Österreich

Pflegerin ging mit Wienerin vor Tod ins Casino, erbte

Eine Pflegerin (46) muss sich seit fast 16 Jahren nach einem Erbe gegen wüste Anschuldigungen verteidigen  – "für etwas, das ich nie getan habe."
Christian Tomsits
18.04.2021, 18:05

Pflegerin Natalie M. kümmerte sich aufopferungsvoll um eine betagte Wienerin. Gemeinsam gingen sie noch ins Casino ("Das wollte sie unbedingt einmal erleben"), dann starb die 81-Jährige am 8. November 2006 nach langer Krankheit. Kurz vor ihrem Tod hatte die millionenschwere Pensionistin die Betreuerin im Testament als Erbin eingesetzt – seither kann die 46-Jährige nicht mehr ruhig schlafen.

Anwalt warf ihr sogar Mord vor

"Der vor ihr als Erbe eingesetzte Anwalt der Familienstiftung zeigte mich wegen Mordverdachts an – drei Mal (!) wurde die Leiche der Verstorbenen obduziert", so M. – das Ergebnis: Eindeutig kein Fremdverschulden. "Dann zerrte er mich wegen einer angeblich gefälschten Testament-Unterschrift vor Gericht." Mehrere Gutachten wurden erstellt. Dabei gingen manche von einer Fälschung aus – andere wiederum nicht. Das Urteil war trotzdem drastisch: Schuldig und sieben Jahre Haft.

Gutachten voller Mängel

Mit einem weiteren Gutachten, das handwerkliche Mängel der alten aufzeigte, gelang eine Neuaufnahme am Wiener Landesgericht. Bald kommt es zum Showdown – mit neuem Obergutachten: "Um 110.000 Euro kommt ein angeblicher Experte nun zum Schluss, die Unterschrift sei wohl eine Fälschung. Seine Arbeit strotzt aber vor Grammatikfehlern und Plagiaten", so ihr Anwalt Thomas Nirk, der findet: "Das ist dreister Betrug." Nun erhebt er Strafanzeige. Natalie M. schöpft dadurch neue Hoffnung: "Seit bald 16 Jahren kämpfe ich nur um meine Gerechtigkeit. Mein Sohn war damals 3 Jahre alt, jetzt wird er erwachsen." Verzweifelt versichert sie: "Obwohl ich finanziell durch die Prozesse und Gutachten alles verloren habe, ist mir das Erbe vollkommen egal." 

Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen