Politik

PISA: Mädchen werden in Mathe immer schlechter

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:28

Österreichs 15- bis 16-Jährige haben in Mathematik aufgeholt und bei PISA 2012 Platz 11 unter 34 OECD-Ländern erreicht. Gleichzeitig ist die Geschlechterkluft im Haupttestfach Mathe deutlich gewachsen. Lagen die Buben vor zehn Jahren noch 8 Punkte vorne, sind es nun 22. Das ist der größte Zuwachs unter allen Ländern. Auf der anderen Seite sind die Mädchen beim Lesen besser.

-Ländern erreicht. Gleichzeitig ist die Geschlechterkluft im Haupttestfach Mathe deutlich gewachsen. Lagen die Buben vor zehn Jahren noch 8 Punkte vorne, sind es nun 22. Das ist der größte Zuwachs unter allen Ländern. Auf der anderen Seite sind die Mädchen beim Lesen besser.

Während sich das Gesamtergebnis im Vergleich zu 2003, als Mathematik zuletzt im Zentrum von PISA stand, nicht verändert hat, gab es eine Verschiebung beim Leistungsspektrum zwischen den Geschlechtern. So ist bei den Burschen der Anteil an Risikoschülern, die bestenfalls einfache Formeln und Schritte zur Lösung von Aufgaben anwenden können, um rund drei Prozentpunkte auf 16,1 Prozent zurückgegangen und gleichzeitig hat sich der Anteil an Mathe-Assen von 16,7 auf 18 Prozent gesteigert.

Bei den Mädchen hat der Anteil der Risikoschülerinnen um fast drei Prozentpunkte auf 21,2 Prozent zugelegt und im Vergleich zu 2003 der Anteil der Spitzenschülerinnen um über einen Prozentpunkt auf 10,6 Prozent abgenommen.

"Schlicht nicht hinnehmbar"

"Über das Auseinanderdriften zwischen Jungen und Mädchen in der Mathematik sollte sich Österreich Sorgen machen", sagt OECD-Vize-Bildungsdirektor Andreas Schleicher. Immerhin könne man anhand der Mathematik-Kompetenzen von Menschen "mit ziemlicher Sicherheit voraussagen, wie groß ihre Chancen auf einen erfüllenden Arbeitsplatz sind und ob sie auch sonst an der Gesellschaft teilhaben werden". Es sei "schlicht nicht hinnehmbar", dass Frauen "so viel schlechter" dastünden als Männer, so Schleicher.

Keine Freude an Mathematik

Die OECD hebt außerdem hervor, dass Österreich zu jenen Ländern gehört, in denen die Schüler - vor allem die Mädchen - am wenigsten Freude an der Mathematik haben. Nur 41 Prozent interessiert, was sie in Mathe lernen (OECD: 53 Prozent). Unter Buben ist immerhin noch jeder zweite interessiert, unter Mädchen nur jedes Dritte.

Unser Schulwesen ist schuld

Die OECD sieht einen Zusammenhang zwischen der geringen Motivation und dem differenzierten Schulwesen ab zehn Jahren: "Bei Schülerinnen und Schülern in derartigen Systemen ist in der Regel eine geringere Motivation im Bereich Mathematik festzustellen, was bedeutet, dass sie keinen greifbaren Nutzen darin sehen, Mathematik zu lernen."

Mädchen lesen viel besser

Große Geschlechtsunterschiede in die andere Richtung gibt es auch immer noch beim Lesen: Hier erreichen die Mädchen wie schon seit der ersten PISA-Studie 2000 bessere Ergebnisse, der Unterschied liegt im Schnitt bei 37 Punkten. In den Naturwissenschaften schneiden Burschen und Mädchen ähnlich ab.

Bildung ist vererbbar

Bei der Leistung können in Österreich 16 Prozent der Unterschiede mit dem sozioökonomischen Hintergrund der Schüler erklärt werden (OECD: 15 Prozent). Der Unterschied zwischen besser-und schlechtergestellten Schülern liegt im OECD-Schnitt bei 39 Punkten - das entspricht etwa dem Leistungsvorsprung von einem Schuljahr. In Österreich ist der Abstand mit 43 Punkten etwas größer und im Vergleich zu 2003 unverändert.

Dabei habe PISA 2012 erneut gezeigt, "dass sich gleiche Bildungschancen und exzellente Ergebnisse nicht ausschließen", heißt es von der OECD mit Verweis auf Länder wie Australien, Kanada, Estland, Finnland und Liechtenstein.

Migranten werden besser - außer bei uns

Keine Verbesserung gab es in Österreich auch bei den Chancen von Schülern mit Migrationshintergrund. Sowohl in der OECD als auch in Österreich ist seit 2003 der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund gestiegen (von neun auf 12 bzw. 13,1 auf 16,4 Prozent). Während sich aber im OECD-Schnitt der Leistungsabstand der Schüler mit Migrationshintergrund um elf Punkte verringert hat, ist er in Österreich unverändert groß.

Beim Anteil der Schüler, die trotz ungünstigem Hintergrund über Erwarten gut abschneiden, landet Österreich mit 5,6 Prozent nahe dem OECD-Schnitt (6,5 Prozent).

Eltern und Lehrer sind wichtig

Die OECD hat aus PISA 2012 auch Erfolgsfaktoren für Bildungssysteme herausdestilliert: Die Spitzenländer legen großen Wert auf Auswahl und Ausbildung der Lehrer und geben ihnen viel Autonomie, um Zielvorgaben zu erreichen. Weitere Faktoren: Schüler, deren Eltern hohe Erwartungen in sie setzen, strengen sich mehr an und sind motivierter und selbstbewusster. Leistungen werden auch gefördert, wenn Schüler davon überzeugt sind, dass Erfolg aus Anstrengung und Arbeit entsteht "und nicht aus vermeintlich vererbter oder nicht vererbter Intelligenz".

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