Handke-Pass: Nationalität "Jugoslawisch" regt auf

Peter Handke ist der frischgebackene Literatur-Nobelpreistäger. Der zweite, der aus Österreich kommt. Doch ist das überhaupt wahr?
Die Diskussion um Litaratur-Nobelpreisträger Peter Handke bekommt ein neues, skurriles Kapitel. Ist Handke etwa gar kein Österreicher? Oder hatte er eine Doppelstaatsbürgerschaft? Sein Pass legt das nahe.

Im Archiv der Nationalbibliothek tauchte ein Foto von Peter Handkes Pass auf. Aber nicht von seinem Österreichischen, sondern von einem Jugoslawischen. Dort wird die Nationalität als "Jugoslawisch" angegeben.

Handke bekam den Pass von der jugoslawischen Botschaft in Wien. Das Ausstellungsdatum ist der 15. Juni 1999.

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Beweisfoto war lange online...

Das Foto befand sich im online einsehbaren Archiv und stammt von Hans Widrich, einem Freund von Handke. Peter Maass, "New York Times"- und "Wahsington Post"-Journalist fand das Dokument und verbreitete es über Twitter. Er entdeckte es im Zuge seiner Recherche für "The Intercept".

... und wurde am Mittwoch entfernt

Am Mittwoch verschwand das Bild. Auf Wunsch von Widrich, erfuhr der "Standard" vom Leiter des Literaturarchivs. Das Foto soll aber wieder online gestellt werden. Widrich habe sich in der Zwischenzeit mit Peter Handke abgesprochen.

Wollte Handke nur Geld sparen?

Widrich, bei dem Handke jahrelang wohnte, sagte, er habe den Autoren danach gefragt. Handke begründete den Pass laut "Intercept" mit den unterschiedlichen Hotelpreisen für In- und Ausländer. "Ja, ich habe darum gefragt, weil ich das Land oft besuche und es nicht mag, einen hohen Preis zu zahlen, wenn mein serbischer Begleiter die Hälfte zahlt."

Handke wegen Serbien immer wieder in der Kritik

Seit Jahrzehnten macht sich Handke für Serbien stark, sorgt seitdem immer weider für internationale Empörung, zum Beispiel als er am Begräbnis von Ex-Staatschef Slobodan Miloševic sprach. Der ehemalige Politiker stand wenig zuvor noch vor dem Kriegsverbrechertribunal, sein Tod verhinderte ein Urteil.

Eine Woche bevor der Pass ausgestellt wurde, hatte am Burgtheater Handkes "Die Fahrt im Einbaum oder Das Stück zum Film vom Krieg" Premiere. Der Autor kritisiert darin die Kriegsverbrecherprozesse. Auch Miloševic wurde kurz vor der Premiere angeklagt.

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