Peymann: "Wiener Ärzte retteten mir das Leben"

Claus Peymann inszeniert "Der deutsche Mittagstisch" in der Josefstadt
Claus Peymann inszeniert "Der deutsche Mittagstisch" in der JosefstadtPicturedesk
Die Regielegende gibt am Donnerstag ihr Debüt in der Josefstadt: Claus Peymann über sein Lebens-Comeback, Freunde und Feinde in Wien und Profitgier.

Der für viele bedeutendste deutschsprachige Theatermacher der letzten Jahrzehnte will es noch einmal wissen und inszeniert ab Donnerstag Thomas Bernhards Dramolett "Der Deutsche Mittagstisch" im Theater in der Josefstadt. Das letzte Mal, als Peymann in Wien Regie führte, brach der ehemalige Burgtheaterdirektor während der Proben zu "Die Stühle" im Akademietheater zusammen und lag sieben Monate lang mit einer viralen Gehirnhautentzündung auf einer Wiener Intensivstation. Im "Heute"-Talk spricht Peymann über sein Comeback, die Hassliebe der Wiener und über seinen Ärger über die Burg. Claus Peymann über…

…seinen Neustart

"Ja, das ist ein echter Comeback-Versuch für Claus Peymann. Als es mir im letzten Jahr so schlecht ging, waren es zwei Wiener Ärzte, die mir das Leben gerettet haben. Und für dieses neue Leben steht jetzt viel auf dem Spiel. Auch jetzt, nach den Proben, frage ich mich immer noch: Kann ich das alles überhaupt noch? Habe ich noch die Kraft und die Fantasie dafür? Und wenn man 83 Jahre alt ist, und das bin ich ja leider schon, dann stellt sich auch die Frage: Ist das meine letzte Premiere. Oder die vorletzte. Oder die davor? Aber ganz egal, ich habe den Eindruck, dass es eine super Aufführung werden könnte. Wir sind hier ein richtiges 'Thomas-Bernhard-Ensemble' in der Josefstadt."

…die Arbeit in der Josefstadt

"Das ist hier keine Fabrik wie die Burg, das ist vielmehr eine Familie. Und dieses Gefühl wird vom Direktor bis zum Portier gelebt – und von den Schauspielern sowieso. Das ist neu für mich. Die Bühne ist zwar klein, aber der Anspruch ist dafür umso größer."

In "Der deutsche Mittagstisch" fasst Bernhard sieben Kurzgeschichten zusammen.
In "Der deutsche Mittagstisch" fasst Bernhard sieben Kurzgeschichten zusammen.Picturedesk

…das Burgtheater

"Nichts wäre schlimmer, als wenn das Burgtheater, das ja eine Unmenge Geld verschlingt, es nicht schaffen würde, das schlechte Image der letzten Jahre loszuwerden. In finanzieller Hinsicht haben sich die Burgtheater-Leute nicht mehr von den Profitgeiern der kapitalistischen Wirtschaft unterschieden – von Prämienzahlungen bis zu Steuerhinterziehung. Die Karin Bergmann (Burgtheaterdirektorin 2014–2019, Anm.) müsste man als Retterin der Burg eigentlich vergolden!"

…sein Image in Österreich

"Ich habe mittlerweile jetzt in Österreich mehr Freunde, als ich früher Feinde gehabt habe. Sämtliche Feinde haben sich in Verehrer umgewandelt. Man könnte da größenwahnsinnig werden. Werde ich aber nicht." 

…die Kultur der Wiener

"Diese Liebe zum Spielen, zu den Spielern, zur Fantasie und den Theatern ist ganz einzigartig. Und das macht einen alten Theatermacher wie mich, der einmal König war und jetzt nur mehr ein Angestellter ist, wirklich sehr glücklich."

"Der deutsche Mittagstisch" ist ab jetzt im Theater in der Josefstadt zu sehen. Infos auf josefstadt.org

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