Was genau am 2. September 2022 geschah ist bis heute nicht restlos geklärt. Fest steht jedoch, dieser Tag brachte Leopold M. aus Wien-Floridsdorf Schmerzen, den Schock seines Lebens und jede Menge Ärger.
Der Pensionist war an besagtem Freitag auf der Gunoldstraße in Wien-Döbling unterwegs, als vor ihm ein Auto abrupt stehenblieb und er möglicherweise zu spät abbremste. Er könnte ganz leicht auf die Stoßstange des Vorderautos, in dem zwei 100-Kilo-Kolosse saßen, aufgefahren sein.
"Es gab gar keine Berührung", behauptete der pensionierte Unternehmer. Die Bekannten, die zusammen fast 300 Kilo auf die Wage bringen, stiegen aus und bedrängten den betagten Mann. Er solle sofort einen Unfallbericht ausfüllen, oder sie rufen die Polizei. "Ich nahm mein Handy heraus, weil ich ein Foto machen wollte", sagte der Wiener vor Gericht aus.
Dann bekam der 70-Jährige einen Schubser oder Schlag gegen Oberkörper oder Gesicht verpasst und stürzte zu Boden. "Dabei fiel mir meine Zahnprothese heraus, ich blutete". Das Ergebnis: eine Kopfprellung, offene Schürfwunden an den Knien und Prellungen an den Händen.
Weil er bei Gericht auf einem Faustschlag beharrte, das Verletzungsbild aber nur auf einen starken Stoß schließen ließ, wurde der Angreifer freigesprochen und der Pensionist wegen falscher Zeugenaussage angeklagt. Sein Verteidiger Philipp Winkler tobte: "Das ist unglaublich, wie man mit meinem Mandanten umgeht. Er ist ein betagter Mann, der sein Leben lang gearbeitet hat und sich nichts zuschulden kommen ließ. Er ist hier ganz klar das Opfer."
Am Mittwoch musste der Pensionist nun erneut vor Gericht – diesmal als Angeklagter. Die Richterin ließ sich den Vorfall nach dem vermeintlichen Unfall minutiös schildern, hörte geduldig alle Zeugen an und entschied schlussendlich: "Die Wahrheit liegt hier in der Mitte." Dann sprach sie den Pensionisten im Zweifel frei. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.