Welt

Pastor Gauck wird neuer deutscher Präsident

Heute Redaktion
14.09.2021, 03:39

In Deutschland scheint ein Nachfolger für den zurückgetreten Bundespräsidenten Christian Wulff gefunden: Der parteilose Theologe Joachim Gauck hat gute Chance im Rennen um das höchste Staatsamt.

gefunden: Der parteilose Theologe Joachim Gauck hat nach einem stundenlangen dramatischen Ringen nun auch den Segen der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, die zuerst Widerstand gegen den Favoriten von SPD und Grünen geleistet hatte. Mit der Zustimmung wendete sie in höchster Not einen drohenden Koalitionsbruch ab.

Die deutsche Bundeskanzlerin hat den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck als gemeinsamen Kandidaten der Unionsparteien, der FDP, SPD und der Grünen als Bundespräsident nominiert. Bei "aller Verschiedenheit" mit Gauck sei er der beste Kandidat für das Amt, sagte die deutsche Kanzlerin.

Nachfolger-Streit drohte zu eskalieren

Wie der Fernsehsender ZDF zuvor meldete, haben die Unionsparteien Gauck als Kandidaten für die Nachfolge akzeptiert. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktionsfraktion im Bundestag, Peter Altmaier, hat die Entscheidung für Gauck bestätigt. "Gauck ist der Beweis, dass es uns ernst war mit gemeinsamem Kandidat. Dank an alle für gute und originelle Vorschläge", so Altmaier.

Bei der Suche nach einem Kandidaten war es am Sonntagnachmittag zu einem schweren Konflikt zwischen den Koalitionspartnern Union und FDP gekommen. Während sich das FDP-Präsidium einstimmig für den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck aussprach, lehnte ihn die Unionsspitze ab.

Bürger-Liebling

Merkel bezeichnete bei einem gemeinsamen Auftritt der Parteichefs den 73-jährigen früheren DDR-Bürgerrechtler als "wahren Demokratielehrer", der wichtige Impulse für Globalisierung, die Lösung der Schuldenkrise und mehr Demokratie geben könne. Der sichtlich bewegte Gauck kündigte an, er wolle den Deutschen vermitteln, dass sie "in einem guten Land leben, das sie lieben können". Gauck war in Umfragen klarer Favorit der Bürger. Rund jeder Zweite hält ihn für geeignet.

Anruf im Taxi

Gauck sagte auf der Pressekonferenz, er sei kein "Supermann" und müsse sich die Vorschusslorbeeren erst verdienen. Er sei überwältigt und verwirrt. Der Anruf der Kanzlerin habe ihn im Taxi erreicht, sagte der aus Rostock stammende und nun in Berlin lebende Pastor. Bei der Annahme der Kandidatur für das Staatsoberhaupt habe ihm unglaublich geholfen, dass die Koalition, SPD und Grüne sich zusammengefunden hätten. An Merkel persönlich gerichtet sagte Gauck, das Wichtigste für ihn sei immer gewesen, dass sie ihm Vertrauen und Hochachtung gezollt habe.

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