Peter Cornelius: "Ich bin eine Häuptlingsnatur!"

Alphatier, Häuptlingsnatur, Renegat. Wer Musik und Mensch Peter Cornelius kennt, weiß, dass beides unverwüstlich ist. Ein Gespräch über die neue CD, Nullnummern und (fehlende) Tuns-Energie.

John Lennon, Ray Davies sind seine ganz großen Helden – schon als junger Bursch hatte Peter Cornelius ("Reif für die Insel", "Du entschuldige i kenn di") ein Ziel: einmal im Leben so Musik machen zu können. Heute ist der Singer-Songwriter 66 und schaut auf eine außergewöhnliche Karriere zurück. In dieser Tonart soll's weitergehen, denn Cornelius ist "unverwüstlich". Und das ist dank seiner neuen CD jetzt auch amtlich. Das Interview:

"Heute": Sie mögen es gar nicht, wenn man Sie "Liedermacher" nennt. Was machen Sie, was ein "Liedermacher" nicht macht – und umgekehrt?

Peter Cornelius: Die Liedermacherei ist von der Natur gewesen, dass Leute Texte geschrieben haben und die Musik als Transportmittel gewählt haben. Ich komm von einem ganz anderen Planeten, bin ein Singer-Songwriter. Bei mir spielt die Musik eine viel größere Rolle. Im Grunde muss alles stimmen, Sound, Groove, Text, die Aussage. Ich kann mich nicht damit zufrieden geben, Texte zu schreiben und diese dann über irgendwelche Melodien so wiederzugeben, dass es halt Musik ist. Ich bin anders.

"Heute": Fehlt einem "Liedermacher" schlicht und einfach das Handwerk?

Cornelius: Ich halte schon das Wortgebilde für ein verunglücktes. Da versucht man, zwei Dinge zusammenzuführen. Aber werden die so harmonieren können? Ich glaube nicht. Den „machen" hat nichts mit der Dünnhäutigkeit zu tun, die dem Lied eigen ist. Trotzdem waren auf einmal alle Liedermacher. Der Etikettierungswahn hat das natürlich wieder sein Opfer finden müssen.

"Heute": "Unverwüstlich" – das klingt nach Fels in der Brandung, nach Stehaufmännchen…

Cornelius: Das Wort wurde tatsächlich von meinem Fans geprägt, es kam nach Konzerten oft zu Gesprächen. Da fielen Begriffe wie "Nicht umzubringen" und so, aber "unverwüstlich" hab ich mir gemerkt. Beim 22. Album mit 66 Jahren erlaube ich mir einfach, das auch zum Titel zu nehmen.

"Heute": Gab's da auch Momente, in denen die Brandung zu stark war? Wann hat es Sie umgehauen?

Cornelius: Natürlich, sind lange Geschichten, das geht zurück bis in Endsechziger, als ich schwer krank und ein halbes Jahr im Spital war. Es gab viele Krisensituationen, auch diese Branche hat mich oft gebogen. Aber gebrochen nie, da müssen andere kommen. Da waren schon viele dabei, die mich gerne noch ein bisschen mehr geborgen hätten. Ist aber nicht mit mir. Ich bin ein Alphatier, ich bin eine Häuptlingsnatur.

"Heute": Wie kommt's?

Cornelius: Ich bin im Sternzeichen Wassermann mit Aszendent Löwe. Der Wassermann will mit dem ganze Zeugs hier, wo im Mist gerührt wird, nichts zu tun haben. Wenn's aber passiert, dass ich trotzdem mittendrin bin, gibt der Löwe den Ton an. Das macht das Leben nicht immer einfach, auch nicht für andere. Aber es geht nicht anders. Für mich ist es immer ein Problem gewesen, angebliche Autoritäten zu akzeptieren. Wenn ich das Gefühl hab, dass da was nicht stimmt, ist's schon gelaufen.

"Heute": Was macht für Sie einen echten Freigeist aus? Oder wäre das eine Schubladisierung?

Cornelius: Wenn man versucht, das genauer einzufassen, ist es schon wieder ein Theaterkostüm. Ich halte mich selber für einen unanpassbaren Renegat, der aber nie ein Zirkuskostüm gemacht hat. So à la "Maverick, der Unangepasste". Das war mir immer zu peinlich. Mir war überhaupt immer eine Menge zu peinlich in diesem Metier, als dass ich's gemacht hatte. Das hatte dann aber natürlich zur Folge, dass man streckenwiese nicht so wahrgenommen wird.

"Heute": Wer oder was ist Ihnen denn besonders zuwider?

