Riesenaufregung rund um die große Abschiedsparty von Sonja Zwazl: Nach über 20 Jahren an der Spitze der Wirtschaftskammer Niederösterreich übergab die ÖVP-Politikerin und Bundesrätin ihre Präsidentschaft im Jahr 2020 an Wolfgang Ecker.
Eine Abschiedsfeier mit rund 300 Gästen sowie Geschenken für Zwazl waren im August 2020 geplant. Coronabedingt wurden es schließlich "nur" 90 Teilnehmer. Kostenpunkt für die Party: 54.000 Euro, davon laut "Krone" alleine 18.600 Euro für Festschriften über Zwazls Karriere. Das Geld kommt von den Mitgliedsbeiträgen, die von Unternehmen an die Kammer gezahlt werden müssen.
Für unangemessen hält das das Kontrollamt in einem Prüfbericht, der der "Krone" und dem "Standard" vorliegt.
Und nicht nur das Kontrollamt findet, dass "Aufwendungen (...) dieser Größenordnung" hinkünftig "zu vermeiden" seien. Auch die Neos, die seit Jahren vehemente Gegner der "Zwangsbeiträge" für die Kammern sind, schäumen.
"Während viele Betriebe seit Jahren ums Überleben kämpfen, feiert die WKO mit den Zwangsbeiträgen rauschende Feste", ärgert sich Neos-Landessprecherin Indra Collini. Und weiter: "Die Betriebe sind keine Melkkuh für Kammerpartys, sondern haben sich einen sparsamen und zweckmäßigen Umgang mit ihren Beiträgen sowie eine nachhaltige Entlastung verdient."
Neos fordert nun erneut eine Abschaffung der Kammerumlage 2.
Was ist die Kammerumlage 2?
Die Kammerumlage 2 ist ein verpflichtender Beitrag, den jene Unternehmen an die Wirtschaftskammer zu zahlen haben, die Dienstnehmer beschäftigen. Sprich: Alle Firmen, die Angestellte haben, müssen im Regelfall Kammerumlage 2 bezahlen.
Und auch die FPÖ ätzt: "Die Freude über den Abgang von Sonja Zwazl als Präsidentin der NÖ Wirtschaftskammer scheint bei ihren Kollegen groß gewesen zu sein, denn sie haben ein rauschendes Fest organisiert", so FPÖ Niederösterreichs Wirtschaftssprecher Reinhard Teufel in einer Aussendung. Die Feier sei nicht nur sachlich ungerechtfertigt, sondern auch moralisch verwerflich.
Wer ist Sonja Zwazl?
Sonja Zwazl ist eine ÖVP-Politikerin aus Niederösterreich, 1969 eröffnete sie ein Kleinunternehmen namens "Schönes & Rahmen", das bis heute in Klosterneuburg betrieben wird. Seit 1999 war sie Präsidentin der Wirtschaftskammer Niederösterreich (diese Funktion gab sie 2020 ab), ab 2003 zusätzlich Mitglied des Bundesrates.
Die Wirtschaftskammer versucht indes zu beschwichtigen: Das hohe Budget sei deshalb zustande gekommen, weil aufgrund der Verkleinerung des Festes auf 90 Gäste über 13.000 Euro an Stornokosten angefallen seien.