"Pillen und Alkohol!" Formel-1-Mechaniker packt aus

Die Mercedes-Crew bei der Arbeit am Boliden von Lewis Hamilton.
Die Mercedes-Crew bei der Arbeit am Boliden von Lewis Hamilton.picturedesk.com
Die Formel 1 steht für Glamour und Partys. Die harte Welt der Mechaniker sieht im TV keiner. Ein Mechaniker packt über den schockierenden Alltag aus.

Was für eine Saison! Weltmeister Max Verstappen und Rekord-Champion Lewis Hamilton lieferten den Formel-1-Fans Spannung bis zur allerletzten Rennrunde. Harte Duelle auf der Strecke, Wortgefechte vor den Kameras und so mancher Crash – der Zweikampf um den Titel war heuer so spannend wie selten zuvor.

Was ein solches Jahr von den Arbeitern hinter den Kulissen abverlangt, deckt nun ein Mechaniker in einem offenen Interview auf. Der immer engere Rennkalender, Zeit- und Leistungsdruck: Der Traumjob Formel 1 kann so für viele schnell zum Albtraum werden.

Das Fachportal "motorsport-total.com" verrät weder Namen noch Team des Mechanikers. Er will anonym bleiben, um seinen Job nicht zu gefährden.

Mechaniker packt über Missstände aus

Vorweg stellt der Mann klar: "Es lässt sich nicht verbergen, dass das Leben als Formel-1-Mechaniker hart ist. Das war schon immer so, und keiner von uns macht das, weil wir es uns leicht machen wollen." Dass der Rennkalender inzwischen 23 Rennen pro Saison umfasst, bringe ihn und seine Kollegen aber an die Grenze der Belastbarkeit, und darüber hinaus.

"Normale Ärzte würden dir nie das geben, was wir bekommen." – Anonymer F1-Mechaniker

"Der Höhepunkt der Müdigkeit ist, wenn er eintritt, echt schrecklich. Wenn du so weit weg von deinen Liebsten und auf Achse bist, kannst du dich echt alleine fühlen", klagt er neben der harten Arbeit über die Reisestrapazen. "Du bist nicht nur mental ausgelaugt, sondern auch körperlich erschöpft. Mit fortschreitender Saison passieren eine ziemliche Menge Verletzungen. Die Teams haben zwar Ärzte und Physios, um auf dich aufzupassen, die einfachste Lösung ist aber, dich mit Schmerzmitteln vollzupumpen, damit du weitermachst. Nicht in einer Million Jahre würden normale Ärzte dir das geben, was wir bekommen."

Diese Aussage lässt die Alarmglocken schrillen. Damit deutet der Mechaniker an, dass die Teams dem Erfolg alles unterordnen, selbst die Gesundheit ihrer Mitarbeiter. Nachsatz: "Diejenigen, die nicht auf Schmerzmitteln weitermachen wollen, greifen zum Alkohol."

Angesichts dieser Schilderungen haben die jüngsten Äußerungen von Alpha-Tauri-Boss Franz Tost einen bitteren Nachgeschmack. Er sagt: "Sie alle sollten froh sein, dass wir so viele Rennen wie möglich haben, und natürlich kümmern wir uns um die Leute, zum Beispiel haben die Mechaniker nach einem Rennwochenende drei, vier Tage frei, wo sie zu Hause bleiben können." Wem das nicht passe, der könne ja aufhören.

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