Cornelius: Ach, jetzt treibe ich mich schon hübsch ein paar Jahre hier herum. Ich hab schon so viel Unten-Drunter-Absolut-Hohlen-Nullnummer erlebt, die sich so wahnsinnig aufgespielt haben, die bringen wir in dem Raum nicht unter. Die Welt ist voll mit irgendwelchen Gestalten, die uns vorgesetzt werden… Das ist zum Teil nicht zum Aushalten… Seit langer Zeit, wenn wir Einladungen bekommen, fragt meine Frau: „Bitte, was für eine Personenlandschaft finden wir dort vor?". Dann stutzen die schon. Ich brauch ja jetzt hier keine Namen nennen.

"Heute": New York ist für Sie ein Hort der Inspiration. Schaffen, Tun, Anpacken. Ticken wir Österreicher in Sachen "Machertum" anders?



Cornelius: Absolut. New York hat eine ganz intensive „Tuns-Energie". Da sagt einer "Let's try to do it that way" und dann steht schon der erste auf und tut. Wir haben hier eine ganz andere Diskussionskultur. Da wird sieben Mal darüber geredet und dann sagt der erste: "Je länger wir darüber reden, desto mehr hab ich den Eindruck, dass es nicht funktionieren wird. Lassen wir es lieber." Denn hier ist es so, dass Menschen, die Initiative setzen, vom System eigentlich benachteiligt bzw. sogar bestraft werden.

"Heute": Aber drehen wir diesen Mechansimus einmal um: Ist dieses ewige Tun nicht genau DAS, was die Menschen am Ende „Reif für die Insel macht"? Also völlig auslaugt…

Cornelius: Wir sind mit unserer Zivilisation in unserer eigenen Abseits-Fall aufgelaufen. Und das schon lange. Und der Linienrichter nimmt die Fahne nie wieder herunter. Da mus man sich damit abfinden, offenbar. Ich hab den Song 1980 geschrieben und das war damals schon ein länsgt überflüssiges Thema. Ich bin nicht dazu geeignet, zu Tode verwaltet zu werden von einem System, das sich Staat nennt.

"Heute": Sind Sie Weißwähler?

Cornelius: Ich ringe noch mit mir. Es ist eine Situation, in der man wohl versuchen muss, das noch Vernünftigste zu tun. Obwohl man es am Ende ja eh nicht weiß…

"Heute": Beschäftigt sich Ihr Album auch mit dieser ganzen "Zuständen"?



Cornelius: Ja, von vorne bis hinten. Und dass ich "Raue Haend" als erste Single mache, ist eine absolute Don-Quijote-Nummer. Und ich weiß es, und trotzdem mach ich's. Das Stück sagt alles aus über unseren Zustand.

"Heute": "I denk an di" war keine Option? Da könnte man so schön mitsingen…

Cornelius. Doch, auch, aber erst als dritte Single. So leicht mach ich's mir nicht nach über 40 Jahren in dem Geschäft. Und wenn es nicht passt, so what? Ich werde mich für die Befindlichkeit dieses Metiers nicht so interessieren.

"Heute": Mögen Sie es eigentlich, dass Rapid-Fans Ihren Gassenhauer "Du entschuldie i kenn di" umgetextet als Fan-Hymne durchs Stadion grölen?

Cornelius: Das macht gar nichts, ist ja nichts Despektierliches. Obwohl ich mit Toni Polster schon lange befreundet bin, aber deshalb muss ich ja kein Veilchen sein. Ich war als Bub noch auf der Hütteldorfer Pfarrwiese mit meinem Vater. Ich hab noch Hanappi und Glechner spielen sehen. Ich hab früher wahnsinnig gerne Fußball gespielt, aber dann ist mir die Musik aus England dazwischengekommen und es war geschehen um mich.

Peter Cornelius live

27.10.2017 Regensburg-Obertraubling, Eventhall-Airport

09.11.2017 Micheldorf, FZP Micheldorf

17.11.2017 Salzburg, Republic

18.11.2017 Bregenz, Festspielhaus

19.11.2017 Innsbruck, Congress Saal

21.11.2017 Graz, Helmut List Halle

22.11.2017 Linz, Brucknerhaus

27.11.2017 Wr. Neustadt, Arena Nova

29.11.2017 St. Pölten, VAZ

30.11.2017 Wien, Stadthalle/Halle F

06.12.2017 Ried im Innkreis, Halle 17 Messegelände

07.12.2017 Traunreut, K1

HIER gibt's alle Infos zu Peter Cornelius und seinem neuen Album "Unverwüstlich"

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