheit und Aufregung", so Gaar.
"Die Missstände bei der Englisch- und Mathematikmatura diese Woche müssen lückenlos aufgeklärt werden. Nächste Woche sollen die letzten Prüfungen in Ruhe und hoffentlich problemlos geschrieben werden, dann muss das Ministerium alle Probleme klären", fordert Gaar.
FPÖ fordert Heinisch Hoseks Rücktritt
Die FPÖ forderte Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) zum Rücktritt auf. Außerdem solle das Bifie sofort aufgelöst werden, so der Wiener FP-Bildungssprecher Dominik Nepp in einer Aussendung: "Wenn man nicht einmal erwarten kann, dass Prüfungsaufgaben ordnungsgemäß ausgedruckt verschickt werden, so fehlt jede Berechtigung für den Fortbestand dieser Millionen Euro teuren, unnötigen Organisation."
Grüne: Ministerium soll übernehmen
Die Grünen fordern, dass die Zentralmatura künftig vom Bildungsministerium selbst durchgeführt werden soll. Die "unfassbare Schlamperei" bei der Mathematik-Klausur müsse Konsequenzen haben, so Bildungssprecher Harald Walser in einer Aussendung.
"Es war von vorneherein unverantwortlich, dass eine hoheitliche Aufgabe nicht vom Ministerium selbst durchgeführt wird. Nach der Pannenserie aber ist nun wohl endgültig klar, dass das Bundesinstitut für Bildungsforschung (Bifie) nicht länger mit der Durchführung der Reifeprüfung betraut werden kann", so Walser. Bei der Benotung der Schüler müssten die erschwerenden Umstände berücksichtigt werden.