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Pistorius nach Ende des Kreuzverhörs unter Druck

Heute Redaktion
14.09.2021, 02:38

Das Kreuzverhör von Paralympics-Star Oscar Pistorius (27), der seine Freundin Reeve Steenkamp am 14. Februar 2013 in seinem Haus in Pretoria durch die verschlossene Toilettentür erschossen hat, ist beendet. Rechtsexperten sehen die Glaubwürdigkeit des Angeklagten erschüttert, nachdem sich dieser bei der beinharten Befragung durch Staatsanwalt Gerrie Nel mehrmals in Widersprüche verwickelt hat. Die Anklage will den Prozess am 5. Mai fortsetzen.

. Die Anklage will den Prozess am 5. Mai fortsetzen.

Der Staatsanwalt hat im Mordprozess gegen Paralympics-Star Oscar Pistorius dem Angeklagten erneut vorgeworfen, absichtlich und wissentlich seine Freundin Reeva Steenkamp erschossen zu haben. "Sie war im Badezimmer eingeschlossen und Sie haben sich bewaffnet aus dem einzigen Grund, sie zu erschießen und zu töten", sagte Gerrie Nel zum Ende seines fünftägigen Kreuzverhörs am Dienstag in Pretoria.

In den Tagen zuvor hatte er ihn mehrmals des Mordes bezichtigt, ihn zeigen lassen.

Urteil frühestens im Mai

Der Staatsanwalt nannte die Version der Ereignisse von Pistorius unplausibel. Das Gericht werde zu dem Ergebnis kommen, dass "Sie vier Schüsse durch die Tür abgegeben haben, wohlwissend, dass sie (Steenkamp) dahinterstand", sagte der Staatsanwalt. "Das stimmt nicht", sagte Pistorius schluchzend. Die Verteidigung will eine längere Verhandlungspause einlegen. Die Richterin will darüber am Mittwoch entscheiden. Ein Urteil wird frühestens in der zweiten Hälfte Mai erwartet.

In den Prozesstagen zuvor hatte sich Pistorius immer wieder in Widersprüche verwickelt. Der Angeklagte gab - oft unter Tränen und mit zittriger Stimme - mehrfach zu, dass er seit der Tat unterschiedlich über Details wie das Ausschalten der Alarmanlage ausgesagt habe. Er begründete die Widersprüche meist mit Gedächtnislücken. Bei einer Verurteilung droht Pistorius eine lebenslange Gefängnisstrafe.

Experte: "Verteidigung geschwächt"

Nach sieben Tagen im Zeugenstand sehen Experten den 27-Jährigen in großer Not. Die Verteidigung sei geschwächt, sagte Professor Wium de Villiers (Universität Pretoria) der "Cape Times". Er verwies auf unterschiedliche Schilderungen der Tatnacht: Zunächst habe die Verteidigung mit "vermeintlicher Notwehr" argumentiert, nun könne sie nur noch auf einen Freispruch wegen "unfreiwilliger Aktion" plädieren. Auch Rechtsprofessor James Grant (Wits Universität Johannesburg) schrieb von einem "erheblichen Schaden", den Pistorius für sich selbst angerichtet habe.

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