Franziskus ist nach Johannes Paul II. erst der zweite Papst der Neuzeit, der Ägypten besucht. Er nutzte seinen offiziell unter dem Motto "Papst des Friedens in einem Ägypten des Friedens" stehenden Besuch dafür, um zum gemeinsamen Kampf der verschiedenen Religionen gegen Terror und Gewalt aufzurufen.
Mehrere Anschläge auf Christen
Erst vor zwei Wochen waren bei Anschlägen auf zwei Kirchen in Alexandria und Tanta 45 Menschen getötet worden. Im Dezember waren 29 Menschen bei einem Selbstmordanschlag in der Kirche St. Peter und Paul getötet worden.
Man wiederhole in Ägypten "ein deutliches und eindeutiges 'Nein' zu jeglicher Form von Gewalt, Rache und Hass, die im Namen der Religion oder im Namen Gottes begangen werden", sagte der Papst am Freitag bei einer Friedenskonferenz in Kairo.
Religion dürfe nicht für politische Zwecke missbraucht werden, mahnte der Papst: "Es besteht die Gefahr, dass die Religion von der Sorge um weltliche Angelegenheiten aufgesaugt und von den Schmeicheleien weltlicher Mächte in Versuchung geführt wird".
Religionen in Ägypten:
Rund 90 Prozent der in Ägypten lebenden Menschen sind Muslime, fast alle bekennen sich zum sunnitischen Islam. Etwa zehn Prozent sind koptische Christen, außerdem gibt es 270.000 Katholiken.
Franziskus warnte auch vor Populismus. Dieser sei nicht hilfreich, die Handlungen der Populisten seien "in Wahrheit ein Geschenk an die Befürworter von Radikalismen und Gewalt".
Großimam: "Islam keine Religion des Terrorismus"
Franziskus traf auf Großimam Ahmad Mohammad al-Tayyeb. Auch er richtete sich gegen den Missbrauch von Religion: "Der Islam ist keine Religion des Terrorismus, weil eine Gruppe einige ihrer Texte geraubt hat und sie benutzt, um Unschuldige zu töten und zu terrorisieren."
Der Papst traf auch auf Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi und Regierungsvertreter. Er hob dabei die große Bedeutung Ägyptens für den Kampf gegen Extremismus und Gewalt im Nahen Osten hervor.
(aj)