Für ein israelisches Ehepaar endete der Urlaub in Österreich am Freitag im Krankenhaus. Die beiden verfuhren sich mit dem Leihauto, kehrten um, übersahen sowohl das Fahrverbotsschild als auch einen Zug und wurden mit ihrem Auto mitgeschleift. Mann und Frau, beide um die 40, wurden schwer verletzt. Rund 100 Fahrgäste des Zuges, davon viele Schüler, blieben wie das Zugpersonal unverletzt.
Das Paar war im Bezirk Zell am See in Piesendorf unterwegs als sie von einer Garnitur der Pinzgauer Lokalbahn erfasst wurden. Um circa 12.10 Uhr fuhren die Israelis auf einer Privatstraße, einer Zufahrt zu einem Schotterwerk. "Laut Aussage der Lokführerin wurde der Pkw zuerst langsamer und hat dann beschleunigt", sagte Lokalbahnchef Gunter Mackinger. Die Lokführerin soll noch Pfeifsignale abgegeben und eine Notbremsung versucht haben - doch da war es bereits zu spät.
"Der Wagen wurde von hinten vom Zug erfasst und ist mitgeschleift worden", sagte der Verkehrsdirektor der Salzburg AG. Die beiden Pkw-Insassen seien nach dem Unfall ansprechbar gewesen, so Mackinger.
Ersten Untersuchungen zufolge hatte sich das Ehepaar verfahren und kehrte um. Als das Auto den Bahnübergang zum zweiten Mal kreuzte, wurde es vom Zug erwischt. Die Lok schleifte den Pkw einige Meter mit, dann stürzte er in den Bahngraben.
Lenker befreite sich selbst, Frau wurde geborgen
Der Lenker konnte sich selbst befreien. Seine Frau, die am Beifahrersitz saß, wurde von Rettungskräften geborgen. Das genaue Alter des Ehepaares stand am Nachmittag noch nicht fest. "Sie sind um die 40 Jahre alt", sagte ein Beamter der Polizeiinspektion Kaprun. Die verletzte Frau wurde ins Krankenhaus Schwarzach geflogen. Ihr Mann wurde mit dem Notarztwagen ins Krankenhaus Zell am See gebracht. Die Bahnstrecke war nach der Kollision für kurze Zeit gesperrt.
Touristen übersahen Fahrverbot und Andreaskreuz
Die zwei Touristen hatten sich den Leihwagen in Kitzbühel (Tirol) gemietet und waren damit nach Zell am See gefahren. Der Lenker dürfte in Piesendorf den herannahenden Zug, der von Zell am See nach Krimml fuhr, übersehen haben, meinte der Polizist. Vermutlich hat der Autofahrer auch die Fahrverbotstafel nicht bemerkt, die an der Firmenzufahrt aufgestellt war. Vor dem Bahnübergang ist eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 20 km/h verordnet, die Eisenbahnkreuzung ist mit einem Andreaskreuz gesichert.