Wien

Pflegende Mama: "Betreuung abgeben war nie eine Option"

Am 13. September ist der Aktionstag der pflegenden Angehörigen. Eine von ihnen ist Claudia S. aus Wien, die sich um ihren Sohn Dustin (28) kümmert. 

Nicole Oirer
Claudia S. gemeinsam mit ihrem Sohn Dustin.
Claudia S. gemeinsam mit ihrem Sohn Dustin.
zVg

Dustin S. ist mehrfach behindert. Der 28-Jährige leidet unter anderem an Autismus, Epilepsie, einer Blasenentleerungsstörung und Tremoren (einem Zittern) an Händen und Füßen. Gepflegt wird er seit seiner Geburt von Mama Claudia S.

"Pflege abzugeben war nie eine Option"

Die 52-Jährige wäscht ihren Sohn, hilft ihm beim Anziehen, schneidet das Essen, bringt ihn in zu einer Tagesstruktur. Auch das Legen von Kathetern aufgrund seiner Blasenschwäche übernimmt sie. "Ich habe früher Teilzeit gearbeitet. Aber als alleinerziehende Pflegende mit zwei weiteren Kindern geht das einfach nicht", erzählt Claudia S.

Ihr Sohn geht regelmäßig in eine Tagesstruktur. Obwohl er dort wegen seiner Autismus-Erkrankung nur halbtags von Montags bis Donnerstag ist, ist seine Mutter froh über die Entlastung. "Die Pflege von Dustin abzugeben war für mich nie eine Option. Da hätte ich einfach Schuldgefühle gehabt. Darum freue ich mich über diese Unterstützung, damit ich zumindest ein bisschen Zeit für mich habe", so die 52-Jährige.

Pflegende Mutter gründete Selbsthilfegruppe

Als ihre jüngste Tochter von zu Hause auszog, gründete die Dreifach-Mama eine Selbsthilfegruppe für pflegende Angehörige. "Andere suchen sich ein Hobby, wenn die Kinder ausziehen, ich hab halt das gemacht. Ich hatte sehr lange das Gefühl, mit meiner Situation alleine zu sein, daher die Idee." Mittlerweile sind vor allem pflegende Eltern Teil ihrer Selbsthilfegruppe "enthindert".

Die Wienerin kümmert sich nur um ihren Sohn, auch die Tochter (25) braucht nach wie vor viel Hilfe. "Sie hat starkes ADHS mit einem Behinderungsgrad von 50 Prozent, ist alleinerziehend. Ihr Sohn (4) hat autistische Züge, zeigt frühkindliche Lernschwierigkeiten. Sie kann dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen, das geht einfach nicht. So fällt sie aber durch die Mindestsicherung, ist auch nicht versichert", schildert Claudia S. Die Volksanwaltschaft beschäftigt sich nun mit dem Fall.

"Politik muss uns endlich zuhören"

Von der Politik fühlt sich die 52-Jährige oft nicht gesehen. "Für uns interessiert sich keiner. Viele der Entscheidungen sind nur Showpolitik", kritisiert sie. Ein Beispiel: das Anstellungsmodell für pflegende Angehörige. "Das ist eine Katastrophe. Wenn ich das machen würde, könnte mein Sohn nicht mal mehr in die Tagesbetreuung gehen, weil das dann eine Doppelfinanzierung wäre. Außerdem dürfte ich dann keine pflegerischen Tätigkeiten wie das Katheter setzen selbst durchführen. Und das gesamte Pflegegeld meines Sohnes (Pflegestufe 5) würde an die Gewerkschaft gehen. Er müsste mich dann praktisch bezahlen", erklärt Claudia S., die hier eine Nachbesserung fordert. 

Auch um den Bürokratie-Dschungel müsse sich endlich jemand kümmern, so die Wienerin. Anträge würden teilweise nicht richtig digitalisiert, Unterstützungen wie etwa einen Rollstuhl anzufordern dauere ewig und ist kompliziert. "Die Politik muss endlich begreifen, dass es uns pflegende Angehörige, vor allem uns pflegende Eltern, gibt und muss uns wirklich zuhören", so ihr abschließender Appell. 

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