Petas Hassliebe mit der Game-Industrie

Die Tierschutzorganisation Peta nimmt mit Vorliebe Videogames ins Visier. Neustes Kapitel: ein nicht gänzlich durchdachter Protest gegen "Far Cry 5".
Man kann fast schon die Uhr danach stellen: In schöner Regelmäßigkeit knüpft sich die Tierrechtsorganisation Peta Titel aus dem Game-Bereich vor und beschuldigt sie des Missbrauchs von Lebewesen. Der neueste Fall betrifft "Far Cry 5".

In einer offiziellen Pressemeldung wird das Angeln im Open-World-Spiel kritisiert. Laut Peta werde das Fischen "unethisch und gewaltverherrlichend" dargestellt. Die Tierrechtsorganisation plädiert dafür, keine Videospiele mehr in Deutschland zu vermarkten, die "das Jagen und Töten von Fischen oder anderen Tieren glorifizieren und banalisieren". Hersteller sollten lieber Spiele mit "frei lebenden Tieren" entwickeln.

Qualvoller Todeskampf

Bei der Wortwahl gibt sich Peta wenig zimperlich. So bedeute Angeln, dass Fische "in eine Falle gelockt werden, sie minuten- bis stundenlang Angst und Atemnot sowie einem oft qualvollen Todeskampf ausgesetzt werden, bevor sie erschlagen oder oft noch lebendig aufgeschnitten werden".

Heute wisse man, dass ein Fisch "ein Jemand ist – und kein Etwas". Es sei deshalb ein Armutszeugnis, das Angeln zu bewerben", schreibt Peta in ihrem Protest.

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Ubisoft ließ sich ein paar Tage Zeit, reagierte dann aber doch: "Far Cry 5" spiele in der "fiktionalen, offenen Welt Hope County, Montana". Diese Erfahrung soll "originalgetreu die atemberaubende Schönheit des echten Montana, seiner Einwohner und natürlich auch seiner Tierwelt wiedergeben", so der Hersteller. In "Far Cry 5" könne man deshalb "jagen, angeln, mit Dynamit um sich werfen oder mit Schaufeln um sich schlagen".

"Wir bei Ubisoft haben großen Respekt für alle Lebewesen." Darum biete "Far Cry 5" auch Alternativen zum Jagen und Angeln, so der Hersteller. Dass man beim Open-World-Titel auch Bären, Stinktiere und Schlangen jagen und sogar ihr Fell beziehungsweise ihre Haut verkaufen kann, wurde von Peta übrigens nicht kritisiert.

PR-Gag oder echtes Anliegen?

Tatsächlich wirkt die Peta-Aktion nicht nur wenig konsequent, sondern auch ein wenig durchschaubar. Man weiß, dass man mit Protesten gegen Videogames – in der Vergangenheit waren bereits Titel wie "Assassin's Creed" oder "Call of Duty" ins Visier geraten – einfache PR in eigener Sache machen kann, ohne jemandem wehzutun. Denn wie zuvor wird auch die Kritik an "Far Cry 5" kaum Folgen haben – weder für das Game noch für die Fische respektive die Wahrnehmung davon, ob Angeln besonders brutal ist oder nicht.

Die Tierrechtsorganisation bewegt sich mit ihrer Kritik denn auch öfter am Rand der Selbstparodie. Etwa als man ein Melkspiel bei "1-2-Switch" kritisierte oder in Zusammenhang mit "Pokémon Go" behauptete, das Game verharmlose das Fangen von Tieren. Bei "Starcraft 2: Heart of the Swarm" forderte man sogar eine sanftere Behandlung der insektoiden Alienrasse Zerg. Immerhin: Beim Indie-Game "Super Meat Boy" zeigte Peta Humor. Man machte sich für vegane Ernährung stark – und produzierte mit "Super Tofu Boy" eine Alternativversion. (srt)

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